ZenWeg

Archiv März, 2009

WENN DIE KLANGSCHALE VERKLINGT . . .

Die Klangschale ertönt dreimal, um den Beginn des Sitzens anzukündigen. Schenkt ihrem Klang eure ganze Aufmerksamkeit. Wenn ihr Ton verklingt, haltet inne und lauscht. Mit fortschreitendem Üben wird das Lauschen tiefer, bis wir schließlich den Laut der Stille und dessen, was jenseits von ihr liegt, vernehmen können.

Sobald das Zazen begonnen hat, bewegen wir uns nicht, bis die 25 Minuten vorbei sind. Wenn ihr zu Hause übt, sind zehn- oder fünfzehnminütige Sitzmeditationen anfangs auch in Ordnung. Macht, was möglich ist.  Aber es ist  sehr wichtig, euch während des Zazen nicht zu bewegen - auch dann nicht, wenn es unbequem wird. Dadurch, dass wir uns nicht bewegen, heben wir unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen auf und erlauben uns, für das, was gerade geschieht, präsent zu sein.

Wenn uns etwas stört, versuchen wir gewöhnlich, die Dinge zu analysieren und in Ordnung zu bringen. Manche Menschen wollen auch die Welt verändern. Die Welt zu verändern, zu heilen und in Ordnung zu bringen, bildet die Grundlage vieler Religionen. Aber beim Zen fragen wir: »Wo ist denn die Welt? Wo ist denn dieses Selbst, das du in Ordnung bringst?«

Buddha sagte: »Bevor du andere geradebiegst, musst du zuerst etwas viel Schwierigeres vollbringen - dich selbst geradebiegen« (Dhammapada). Bevor ihr euch dranmacht, die Welt, oder euren Partner zu verändern, haltet einen Augenblick inne. Konzentriert euch stattdessen auf euch selbst.

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WORUM GEHT ES EIGENTLICH BEIM ÜBEN ?

Viele Menschen üben und haben sehr genaue Vorstellungen davon, was Üben ist. Ich möchte von meinem Standpunkt aus feststellen, was Üben nicht ist. Zunächst geht es beim Üben nicht darum, psychologische Veränderungen zu bewirken. Wenn wir mit unseren Verstandeskräften üben, wird eine psychologische Veränderung in Gang kommen, das stelle ich nicht in Frage - nein, es ist sogar etwas sehr Schönes. Ich meine nur, dass man nicht übt, um solche Veränderungen zu bewirken.

Beim Üben geht es nicht darum, verstandesmäßig zu erfassen, was das physische Wesen der Wirklichkeit ist, woraus das Universum besteht, und wie es funktioniert. Natürlich werden wir beim ernsthaften Üben auch Wissen über solche Dinge erlangen können. Aber darum geht es nicht.

Das Üben zielt nicht darauf ab, einen Zustand der Glückseligkeit zu erlangen. Auch um Visionen geht es nicht. Es geht nicht darum, ein weißes oder blaues Licht zu sehen. All das kann geschehen, und wenn wir lange genug sitzen, wird es wahrscheinlich auch geschehen. Aber darum geht es beim Üben nicht.

Es geht beim Üben nicht darum, besondere Kräfte zu erlangen oder zu kultivieren. Es gibt vielerlei Kräfte dieser Art, und wir haben schon von Natur aus einige von ihnen, manche Menschen in besonders hohem Maß. Solche Fähigkeiten sind kleine Kuriositäten, aber auch sie sind nicht etwas, um dessentwillen man übt.

Man übt nicht, um angenehme, glückliche Empfindungen zu erzeugen. Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen im Gegensatz zum Missbehagen. Es ist nicht der Versuch, etwas Besonderes zu sein oder irgend etwas Besonderes zu fühlen. Das Ergebnis und der Sinn des Übens ist es auch nicht, immer ruhig und gefasst zu sein. Natürlich werden wir das nach Jahren des Übens viel öfter sein, aber es ist nicht der Kern der Sache.

Beim Üben wollen wir nicht einen körperlichen Zustand erzeugen, in dem wir nie krank sind, in dem uns nie irgendwelche lästigen Leiden plagen. Es geht nicht darum, vollkommene Gesundheit zu suchen, auch wenn im großen und ganzen im Laufe der Zeit sich bei den meisten Menschen eine bessere Gesundheit einstellt. Es gibt keine Garantie!

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SAMADHI IM ALLTAG

Samadhi bedeutet Sammlung und Stille des Geistes. Es ist der nicht-duale Zustand, in dem Subjekt und Objekt eins werden. Bei unseren ersten Meditationsabenden in diesem Jahr habe ich drei der insgesamt vier Kategorien des Samadhi vorgestellt. Ihr erinnert Euch:

Im positiven Samadhi nehmen äußere Umstände unsere volle Aufmerksamkeit in Beschlag. Wenn wir z. B. von einem Sonnenuntergang am Meer vollkommen fasziniert sind. - Das absolute Samadhi liefert uns die Grundlage für die Praxis des Zazen und bezieht sich auf die innere Aufmerksamkeit. In der Meditation verschmilzt unser Bewusstsein mit  dem Objekt unserer Konzentration, sei es unser Atem, ein Koan (Zen-Rätsel) oder eine Kerzenflamme direkt vor uns. - Und in der dritten Kategorie, im Samadhi der Selbst-Beherrschung, können wir eine Versenkung im unendlichen Raum - im unendlichen Bewusstsein - jenseits unserer Wahrnehmung - in der Stille des Nichts - erreichen. Allerdings muss man durch diesen Geisteszustand des „Nichts” noch vollständig hindurch, um die Erfahrung des Erwachens zu machen. Denn zur Erleuchtung kann man nur kommen, wenn man seine alten, gewohnten Bewusstseinsweisen abgestreift hat.

Heute möchte ich nun die vierte Samadhi-Kategorie erläutern, wie sie der buddhistische Mönch und promovierte Psychologe Jack Kornfield in seinem Buch „Das weise Herz” beschrieben hat. Die vierte Samadhi-Art ist die Verfassung, die der Zen-Schüler im Stadium der Reife erlangt. Er geht in die Alltagswelt hinaus und lässt seinen Geist ungehemmt arbeiten, aber er verliert dabei nicht den Kontakt zu seinem „inneren Menschen”, den er in seinem absoluten Samadhi zum Leben erweckt hat. Wenn wir annehmen, dass es bei der Zen-Übung überhaupt ein Ziel gibt, dann dieses: die Freiheit des Geistes im alltäglichen Leben. Oder um es anders zu sagen: Wenn Ihr so reif seid, dass Ihr absolutes Samadhi einüben könnt, verbindet bei der Rückkehr in Euer Alltagsleben die Achtsamkeit  im positiven Samadhi mit der Selbstbeherrschung des absoluten Samadhi. Das ist der höchste Reifezustand im Zen.

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