26 Jan
Bei unserem ersten Meditationsabend in diesem Jahr habe ich zwei der insgesamt vier Arten des Samadhi vorgestellt. Ihr erinnert Euch: im positiven Samadhi nehmen äußere Umstände unsere volle Aufmerksamkeit in Beschlag. Wenn wir z. B. von einem Sonnenuntergang am Meer oder einem Konzert vollkommen fasziniert sind, sind wir uns unseres Verhaltens, unserer Gefühle und Gedanken nicht bewusst.
Die zweite Kategorie bezieht sich auf die innere Aufmerksamkeit. Wenn wir meditieren und uns ganz auf den Atem konzentrieren, entwickelt sich ein Samadhi, bei dem eine Art selbständige spirituelle Kraft den Geist beherrscht. Dieses innere wird auch das absolute Samadhi genannt, das uns die Grundlage für die Praxis des Zazen liefert.
Bekanntlich wirkt das Bewusstsein auf zwei verschiedene Weisen; die eine ist nach außen, die andere nach innen gerichtet. Wenn das Bewusstsein mit äußeren Dingen beschäftigt ist, vergisst man die innere Aufmerksamkeit und umgekehrt. Es gibt aber noch eine weitere wichtige Tätigkeit des Bewusstseins: Es kann über sein eigenes Denken nachdenken. Selbst-Bewusstsein stellt sich ein, wenn man sich des Gedankens, den man gerade gedacht hat, bewusst wird und man diesen Gedanken als einen eigenen Gedanken registriert.
(weiterlesen…)
25 Jan

EINFACH NUR SITZEN
Im Zentrum des Übens steht die »stille Sitzmeditation« (Zazen), eine Methode zur umfassenden Bewusstseinsschulung und persönlichen Reifung: Zazen üben heisst, mit einem Höchstmaß an Konzentration und Achtsamkeit den Geist reinigen, leermachen - nicht denken.
Bei der klassischen Meditationshaltung setzt man sich möglichst aufrecht auf ein Kissen (Zafu), kreuzt die Beine und drückt die Knie auf den Boden. Das Dreieck aus Knien und Steißbein sorgt für eine stabile Körperhaltung als gute Voraussetzung, um auch innerlich zur Ruhe zu kommen.
Burmesischer Sitz
Anfänger sollten mit dem burmesischen Sitz oder Fersensitz beginnen. Die Unterschenkel liegen hierbei nahezu parallel voreinander, wobei die Knöchel auf der Unterlage ruhen. Das ist weniger anstrengend für die Knie. Nach einiger Übung kann man sich langsam zum halben Lotussitz „hocharbeiten“.
Lotussitz
Rechten Fuß so weit oben wie möglich auf den linken Oberschenkel legen und den linken Fuß entsprechend auf den rechten. Allerdings können nur wenige Menschen ohne monatelange Streckübungen diese Sitzposition mühelos einnehmen.
Halber Lotussitz
Im Prinzip wie beim vollen Lotussitz, aber nur den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel legen oder umgekehrt. – Eine leicht geänderte Form besteht darin, den Fuß statt auf den Ober- auf den Unterschenkel zu legen, was wesentlich einfacher ist. – Noch einfacher ist es, nur die Unterschenkel kurz über den Knöcheln zu kreuzen.
Fersensitz (Seiza)
Diese kniende Haltung kann auf einem Kissen (auch hochkant) oder einem Bänkchen eingenommen werden. Das Gewicht ruht auf dem Sitzkissen bzw. der Bank, den Knien, Schienbeinen und Knöcheln. Der Fersensitz eignet sich bei längerem Zazen als Entspannungsübung.
Wer mit all diesen Sitzarten Probleme hat, kann auch auf einem Hocker oder Stuhl Platz nehmen.
Körperhaltung
Aus der stabilen Sitzhaltung heraus strebt die Wirbelsäule senkrecht nach oben. Hohlkreuz und „Buckel“ sollten vermieden werden. Der Kopf ist gerade, das Kinn leicht zurückgezogen, so dass der Scheitel gegen die Decke „stößt“. Die Schultern bleiben locker.
Handhaltung
Zwei Handhaltungen sind möglich: 1. Die rechte Hand umfasst den linken Daumen von oben. Die Finger der linken Hand bedecken die rechte Faust. Beide Hände vor dem Unterleib entspannt auf den Oberschenkeln ablegen. 2. Die Hände liegen wie zwei Schalen übereinander, die linke Hand in der rechten. Die Daumen berühren sich leicht und bilden mit den Zeigefingern das kosmische Mudra – ein Oval, das ungefähr auf Höhe des Bauchnabels gehalten wird.
Augen
Wann immer wir Zazen praktizieren, sollten wir mit niedergeschlagenen, aber leicht geöffneten Augen im Winkel von etwa 45 Grad vor uns auf den Boden oder gegen die Wand blicken. Dabei schauen wir mit höchster Aufmerksamkeit „nach innen“ und achten darauf, keinen Blickpunkt außen zu fixieren.
Atmung
Bei der Zen-Meditation sollte die Atmung einen langsamen, kraftvollen und natürlichen Rhythmus aufbauen. Wenn man sich auf ein langes und tiefes Ausatmen konzentriert und die Aufmerksamkeit auf die Haltung lenkt, geschieht die Einatmung ganz von selbst. Geatmet wird in das Zwerchfell, nicht in den Brustkorb. Die Ausatmung, die leichten Druck auf den ganzen Unterleib ausübt, entwickelt große Energie in Höhe der Taille und Nieren. Beim Zazen verlangsamt sich der Atemrhythmus wie auch der Herzrhythmus; das Blut und die inneren Organe werden besser mit Sauerstoff versorgt.
Der Geist
Um den Geist zu beruhigen, sollten wir aufmerksam unserem Atem folgen und beim Ausatmen mitzählen: am besten bis zehn und dann wieder von vorn beginnen. Dabei sitzen wir wie ein Berg und lassen die Gedanken wie Wolken an uns vorüberziehen. Nicht gegen sie ankämpfen, sich nicht darüber ärgern, aber sich auch nicht von ihnen mitziehen lassen. Sie einfach unbeeindruckt beobachten. Wenn dann die störenden Gedanken seltener werden, konzentrieren wie uns auf die Pausen dazwischen, auf das “Nichts”, keine bildlichen Vorstellungen, keine Assoziationen, einfach nur bewusst da sein.
KINHIN - ZAZEN IN DER BEWEGUNG
Die Gehmeditation, japanisch Kinhin genannt, ist im Grunde die Fortsetzung des Zazen in der Bewegung. Zwischen den einzelnen Sitz-Phasen gehen wir meditierend im Kreis, in dem wir achtsam beim Einatmen und Ausatmen je einen Schritt machen. Die Augen sind wie beim Zazen halb geöffnet, der Blick bewegt sich zwei Meter voraus etwa in Höhe der Taille des Vorangehenden.
Die Hände liegen ungefähr vor dem Solarplexus ineinander, so dass die Unterarme in der Waagerechten eine Gerade bilden. Die rechte Hand formt eine Faust, die linke bedeckt sie von vorn. Beim Gehen wird die Ferse zuerst aufgesetzt, dann rollt der Fuß in einer sanften Bewegung ab. So schreiten wir mit geradem Rücken und lockeren Schultern etwa fünf Minuten hintereinander durch den Meditationsraum.
.
SYMBOLE UND RITUALE
Im Zen sind religiöse Symbole nur der Finger, der zum Mond zeigt - aber nicht der Mond selbst. Sie sind Wegweiser, die über sich hinaus auf die jenseits allen Begreifens liegende Wirklichkeit hinweisen. Allerdings können sie zugleich auch Hindernisse auf dem spirituellen Weg sein, wenn wir sie fälschlicherweise für das halten, was sich nicht durch Bilder oder Worte darstellen lässt.
Damit sie nicht unsere spirituelle Weiterentwicklung blockieren, sollten wir uns stets über den eigentlichen Zweck und Nutzen der Symbole klar werden. Eine Buddha-Figur zum Beispiel erinnert uns an den großen Lehrmeister der Menschheit und fordert gleichzeitig dazu auf, seinen Weg zur Befreiung von Leid und Angst fortzusetzen. Auch wenn diese Statue ein wertvolles Kunstobjekt wäre, bliebe sie aber letztendlich immer eine leere Form. - Ebenso verhält es sich mit den Ritualen im Zen. Ob es dabei um Art und Weise der Meditation, um Rezitationen, Verbeugungen oder Niederwerfungen geht, alle diese Übungen dienen keinen religiösen Bekundungen, sondern nur zur Einstimmung und Konzentration auf die Versenkung.
Erst wenn wir uns von den alten Denkweisen des spirituellen Materialismus vollkommen befreien und bereit sind, das Eintauchen in die große Leere zu wagen, werden wir aus dem Traum der dualistischen Welt erwachen und die kosmische Dimension des ursprünglichen reinen Seins entdecken. Dann werden wir die wahre Natur des nicht getrennten Selbst - das Einssein mit der Urquelle - erkennen.
25 Jan

Die Wurzeln des Zen reichen 2.500 Jahre zurück bis zum historischen Buddha in Indien. Sein Leben zeigt als ältestes Vorbild der Menschheitsgeschichte, wie man aus eigener Kraft zu Erleuchtung und Vollkommenheit gelangen kann. Buddha war auch der erste, der die ursprüngliche Yoga-Meditation aus ihrer asketischen Einengung der Weltabkehr befreite und in eine praktische Übung für jeden zur Bewältigung seiner Lebensaufgabe umwandelte.
Im sechsten Jahrhundert brachte der legendäre Patriarch Bodhidharma dieses Gedankengut nach China. Der Legende nach übte er dort neun Jahre lang vor einer Felswand das „Sitzen in Versunkenheit“. Seine Lehre, der stark auf die Meditation ausgerichtete Dhyana-Buddhismus, entwickelte sich unter taoistischen und konfuzianischen Einflüssen zur chinesischen Urvariante des Zen zum Chan-na: kurz Chan genannt.
Im Lauf der folgenden Jahrhunderte bildeten sich in China unter den großen, bis heute maßgeblichen Meistern bedeutende Chan-Schulen heraus. Zwei davon gelangten als Rinzai- und Soto-Schule im 13. Jahrhundert nach Japan, wo sie unter der Bezeichnung «Zen» (Abkürzung von Zenno / Zenna, der japanischen Lesart von Channa) weitere berühmte Meister hervorbrachten und noch heute existieren.
Alle großen Zen-Schulen waren und sind sich darin einig, dass Buddha weder eine menschliche Gottheit noch der Schöpfer der Welt ist, sondern ein Mensch. Buddha Shakyamuni wird verehrt, weil seine Dharma-Lehre eine der ältesten Erlösungslehren der Erde ist, deren Schöpfer wir kennen und der noch heute Millionen Anhänger hat.
Und er war nicht der einzige Buddha, vor ihm und nach ihm gab es noch andere Buddhas, die eine fast ebenso tiefe Einsicht erreicht haben. Jeder Mensch kann zum Buddha werden, denn er trägt die „Buddha-Natur“, den Ansatz der Vollkommenheit in sich, um sich von den Ursachen des Leids (Begierde, Hass, Verblendung) befreien zu können.
Die Zen-Meditation dient zur Vorbereitung dieser „Großen Erfahrung”, jener mystischen Wirklichkeit von Satori oder Kensho (Erleuchtung bzw. Wesensschau), die gemeinhin als Ziel der Zen-Übung angesehen wird. Ein solches Ziel darf es aber eigentlich im Sinne der Selbstlosigkeit des Zen gar nicht geben. Die „Erfahrung” kann deshalb auch nicht herbeigeführt werden - und sei es durch noch so intensives Üben.
Man darf die Erleuchtung nicht suchen, nicht erwarten, nicht erhoffen, man kann sich höchstens von ihr finden und erfassen lassen. Wo diese Erfahrung in einem Menschen stattgefunden hat, da formt und prägt sie Ausdruck und Haltung, bis sie im Leben und Sein des Einzelnen vollkommen integriert und dann in seiner Erscheinung erkennbar ist, insbesondere für einen anderen Erfahrenen.
Zen gründet zwar im Buddhismus, vermittelt aber keinen Glauben, kein Dogma, kein theoretisches Wissen, sondern eine Lebenshaltung und einen Weg zur wahren Menschlichkeit. Die drei tragenden Säulen des Zen sind Meditation, Ethik und die von Weisheit durchdrungene Erkenntnis der Wirklichkeit.
Wer sich mit Zen beschäftigt, wird bald erkennen, dass es ihm eine vollkommen neue Perspektive auf sich und die Welt ermöglicht. Die Einsicht in das eigene Wesen, mit der im Idealfall die Einsicht ins Wesen aller Dinge verbunden ist, das ist es, was Zen auch für viele Menschen hier im Westen so attraktiv und wertvoll macht, auch wenn sie nur bestimmte Bereiche in ihren Alltag integrieren können.
Was ist nun also Zen?
Das Geheimnis des Zen ist die Praxis des Zazen: In einer Haltung tiefer Konzentration einfach nur sitzen, ohne Ziel und ohne Streben nach Erleuchtung. Die Zen-Meditation führt nicht in die Isolation, sondern wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Denn sie führt beide zurück zu ihrem normalen Zustand. – Zen ist der Weg zu unserer ursprünglichen Natur, der „Buddha-Natur“
25 Jan

Unser Übungsraum
Seit dem Frühjahr 2008 befindet sich unser Übungsraum (Zendo) in der Yoga-Oase. (Wegbeschreibung: Wenn Sie auf der Weseler Straße (B 58) Richtung Geldern fahren, biegen Sie nach der 1. Ampel rechts in die Fürstenberger Straße ein und danach sofort links in „Am Geesthof” zur Nr. 4.) Hier können wir in einer angenehmen und ruhigen Atmosphäre Zazen praktizieren und je nach Bedarf alle Einrichtungen nutzen - bis hin zur komplett ausgestatteten Küche. Sitzkissen und Matten sind ebenfalls vorhanden. Von den Teilnehmern wird - als Beteiligung an den Mietkosten für den Übungsraum - ein Beitrag von etwa 3,- Euro erbeten.
.
AnfängerInnen sind stets willkommen
Ungeübte erlernen zunächst einmal das “richtige Sitzen”, die äußeren Voraussetzungen für Zazen. In aller Stille, regungslos, aufrecht und wach sitzen wir möglichst mit übergeschlagenen Beinen auf einem Meditationskissen. Wir üben die feinfühlige Balance zwischen Anspannung und Entspannung, in der unser Körper ruhen und unsere Atmung ihren natürlichen Rhythmus annehmen kann.
Dann lernen wir Hilfsmittel kennen, die den Geist zur Ruhe bringen. Die Fähigkeiten der Konzentration und Fokussierung werden schrittweise geschärft und wir wachsen in unserem Vermögen, mit Klarheit und Aufmerksamkeit in Zazen zu sitzen. Indem wir das diskursive Denken beenden, kommt allmählich auch das zum Vorschein, was sich bisher unbesehen an der “Rückseite” des Geistes abgespielt hat. Den geistigen Blick für das Unbewusste zu öffnen, ist zweifellos ein großer Gewinn für uns selbst und für den Dienst an unseren Mitmenschen.
Die japanische Form der Zen-Übung, die wir praktizieren, ist von Ritualen und Formen geprägt. Sie erfordert daher ein gewisses Maß an Disziplin, und eignet sich nur für Menschen, die bereit sind, an sich zu arbeiten. Vorkenntnisse sind zwar nicht erforderlich, aber Sie sollten vorher einmal ausprobieren, ob Sie eine Viertelstunde lang ruhig sitzen können. Eine für Sie geeignete Haltung und Sitzhilfe finden Sie rechts unter “05 - Anleitung”.
Bitte melden sich beim ersten Besuch vorher zu einer kurzen Einweisung an (Telefon 02831-9766260). Bequeme, dezente Kleidung ist empfehlenswert; es besteht die Möglichkeit, sich vor bzw. nach dem Zazen umzuziehen. - Für Interessierte, die sich zunächst umfassender informieren möchten, bieten wir auf Wunsch auch die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch.
.
Ablauf der Meditationsabende
Wir treffen uns etwa eine Viertelstunde vor Beginn der Meditation, um unsere Sitzplätze vorzubereiten, so dass wir ungestört um 20.00 Uhr anfangen können. Wer sich verspätet und die Zendo-Tür verschlossen vorfindet, muss diesmal leider draußen bleiben.
Der Ablauf gestaltet sich folgendermaßen:
Sarei ______________ kleine Teezeremonie
Einstimmung ________Kurzvortrag und OM-Rezitation
Zazen _____________ zweimal 25 Minuten Sitzmeditation
Kinhin _____________ dazwischen Meditation im Gehen
Rezitation __________ Herz-Sutra im japanischen Sprechgesang
Im Anschluss daran gibt es beim Tee noch Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Die Zusammenkunft endet gegen 22 Uhr.
.
_Sarei
Zu Beginn jedes Meditationsabends trinken wir in einer kleinen Zeremonie gemeinsam Tee. Dabei teilen wir uns den Inhalt der Tasse in vier Schlückchen für “Reinheit, Ehrfurcht, Harmonie und Stille” ein.
_Zazen
ist das Sitzen in Stille mit geradem Rücken und möglichst überkreuzten Beinen. Sollte es aus körperlichen Gründen nicht möglich sein, diese Sitzhaltung einzunehmen, so bestehen auch andere Möglichkeiten um Zazen zu praktizieren. Weitere Informationen dazu finden Sie rechts unter „05 - Anleitung”. - Für den Anfänger geht es beim Zazen zunächst einmal darum, zu lernen, den Geist auf ein Objekt zu konzentrieren. Dies geschieht durch das Zählen bzw. Beobachten der Atemzüge. - Während einer Sitzrunde darf die Zendo (Übungsraum) weder betreten noch verlassen werden.
_Kinhin
Bei der Gehmeditation soll die Geisteshaltung, die beim Zazen geübt wurde, in die Bewegung integriert und die gewonnene Achtsamkeit beibehalten werden. Wir gehen etwa fünf Minuten in einer Reihe hintereinander und verbinden unseren Atem mit den Schritten. Dabei gehen wir zunächst mit hoher Achtsamkeit langsam, wechseln dann beim ersten Klang der Takus (Schlaghölzer) mit einer Verbeugung (Gassho Tetto) in eine schnellere Gangart und begeben uns beim zweiten Schlag zu unseren Plätzen. Während des Kinhin darf die Zendo verlassen werden. Weitere Informationen finden Sie rechts unter “05 - Anleitung”.
_Rezitation
Wir rezitieren das Herz-Sutra im monotonen japanischen Sprechgesang. Den Text und die deutsche Übersetzung finden Sie rechts unter „Rezitation”.
.
Zendo-Regeln
1. Die Zendo ist der Übungsraum, wo wir Zazen praktizieren. Sie ist ein Ort höchster Achtsamkeit; ein Ort des Sitzens und der Selbstfindung in Stille. Für uns wird der Yoga-Raum am Sonntagabend zur Zendo.
2. Beim Eintreten in die Zendo verbeugen wir uns mit vor der Brust aneinander gelegten Handflächen (Gassho tetto) und gehen mit dieser Handhaltung (Gassho) zu unserem Platz. Dort drehen wir uns zur Raummitte, verbeugen und setzen uns hin.
3. Beim Verlassen der Zendo machen wir an unserem Platz, dem Raum zugewandt, Gassho tetto. Dann begeben wir uns mit Shasshu, der Handhaltung wie bei der Gehmeditation - d.h. mit der rechten Hand den linken Daumen umfassen und mit den Fingern der Linken den rechte Handrücken bedecken - bis zur Tür. Dort machen wir Gassho tetto zum Raum hin und geht hinaus.
4. Während einer Zazen-Periode sollte man sich möglichst nicht bewegen oder unnötige Geräusche machen. Die Zendo darf nur während der Gehmeditation (Kinhin) betreten und verlassen werden.
5. Der Meditationsleiter (Jikijitsu) ist für die Aufrechterhaltung des Zen-Geistes und der Harmonie in der Zendo zugunsten aller verantwortlich.
6. In der Zendo sollen alle ichhaften Willensäußerungen aufgegeben und ausgelöscht werden, so dass die Übenden ihre wahre Natur erfahren können. Alle bemühen sich in Harmonie miteinander und nach Kräften, diesen Regeln in Achtsamkeit zu genügen.
13 Jan
Ein berühmter Chirurg war einmal bei einer Operation, die äußerste Konzentration erforderte. Während er an der Arbeit war, gab es plötzlich ein Erdbeben. Die Stöße waren so stark, dass die meisten Assistenten unwillkürlich aus dem Raum rannten, um sich in Sicherheit zu bringen. Aber der Chirurg war derart in seine Arbeit vertieft, dass er die Stöße überhaupt nicht wahrnahm. Nach dem Ende der Operation erzählte man ihm von dem Erdbeben, und erst da nahm er es zur Kenntnis. Er war vollständig in seine Arbeit aufgegangen. Da ist eine Art von Samadhi. - Wir machen diese Erfahrung, wenn wir lesen, schreiben, denken, angeln, Bilder anschauen, im Theater oder beim Fußball. Tatsächlich gehen wir jeden Augenblick im Tun oder im Gedanken dieses Augenblicks auf.
Es gibt unterschiedliche Grade des Aufgehens unterschiedliche Zeitdauern, und es gibt auch Unterschiede zwischen vorsätzlicher und unwillkürlicher Aufmerksamkeit: Das ist zum Beispiel der Unterschied zwischen dem Fasziniert werden von einem Fußballspiel (unwillkürliche Aufmerksamkeit) und der Konzentration, die ein Chirurg für seine Operation aufwendet (willentliche Aufmerksamkeit).
Rinzai Zenji, der Begründer der Rinzai-Zen-Schule, hat die verschiedenen Arten des Samadhi in vier Kategorien unterteilt. Auf der ersten Stufe sind wir uns unseres Verhaltens, unserer Gefühle, unserer Gedanken nicht bewusst. Der innere Mensch ist vergessen, und äußere Umstände nehmen unsere volle Aufmerksamkeit in Beschlag. Wir müssen uns daran erinnern, dass das Bewusstsein auf zwei verschiedene Weisen wirkt; die eine ist nach außen, die andere nach innen gerichtet. Wenn das Bewusstsein mit äußeren Dingen beschäftigt ist, vergisst man die innere Aufmerksamkeit und umgekehrt.