18 Nov
Ein Zenmönch lebte mit seinem einäugigen und einfältigen Bruder. Eines Tages kündigte sich ein berühmter Theologe an, der von weither kam, um den Mönch zu treffen. Da dieser jedoch bei dessen Ankunft nicht zugegen sein konnte, sagte er seinem Bruder: „Empfange diesen Gelehrten würdig und behandle ihn gut! Halte den Mund und alles wird gut gehen!”
Mit diesen Worten verließ er das Kloster. Bei seiner Rückkehr suchte er umgehend seinen Besucher auf: „Hat mein Bruder Sie gut empfangen?”, erkundigte er sich. Der Theologe antwortete ihm überschwänglich: „Ihr Bruder ist wirklich außerordentlich. Wahrhaft ein großer Theologe!” Der Mönch brachte nur stotternd hervor: „Wie bitte? Mein Bruder … ein … Theologe … ?”
4 Nov
Eines Tages wurde Joshu von einem Schüler gefragt: „Meister, was tust Du, wenn Du mit einem Unheil konfrontiert bist?” Joshu öffnete die Arme, atmete tief ein und erwiderte mit einem großen Lächeln: „So ist es.”
Eigentlich fragt der Schüler, wie er das Unheil wohl am besten vermeiden könnte. Der Meister hingegen antwortet: „Es gibt gar kein Unheil.” Allein der Begriff lässt es existieren. Das Bewusstsein eines Unheils schafft das Unheil. Befinden wir uns in einer Lage, die wir für eine Katastrophe halten, so sollten wir zuerst erkennen, dass uns nichts „Schreckliches” widerfährt. Wir könnten es annehmen wie Joshu.
Alle Ereignisse unseres Lebens sind Wunder. Wir sind inmitten dieser Dinge, mitten im „So ist es”. Wir sollten aufhören, es Unheil zu nennen. Nennen wir es lieber das „Leben mit all seinen Widersprüchen, seinen Krisen und zahlreichen Facetten”. Mitten im Unheil sind wir im „So ist es”. Man macht mir einen Prozess, dann ist es so. Unsere Partnerschaft steckt in der Krise, dann ist es so. Mit einer solchen Geisteshaltung vermeiden wir weder das Leben, noch seine harten Schläge.