20 Okt
“Wenn ein Verwandter geht, begleiten wir ihn hinaus und verabschieden ihn. Wir schauen ihm nach, bis er aus unserem Gesichtsfeld verschwunden ist, und dann gehen wir wieder hinein. Den Atem beobachten wir auf die gleiche Weise. Wenn der Atem grob ist, wissen wir, dass er grob ist, wenn er zart ist, wissen wir, dass er zart ist. Während er zunehmend zarter wird, folgen wir ihm weiter, während wir gleichzeitig den Geist erwecken. Schließlich verschwindet der Atem ganz, und alles was bleibt, ist das Gefühl der Wachheit. Das ist das, was wir den Buddha treffen nennen.” Ajahn Chah *
Wer in der Meditation Buddha treffen will, darf nicht versuchen, absichtlich zu denken, er darf aber auch nicht versuchen, absichtlich nicht zu denken. Gerade am Anfang ist es normal, wenn immer wieder störende Gedanken und Erinnerungen aufkommen. Ein guter Rat aus dem Zen lautet dazu: „Wir brauchen uns nicht vor dem Aufkommen von Gedanken zu fürchten, nur davor, es zu spät zu bemerken.“ Also: Bleibt entspannt, werdet nicht zornig. Es reicht, wenn Ihr den ablenkenden Gedanken bemerkt und ihn mit einem wertneutralen Begriff benennt, etwa „Denken“ oder „Gedanke“. Dann solltet Ihr wieder zur eigentlichen Aufgabe zurückkehren, also zur Atemempfindung.
Nach einer Weile der Übung wird es gelingen, die gedanklichen Störfelder bereits zu erkennen, bevor sie auftauchen, einfach dadurch, dass Ihr spürt, wie sich Euer Geist von der Atemübung abwenden will. Bemüht auch also darum, die Gedanken unablässig wahrzunehmen – und ziehen zu lassen. Der Kern dieses inneren Übungsweges ist das aufmerksame Lauschen und Achten auf unser Umfeld, auf unseren Körper, auf unsern Geist. So beginnen wir zu verstehen, wie unser Körper und unser Geist funktionieren, und so können wir eine weisere Beziehung zu ihnen aufnehmen.
Meditation ist wach und lebendig, auch wenn sie äußerlich als unbewegter Zustand wahrgenommen wird. Keinesfalls handelt es sich bei ihr um ein bloßes Dasitzen und Warten auf bessere Zeiten, sondern um ein Durchschreiten geistiger Prozesse oder ein Verweilen in klarer Präsenz. Es versteht sich von selbst, dass nur ein permanentes Üben zum erwünschten Ziel führt. Lassen wir deshalb unser tägliches Leben zu einer ständigen Übung der Achtsamkeit werden!
Der sechste Zen-Patriarch Hui-neng sagte: “Ein Moment der Achtsamkeit ist ein Moment der Erleuchtung.”
U.a. zitiert aus: Jörg Zittlau „ZEN für den täglichen Gebrauch“, Gondrom Verlag
*Ajahn Chah, 1918 - 1992 Thailand, galt als ausgezeichneter Lehrer auch für westliche Theravada-Mönche.