18 Aug
“Beim Zazen spielt die Atmung eine wesentliche Rolle. Die Ausatmung ist ruhig, nicht wahrnehmbar und gibt einen langsamen, kräftigen und natürlichen Rhythmus vor. Die Einatmung kommt von selbst. Sie ist kürzer als die Ausatmung.
Während Zazen verlangsamt sich der Atemrhythmus wie auch der Herzrhythmus; das Blut und die inneren Organe werden besser mit Sauerstoff versorgt. Die Ausatmung, die Druck nach unten gibt, auf den ganzen Unterbauch, entwickelt große Energie in Höhe der Taille, der Nierengegend und der Hüften. Der Übende kann diese Atmung im Alltag beibehalten, denn der Körper nimmt sie letztlich an.
Die Meister vergleichen die Atmung beim Zazen oft mit dem Muhen einer Kuh oder der Atmung eines Babys, das schreit, wenn es zur Welt kommt. Die kurze Einatmung und die langsame und kraftvolle Ausatmung sind Zeichen und Ursache von Stärke und Vitalität. Im Gegensatz dazu deutet eine oberflächliche und kurze Ausatmung auf Schwäche und depressive Zustände hin. Wenn die Atmung gut ist, werden alle Dinge des Lebens leicht. Wenn Körper und Geist verbunden sind, fegt eine tiefe, langsame, ruhige, kraftvolle Atmung alle Kompliziertheit des Mentalen weg. Der Geist wird klar wie ein wolkenloser Himmel.”
Der Text stammt aus dem Buch „ZEN Praxis und Lehre - “(Kösel-Verlag, München), das Schüler von Taisen Deshimaru nach seinem Tode veröffentlicht haben. Er kam 1967 von Japan nach Frankreich, um in Europa die reine Zen-Lehre zu verbreiten, und zählt zu den großen Zen-Meistern unserer Zeit
5 Aug
„Mögt ihr Zazen? Ich denke, es ist vielleicht besser zu fragen: Mögt ihr braunen Reis? Zazen ist ein zu großartiges Thema. Brauner Reis ist gerade richtig. In der Tat gibt es da keinen großen Unterschied. Wenn Ihr braunen Reis esst, müsst ihr ihn kauen; wenn ihr ihn nicht kaut, ist er schwer zu schlucken. Wenn ihr ihn sehr gut kaut, wird Euer Mund zu einem Teil der Küche, und der braune Reis wird tatsächlich immer schmackhafter. Wenn wir weißen Reis essen, dann kauen wir nicht soviel, aber das bisschen Kauen fühlt sich so gut an, dass der Reis ganz von selbst unsere Kehle hinunterrutscht.
Wenn wir Nahrung vollständig verdauen - was wird dann daraus? Sie wird transformiert, verändert ihre chemische Natur und durchdringt unseren ganzen Körper. Bei diesem Prozess stirbt sie in unserem Körper. Nahrung zu essen und zu verdauen ist etwas ganz Natürliches für uns, da wir uns ständig wandeln. Diesen organischen Prozess nennt man Leere. Wir nennen ihn Leere, weil er keine bestimmte Form hat. Er hat eine gewisse Form, aber diese Form ist nicht dauerhaft. Während er sich wandelt, trägt er unsere Lebensenergie weiter.