24 Jun
Zentrale Eigenschaft eines Koan ist sein paradoxer, rätselhafter Charakter, der jeglichem Versuch, es mit Logik zu durchdringen, widersteht. Nur intuitive, dem Zen gemäße Einsicht bringt Verstehen, ein Verstehen, das jedoch ebenso wenig mit Logik zu tun hat wie das Koan selbst. Es ist nur auf anderen Ebenen des Begreifens als der begrifflich-logischen zu verstehen und zeigt dem Übenden so die Grenzen des Denkens auf, die es zu durchbrechen gilt. Mit dem folgenden bekannten Koan soll das verdeutlicht werden:
Der Meister des Kennin-Tempels war Mokurai, Stiller Donner. Er hatte einen kleinen Schützling namens Toyo, der erst zwölf Jahre alt war. Toyo sah, wie die älteren Schüler jeden Morgen und Abend das Zimmer des Meisters betraten, um im Dokusan (eine Art Vier-Augen-Gespräch zwischen Meister und Schüler) Unterweisungen zu erhalten, wobei er ihnen Koans zum Lösen aufgibt, um das Umherschweifen des Geistes zu unterbinden.
Toyo wünschte sich ebenfalls ein Dokusan mit Koan.
«Warte ein bisschen», sagte Mokurai. «Du bist zu jung.»
12 Jun
„Ich möchte über das Grundproblem des Sitzens sprechen. Ob Sie nun erst seit einer kurzen Zeit üben oder schon zehn Jahre lang, das Problem bleibt immer das gleiche. Als ich vor vielen Jahren zu meiner ersten Sesshin ging, wusste ich nicht, wer verrückter war, ich oder die Leute, die um mich herumsaßen. Es war schrecklich! Die Temperatur betrug in dieser Woche fast dauernd 40 Grad, Fliegen krabbelten auf mir herum, es war eine geräuschvolle, unruhige Meditation. Das Ganze regte mich auf und brachte mich vollkommen durcheinander. Doch ab und zu sah ich Yasutani Roshi, und bei ihm fand ich etwas, das mich bei der Stange hielt.
Leider ist das erste halbe Jahr das härteste. Man muss sich mit Verwirrung, Zweifeln und Problemen auseinander setzen und hat noch nicht lang genug geübt, um die wirklichen Früchte ernten zu können. Doch diese Schwierigkeiten sind natürlich, sie sind sogar gut. Wenn Ihr Kopf mit der Zeit all diese Stadien durchmacht, während Sie im Schneidersitz dasitzen, und alles vielleicht höchst merkwürdig und lächerlich finden, lernen Sie ungeheuer viel über sich selbst. Und das kann Ihnen nur zugute kommen. Bitte fahren Sie fort, so oft wie möglich in einer Gruppe zu meditieren, und gehen Sie so oft wie möglich zu einem guten Lehrer. Wenn Sie das tun, wird das Üben des Zazen allmählich das Beste und Schönste sein, was Sie in Ihrem Leben haben.
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