26 Mai
* “Ruhe und Klarblick sind die beiden Richtungen, um die es in der Meditation geht, um nichts anderes. Ruhe ist das Mittel, und Klarblick ist der Zweck. Um Klarblick zu erreichen, müssen wir eine außergewöhnliche Eigenschaft des Geistes benutzen. Wir können nicht erwarten oder hoffen, dass wir mit dem gewöhnlichen Geist, mit dem wir einkaufen gehen, unsere Geschäfte erledigen, unser Haus säubern, unsere Kinder erziehen, Briefe schreiben und sonstiges tun, eine außergewöhnliche Geisteshaltung erleben können, die uns einmal die tiefste Wahrheit zeigen kann.
Es ist nicht möglich, dass der Alltagsgeist die tiefsten Erkenntnisse wahrnehmen kann, denn er beschäftigt sich mit alltäglichen Dingen, und es fehlen ihm Festigkeit und echte Konzentrationsfähigkeit. Diese Eigenschaften, die ihn zu einem außergewöhnlichen Geist machen, der das Alltägliche nicht mehr als Mittelpunkt des Lebens ansieht, sind durch die ZenMeditation erreichbar. Die Konzentration und Energie ermöglicht es dem Geist, Klarheit zu schaffen, so dass wir aus dem “Ich-Traum“ erwachen können.
5 Mai
“Wenn ihr Zazen praktiziert, versucht nicht, euer Denken anzuhalten. Lasst es von selbst aufhören. Wenn euch etwas in den Sinn kommt, lasst es herein und lasst es wieder hinausgehen. Es wird nicht lange bleiben. Wenn ihr versucht, euer Denken anzuhalten, heißt das, dass ihr davon gestört seid. Lasst euch durch nichts stören. Es scheint euch, als würde etwas von außen in euren Geist kommen, aber in Wirklichkeit sind es nur die Wellen eures Geistes, und wenn euch diese Wellen nicht stören, werden sie allmählich ruhiger und ruhiger werden. In fünf oder höchstens zehn Minuten wird euer Geist völlig ruhig und gelassen sein. Dann wird euer Atem ganz langsam werden, während euer Puls sich ein wenig beschleunigt.
Es wird ziemlich lange dauern, bis ihr euren gelassenen, ruhigen Geist in eurer Praxis findet. Viele Empfindungen kommen, viele Gedanken und Bilder steigen auf, aber das sind nur Wellen eures Geistes. Nichts kommt von außerhalb eures Geistes. Gewöhnlich meinen wir, unser Geist nehme Eindrücke und Erlebnisse von außen auf, aber das ist kein zutreffendes Verständnis unseres Geistes. Das richtige Verständnis ist, dass der Geist alles umfasst. Wenn ihr denkt, dass etwas von außen kommt, dann heißt das nur, dass es in eurem Geist auftaucht. Nichts außerhalb von euch selbst kann Schwierigkeiten verursachen. Ihr selbst bringt die Wellen eures Geistes hervor. Wenn ihr euren Geist lasst, wie er ist, wird er ruhig werden. Dieser Geist wird „großer Geist“ („BigMind“) genannt.
1 Mai
Bodhisattva_______Ein Mensch, der gelobt hat, Erleuchtung und Verwirklichung zu erlangen,
_________________aber nicht eher ins Nirvana eingehen will, bis alle Wesen erlöst sind.
Djicha___________Teegeber
Dojo____________siehe Zendo
Dokusan_________Alleinsein mit dem Roshi (Koan-Arbeit)
Gassho__________Aneinanderlegen beider Handflächen vor der Brust
Gassho Teto______Verbeugung mit Gassho
lnji______________Assistent des Roshi/Sensei
Inkin____________Handglocke
Jikijitsu__________Leiter der Zendo
Jokei____________Leiter der Rezitation
Kai Han__________Schlagen des Holzbrettes (Stundenschlag)
Kaijo____________Aufstehen
Kansho__________Standglocke
Kinhin___________Meditation im Gehen; Gehpause zwischen den Sitzrunden
Kyukei___________Pause
Mokuhan_________Schlagbrett
Mokugyo_________hölzerner Fisch (liturgisches Instrument)
Prajna___________Die Weisheit des unmittelbaren nicht-dualistischen Gewahrseins
Rohatsu_________Meditation im Gedenken an den Tag, an dem Sha-kyamuni
________________die Buddhaschaft erfuhr (strenges 8-Tage-Sesshin 1.-8.12.)
Roshi____________Ehrentitel für den Zen-Meister
Saiza____________Mittagessen
Samadhi_________Ein Zustand nicht-gegenständlicher Konzentration, in dem die Trennung
________________von Bewusstsein und Objekt aufgehoben ist.
Sampai__________drei Niederwerfungen
Samu____________körperliche Arbeit in Haus und Garten
Sangha__________Gemeinschaft der Übenden
Sarei____________Tee-Zeremonie
Seiza____________Fersensitz, Kniesitz
Sensei___________Lehrer
Sesshin__________Meditationstage/-woche (strenge Zen-Übung)
Shasshu_________Handhaltung beim Kinhin: mit der rechten Hand den linken Daumen umfassen ________________und mit den Fingern der Linken den rechte Handrücken bedecken
Shihatsu_________fünf Essschälchen
Shikan(-taza)_____Die Meditation ohne Objekt, “Nur-Sitzen”, auch “Sitzen in gesammelter
________________Aufmerksamkeit mit wachem Geist, der an nichts festgemacht wird”.
Shukusa_________Frühstück
Stupa___________Ein Bauwerk mit kugelförmiger Basis (nur die obere Hälfte überirdisch), ________________in dem eine Reliquie des Buddha (oder anderer Heiligen) liegt, über dem ________________sphärischen Teil erhebt sich zentralsymmetrisch ein Kubus mit weiteren Aufbauten.
Sutra____________Ursprünglich die aufgezeichneten Lehrreden des Buddha, im Mahayana
_________________später auch andere anerkannte Lehrtexte.
Taku____________Schlagholz
Teisho___________Lehrvortrag des Zen-Meisters
Trikaya__________die drei Buddha-Körper (Dharmakaya, Sambhogakaya, Nirmanakaya)
Yaza____________Zazen die Nacht hindurch
Zabuton_________Sitzunterlagen
Zafu____________Sitzkissen
Zagu____________Sitzmatte
Zazen___________stilles Sitzen
Zendo___________Ort der Übung des Zazen; Meditationshalle
1 Mai
Die Lehre Buddhas wurde ursprünglich nur mündlich in Versform weitergegeben. Das Herz-Sutra gehört zu den bekanntesten Textüberlieferungen des Zen-Buddhismus und wird deshalb stets zum Ende unserer Meditationsabende rezitiert. Die deutsche Übersetzung finden Sie im Anschluss an den japanischen Text.
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HERZ-SUTRA
MAKA HANNYA HARAMITA SHINGYO
KAN Jl ZAI BO SAT GYO JIN HAN
NYA HA RA MI TA Jl SHO KEN GO ON
KAI KU DO IS SAI KU YAKU SHARl SHI
SHIKI FU l KU KU FU l SHIKI SHIKI
SOKU ZE KU KU SOKU ZE SHIKI JU SO
GYO SHIKI YAKU BU NYO ZE SHA Rl
SHI ZE SHO HO KU SO FU SHO FU
METSU FU KU FU JO FU ZO FU GEN
ZE KO KU CHU MU SHIKI MU JU SO
GYO SHIKI MU GEN Nl Bl ZE SHIN Nl
MU SHIKI SHO KO MI SOKU HO MU
GEN KAI NAI SHI MU l SHIKI KAI MU
MU MYO YAKU MU MU MYO JIN NAI
SHI MU RO SHI YAKU MU RO SHI JIN
MU KU SHU METSU DO MU CHI YAKU
MU TOKU I MU SHO TO KO
BO DAI SAT TA E HAN NYA HA RA
MI TA KO SHIN MU KEI GE MU KEI
GE KO MU U KU FU ON Rl IS SAI
TEN DO MU SO KU GYO NE HAN
SAN ZE SHO BUTSU E HAN NYA
HA RA MI TA KO TOKU A NOKU
TA RA SAN MYAKU SAN BO DAI
KO CHI HAN NYA HA RA MI TA ZE
DAI JIN SHU ZE DAI MYO SHU ZE MU
JO SHU ZE MU TO DO SHU NO JO IS
SAI KU SHIN JITSU FU KO KO SETSU
HAN NYA HA RA MI TA SHU
SOKU SETSU SHU WATSU GYA TEI
GYA TEI HA RA GYA TEI HA RA SO
GYA TEI BO Jl SOWA KA
HAN NYA SHIN GYO
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DAS HERZ DER VOLLKOMMENEN WEISHEIT
Der heilige Bodhisattva Avalokitesvara, in tiefste Weisheit
versenkt, erkennt, dass die fünf Skandas, die fünf Bereiche
des Anhaftens, nämlich Körper, Gefühl, Wahrnehmung,
Willensregung und Bewusstsein, an sich leer sind. Alle
Bitterkeit und alles Leiden tilgt er, wenn er zum ehrwürdigen
Shariputra spricht:
Form ist Leerheit, Leerheit ist Form. Leerheit ist nicht
verschieden von Form, noch ist Form verschieden von
Leerheit. Alle Dinge in der Welt sind leer, so auch Gefühl,
Wahrnehmung, Willensregungen und Bewusstsein. Alle
Dinge sind wie die Leerheit, frei von Entstehen und
Vergehen, sie sind weder rein noch unrein, weder vollkommen
noch unvollkommen.
In der Leerheit gibt es keinen Körper, kein Gefühl und
keine Wahrnehmung, keine Willensregung und kein
Bewusstsein; da gibt es weder Augen, noch Ohren, weder
Nase noch Zunge, weder Leib noch Geist, weder
Sinnesobjekte noch Vorstellungen; da gibt es weder den
Bereich der Sinne; noch den Bereich der Sinnesobjekte,
noch den Bereich des Bewusstseins.
In der Leerheit gibt es weder geistige Blindheit, noch
Auflösung der geistigen Blindheit; es gibt weder Altern,
noch Sterben, noch Aufhebung des Alterns und Sterbens.
In der Leerheit gibt es kein Erkennen, kein Verwirklichen,
kein Leiden, kein Entstehen des Leidens, kein Ende des
Leidens und keinen Weg, der zum Ende des Leidens führt.
Nach dieser Weisheit, dass es nichts zu verwirklichen gibt,
streben die Suchenden. Darum ist kein Schleier vor ihrem
Herzen und keine Angst. Befreit von allen Verwirrungen
und allen Trübungen des Geistes, frei von allen Vorstellungen
wird endlich Nirvana erreicht.
Die Erleuchteten aller Zeiten, der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft, folgen diesem Weg der vollkommenen
Weisheit, auf dem sie die große Befreiung erlangen.
Lasst auch uns diese tiefste Wahrheit erfahren!
Das ist das große Wort, das große Mantra, das Wort an
Tiefe ohnegleichen, das alle Leiden stillt, die Wahrheit, in
der es nichts Falsches mehr gibt; das Wort, das letzte
Weisheit offenbart:
GATE, GATE, PARAGATE, PARASAMGATE! BODHI SVAHA!