ZenWeg

Archiv Mai, 2008

ALLTAGSGEIST

* “Ruhe und Klarblick sind die beiden Richtungen, um die es in der Meditation geht, um nichts anderes. Ruhe ist das Mittel, und Klarblick ist der Zweck. Um Klarblick zu erreichen, müssen wir eine außergewöhnliche Eigenschaft des Geistes benutzen. Wir können nicht erwarten oder hoffen, dass wir mit dem gewöhnlichen Geist, mit dem wir einkaufen gehen, unsere Geschäfte erledigen, unser Haus säubern, unsere Kinder erziehen, Briefe schreiben und sonstiges tun, eine außergewöhnliche Geisteshaltung erleben können, die uns einmal die tiefste Wahrheit zeigen kann.

Es ist nicht möglich, dass der Alltagsgeist die tiefsten Erkenntnisse wahrnehmen kann, denn er beschäftigt sich mit alltäglichen Dingen, und es fehlen ihm Festigkeit und echte Konzentrationsfähigkeit. Diese Eigenschaften, die ihn zu einem außergewöhnlichen Geist machen, der das Alltägliche nicht mehr als Mittelpunkt des Lebens ansieht, sind durch die ZenMeditation erreichbar. Die Konzentration und Energie ermöglicht es dem Geist, Klarheit zu schaffen, so dass wir aus dem “Ich-Traum“ erwachen können.

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WELLEN DES GEISTES

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“Wenn ihr Zazen praktiziert, versucht nicht, euer Denken anzuhalten. Lasst es von selbst aufhören. Wenn euch etwas in den Sinn kommt, lasst es herein und lasst es wieder hinausgehen. Es wird nicht lange bleiben. Wenn ihr versucht, euer Denken anzuhalten, heißt das, dass ihr davon gestört seid. Lasst euch durch nichts stören. Es scheint euch, als würde etwas von außen in euren Geist kommen, aber in Wirklichkeit sind es nur die Wellen eures Geistes, und wenn euch diese Wellen nicht stören, werden sie allmählich ruhiger und ruhiger werden. In fünf oder höchstens zehn Minuten wird euer Geist völlig ruhig und gelassen sein. Dann wird euer Atem ganz langsam werden, während euer Puls sich ein wenig beschleunigt.

Es wird ziemlich lange dauern, bis ihr euren gelassenen, ruhigen Geist in eurer Praxis findet. Viele Empfindungen kommen, viele Gedanken und Bilder steigen auf, aber das sind nur Wellen eures Geistes. Nichts kommt von außerhalb eures Geistes. Gewöhnlich meinen wir, unser Geist nehme Eindrücke und Erlebnisse von außen auf, aber das ist kein zutreffendes Verständnis unseres Geistes. Das richtige Verständnis ist, dass der Geist alles umfasst. Wenn ihr denkt, dass etwas von außen kommt, dann heißt das nur, dass es in eurem Geist auftaucht. Nichts außerhalb von euch selbst kann Schwierigkeiten verursachen. Ihr selbst bringt die Wellen eures Geistes hervor. Wenn ihr euren Geist lasst, wie er ist, wird er ruhig werden. Dieser Geist wird „großer Geist“ („BigMind“) genannt.

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ZEN-GLOSSAR

Bodhisattva_______Ein Mensch, der gelobt hat, Erleuchtung und Verwirklichung zu erlangen,
_________________aber nicht eher ins Nirvana eingehen will, bis alle Wesen erlöst sind.

Djicha___________Teegeber

Dojo____________siehe Zendo

Dokusan_________Alleinsein mit dem Roshi (Koan-Arbeit)

Gassho__________Aneinanderlegen beider Handflächen vor der Brust

Gassho Teto______Verbeugung mit Gassho

lnji______________Assistent des Roshi/Sensei

Inkin____________Handglocke

Jikijitsu__________Leiter der Zendo

Jokei____________Leiter der Rezitation

Kai Han__________Schlagen des Holzbrettes (Stundenschlag)

Kaijo____________Aufstehen

Kansho__________Standglocke

Kinhin___________Meditation im Gehen; Gehpause zwischen den Sitzrunden

Kyukei___________Pause

Mokuhan_________Schlagbrett

Mokugyo_________hölzerner Fisch (liturgisches Instrument)

Prajna___________Die Weisheit des unmittelbaren nicht-dualistischen Gewahrseins

Rohatsu_________Meditation im Gedenken an den Tag, an dem Sha-kyamuni
________________die Buddhaschaft erfuhr (strenges 8-Tage-Sesshin 1.-8.12.)

Roshi____________Ehrentitel für den Zen-Meister

Saiza____________Mittagessen

Samadhi_________Ein Zustand nicht-gegenständlicher Konzentration, in dem die Trennung
________________von Bewusstsein und Objekt aufgehoben ist.

Sampai__________drei Niederwerfungen

Samu____________körperliche Arbeit in Haus und Garten

Sangha__________Gemeinschaft der Übenden

Sarei____________Tee-Zeremonie

Seiza____________Fersensitz, Kniesitz

Sensei___________Lehrer

Sesshin__________Meditationstage/-woche (strenge Zen-Übung)

Shasshu_________Handhaltung beim Kinhin: mit der rechten Hand den linken Daumen umfassen      ________________und mit den Fingern der Linken den rechte Handrücken bedecken

Shihatsu_________fünf Essschälchen

Shikan(-taza)_____Die Meditation ohne Objekt, “Nur-Sitzen”, auch “Sitzen in gesammelter
________________Aufmerksamkeit mit wachem Geist, der an nichts festgemacht wird”.

Shukusa_________Frühstück

Stupa___________Ein Bauwerk mit kugelförmiger Basis (nur die obere Hälfte überirdisch),               ________________in dem eine Reliquie des Buddha (oder anderer Heiligen) liegt, über dem      ________________sphärischen Teil erhebt sich zentralsymmetrisch ein Kubus mit weiteren Aufbauten.

Sutra____________Ursprünglich die aufgezeichneten Lehrreden des Buddha, im Mahayana
_________________später auch andere anerkannte Lehrtexte.

Taku____________Schlagholz

Teisho___________Lehrvortrag des Zen-Meisters

Trikaya__________die drei Buddha-Körper (Dharmakaya, Sambhogakaya, Nirmanakaya)

Yaza____________Zazen die Nacht hindurch

Zabuton_________Sitzunterlagen

Zafu____________Sitzkissen

Zagu____________Sitzmatte

Zazen___________stilles Sitzen

Zendo___________Ort der Übung des Zazen; Meditationshalle



REZITATION

Die Lehre Buddhas wurde ursprünglich nur mündlich in Versform weitergegeben. Das Herz-Sutra gehört zu den bekanntesten Textüberlieferungen des Zen-Buddhismus und wird deshalb stets zum Ende unserer Meditationsabende rezitiert. Die deutsche Übersetzung finden Sie im Anschluss an den japanischen Text.

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HERZ-SUTRA

MAKA HANNYA HARAMITA SHINGYO

KAN Jl ZAI BO SAT GYO JIN HAN

NYA HA RA MI TA Jl SHO KEN GO ON

KAI KU DO IS SAI KU YAKU SHARl SHI

SHIKI FU l KU KU FU l SHIKI SHIKI

SOKU ZE KU KU SOKU ZE SHIKI JU SO

GYO SHIKI YAKU BU NYO ZE SHA Rl

SHI ZE SHO HO KU SO FU SHO FU

METSU FU KU FU JO FU ZO FU GEN

ZE KO KU CHU MU SHIKI MU JU SO

GYO SHIKI MU GEN Nl Bl ZE SHIN Nl

MU SHIKI SHO KO MI SOKU HO MU

GEN KAI NAI SHI MU l SHIKI KAI MU

MU MYO YAKU MU MU MYO JIN NAI

SHI MU RO SHI YAKU MU RO SHI JIN

MU KU SHU METSU DO MU CHI YAKU

MU TOKU I MU SHO TO KO

BO DAI SAT TA E HAN NYA HA RA

MI TA KO SHIN MU KEI GE MU KEI

GE KO MU U KU FU ON Rl IS SAI

TEN DO MU SO KU GYO NE HAN

SAN ZE SHO BUTSU E HAN NYA

HA RA MI TA KO TOKU A NOKU

TA RA SAN MYAKU SAN BO DAI

KO CHI HAN NYA HA RA MI TA ZE

DAI JIN SHU ZE DAI MYO SHU ZE MU

JO SHU ZE MU TO DO SHU NO JO IS

SAI KU SHIN JITSU FU KO KO SETSU

HAN NYA HA RA MI TA SHU

SOKU SETSU SHU WATSU GYA TEI

GYA TEI HA RA GYA TEI HA RA SO

GYA TEI BO Jl SOWA KA

HAN NYA SHIN GYO

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DAS HERZ DER VOLLKOMMENEN WEISHEIT

Der heilige Bodhisattva Avalokitesvara, in tiefste Weisheit

versenkt, erkennt, dass die fünf Skandas, die fünf Bereiche

des Anhaftens, nämlich Körper, Gefühl, Wahrnehmung,

Willensregung und Bewusstsein, an sich leer sind. Alle

Bitterkeit und alles Leiden tilgt er, wenn er zum ehrwürdigen

Shariputra spricht:

Form ist Leerheit, Leerheit ist Form. Leerheit ist nicht

verschieden von Form, noch ist Form verschieden von

Leerheit. Alle Dinge in der Welt sind leer, so auch Gefühl,

Wahrnehmung, Willensregungen und Bewusstsein. Alle

Dinge sind wie die Leerheit, frei von Entstehen und

Vergehen, sie sind weder rein noch unrein, weder vollkommen

noch unvollkommen.

In der Leerheit gibt es keinen Körper, kein Gefühl und

keine Wahrnehmung, keine Willensregung und kein

Bewusstsein; da gibt es weder Augen, noch Ohren, weder

Nase noch Zunge, weder Leib noch Geist, weder

Sinnesobjekte noch Vorstellungen; da gibt es weder den

Bereich der Sinne; noch den Bereich der Sinnesobjekte,

noch den Bereich des Bewusstseins.

In der Leerheit gibt es weder geistige Blindheit, noch

Auflösung der geistigen Blindheit; es gibt weder Altern,

noch Sterben, noch Aufhebung des Alterns und Sterbens.

In der Leerheit gibt es kein Erkennen, kein Verwirklichen,

kein Leiden, kein Entstehen des Leidens, kein Ende des

Leidens und keinen Weg, der zum Ende des Leidens führt.

Nach dieser Weisheit, dass es nichts zu verwirklichen gibt,

streben die Suchenden. Darum ist kein Schleier vor ihrem

Herzen und keine Angst. Befreit von allen Verwirrungen

und allen Trübungen des Geistes, frei von allen Vorstellungen

wird endlich Nirvana erreicht.

Die Erleuchteten aller Zeiten, der Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft, folgen diesem Weg der vollkommenen

Weisheit, auf dem sie die große Befreiung erlangen.

Lasst auch uns diese tiefste Wahrheit erfahren!

Das ist das große Wort, das große Mantra, das Wort an

Tiefe ohnegleichen, das alle Leiden stillt, die Wahrheit, in

der es nichts Falsches mehr gibt; das Wort, das letzte

Weisheit offenbart:

GATE, GATE, PARAGATE, PARASAMGATE! BODHI SVAHA!