ZenWeg

Archiv April, 2008

REINE EMPFINDUNG

„Nehmen wir an, ich lade Sie auf eine Tasse Tee ein. Sie nehmen Ihre Tasse entgegen, kosten den Tee und trinken dann einen weiteren Schluck. Sie scheinen ihn zu genießen. Dann stellen Sie Ihre Tasse ab, und wir unterhalten uns. Nehmen wir weiter an, ich bitte Sie jetzt, den Tee zu beschreiben. Sie greifen auf Ihre Erinnerung, auf Ihre Begriffe und Ihren Wortschatz zurück, um die Empfindungen, die Sie beim Trinken hatten, zu beschreiben.

Sie sagen vielleicht: „Das ist ein sehr guter Tee, bester Tieh-Kuan-Ying-Tee, hergestellt in Taipei. Ich schmecke ihn immer noch im Mund. Er ist sehr erfrischend“. Sie könnten Ihre Empfindungen noch auf viele andere Arten beschreiben. Aber alle diese Begriffe und diese Worte beschreiben Ihre direkte Erfahrung des Tees; sie sind nicht die Erfahrung selbst.

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DIE PRAXIS DES ZEN

Taisen Deshimaru, einer der großen Zen-Meister unserer Zeit, kam 1967 von Japan nach Europa, um hier die reine Zen-Lehre zu verbreiten. Bis zu seinem Tode im Jahr 1982 lehrte er in Frankreich die Praxis des selbstlosen Sitzens in der Haltung der Erweckung (Zazen). Einmal wurde er in einer Fragestunde (Mondo) von einem Schüler gefragt:

“Gibt es einen Moment, in dem man beim Zazen endlich dazu kommt, die Gedanken anzuhalten?

Das geschieht automatisch, ohne dass man sich dessen bewusst wird. Man darf die Gedanken nicht anhalten wollen, denn auch das ist Denken. Konzentriert euch auf die Körperhaltung, auf die Stellung der Finger, des Kinns, der Wirbelsäule, auf die Atmung. Wenn ihr vollkommen hierauf konzentriert seid, vergesst ihr den Rest und all eure Gedanken. Wenn die Körperhaltung richtig und die Muskelspannung korrekt ist, steigt das Unterbewusste an die Oberfläche. (weiterlesen…)

WAS IST ZEN?

VERSUCH EINER WEGBESCHREIBUNG

Die Wurzeln des Zen reichen 2.500 Jahre zurück bis zum historischen Buddha in Indien. Sein Leben zeigt als ältestes Vorbild der Menschheitsgeschichte, wie man aus eigener Kraft ohne „überirdische“ Unterstützung zu Erleuchtung und Vollkommenheit gelangen kann. Buddha war auch der erste, der die ursprüngliche Yoga-Meditation aus ihrer asketischen Einengung der Weltabkehr befreite und in eine praktische Übung für jeden zur Bewältigung seiner Lebensaufgabe umwandelte.

Im sechsten Jahrhundert brachte der legendäre Patriarch Bodhidharma dieses Gedankengut nach China. Der Legende nach übte er dort neun Jahre lang vor einer Felswand das „Sitzen in Versunkenheit“. Seine Lehre, der stark auf die Meditation ausgerichtete Dhyana-Buddhismus, entwickelte sich unter taoistischen und konfuzianischen Einflüssen zur chinesischen Urvariante des Zen zum Chan-na: kurz Chan genannt.

Im Lauf der folgenden Jahrhunderte bildeten sich in China unter den großen, bis heute maßgeblichen Meistern bedeutende Chan-Schulen heraus. Zwei davon gelangten als Rinzai- und Soto-Schule im 13. Jahrhundert nach Japan, wo sie unter der Bezeichnung «Zen» (Abkürzung von Zenno / Zenna, der japanischen Lesart von Channa) weitere berühmte Meister hervorbrachten und noch heute existieren.

Alle großen Zen-Schulen waren und sind sich darin einig, dass Buddha weder eine menschliche Gottheit noch der Schöpfer der Welt ist, sondern ein Mensch. Buddha Shakyamuni wird verehrt, weil seine Dharma-Lehre eine der ältesten Erlösungslehren der Erde ist, deren Schöpfer wir kennen und der noch heute Millionen Anhänger hat.

Und er war nicht der einzige Buddha, vor ihm und nach ihm gab es noch andere Buddhas, die eine fast ebenso tiefe Einsicht erreicht haben. Jeder Mensch kann zum Buddha werden, denn er trägt die „Buddha-Natur“, den Ansatz der Vollkommenheit in sich, um sich von den Ursachen des Leids (Begierde, Hass, Verblendung) befreien zu können.

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