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	<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 10:17:17 +0000</pubDate>
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		<title>JENSEITS DES DENKENS</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 10:10:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mumonkan</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[07 - TransZen]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit rund tausend Jahren werden Koans im Zen systematisch als Mittel der Schulung eingesetzt. Diese Zen-spezifischen, paradoxen Sinnspr&#252;che oder Dialoge sind keine R&#228;tsel, da sie nicht mit dem Verstand zu l&#246;sen sind; zu ihrer L&#246;sung bedarf es eines Sprunges auf eine andere Ebene des Begreifens. Koans machen dem Zen-Sch&#252;ler die Grenzen des Denkens deutlich und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit rund tausend Jahren werden Koans im Zen systematisch als Mittel der Schulung eingesetzt. Diese Zen-spezifischen, paradoxen Sinnspr&#252;che oder Dialoge sind keine R&#228;tsel, da sie nicht mit dem Verstand zu l&#246;sen sind; zu ihrer L&#246;sung bedarf es eines Sprunges auf eine andere Ebene des Begreifens. Koans machen dem Zen-Sch&#252;ler die Grenzen des Denkens deutlich und zwingen ihn schlie&#223;lich, sie in einem intuitiven Sprung zu transzendieren, durch den er sich in der Welt jenseits aller logischen Widerspr&#252;che und dualistischen Denkweisen wiederfindet. Aus dieser Erfahrung heraus kann der Sch&#252;ler dem Meister im Dokusan (Einzelgespr&#228;ch) seine eigene L&#246;sung des Koan spontan und ohne R&#252;ckgriff auf H&#246;rensagen demonstrieren.</p>
<p>Alle Koans sind Barrieren, aufgerichtet von den Buddhas und Patriarchen der Vergangenheit. Gew&#246;hnlichen Menschen ist es unm&#246;glich, sie zu &#252;berwinden. Um durch diese Barrieren hindurchzukommen, m&#252;&#223;t ihr eure eigene Wesensnatur, euer wahres Selbst verwirklichen. Das nennt man Selbst-Verwirklichung oder Erleuchtung, Kensho oder Satori im Japanischen. Augenblicklich, wie Luftspiegelungen, werden diese Barrieren verschwinden, wenn ihr einmal zu wahrer Erleuchtung gelangt, und euch wird aufgehen, da&#223; ihr von allem Anfang an in einer Welt ohne Innen und Au&#223;en gelebt habt.</p>
<p>Es soll insgesamt etwa 1700 Koans geben, von denen die heutigen jap. Zen-Meister jedoch nur 500 bis 600 verwenden. Zu den fundamentalsten Koan-Sammlungen der Zen-Literatur geh&#246;rt der „Mumonkan&#8221; aus dem ich heute das 7. Koan vorstelle</p>
<p><strong>Joshus „Wasche deine Schalen&#8221;</strong></p>
<p>Ein M&#246;nch sagte zu Zen-Meister Joshu in allem Ernst: »Gerade bin ich erst in dieses Kloster eingetreten. Ich ersuche Euch, Meister, gebt mir bitte Unterweisung« Joshu fragte: »Hast du schon deinen Reisbrei gegessen? » Der M&#246;nch antwortete: »Ja, das habe ich.« Joshu sagte: »Dann wasche deine Essschalen.« Da erlangte der M&#246;nch eine gewisse Erleuchtung.</p>
<p>In der folgenden Unterweisung, einem „Teisho&#8221;, hat Zen-Meister Kuon Yamada seinen Sch&#252;lern bei einem Sesshin, einer mehrt&#228;gigen Zen-Seminar, die Hintergr&#252;nde zu diesem Koan erl&#228;utert:</p>
<p>Das Koan sollte von zwei Blickwinkeln aus betrachtet werden. Der erste betrifft den praktischen Verlauf des Zen-&#220;bens mit dem Ziel, Erleuchtung zu erfahren. Der zweite betrifft die Wesensnatur des Selbst, des Seins bzw. der Buddhanatur. Vom ersten Blickwinkel her: Was meint Joshu mit der Frage: »Hast du schon deinen Reisbrei gegessen«? Zen-Meister lieben keine abstrakten Worte und Konzepte wie Buddhanatur, Erleuchtung, Nirvana usw. Diese Ausdr&#252;cke sind nur Lehrmittel zur Erkl&#228;rung. Als solche ber&#252;hren sie nicht wirklich das Faktum; noch weniger k&#246;nnen sie es einfangen. Darum ist der m&#252;ndliche Austausch im Zen immer konkret. In begrifflicher Form w&#252;rde Joshus Frage lauten: »Hast du schon einmal Kensho (Erleuchtungserfahrung) zu schmecken bekommen?«</p>
<p>Die Antwort des M&#246;nchs »Ja, ich habe« bedeutet: »Ja, ich bin schon erleuchtet.« Joshu erwidert: »Dann wasche deine Schalen!« Nun, was bedeutet dies?</p>
<p><span id="more-1542"></span>Die Aufmerksamkeit auf eigene Vorz&#252;ge zu lenken, ist gew&#246;hnlich peinlich. Das trifft besonders auf Zen-Menschen zu. Wenn jemand zum ersten Mal Erleuchtung erf&#228;hrt, wird er wahrscheinlich mehr oder weniger stolz sein, und vielleicht auch ein bisschen wichtigtuerisch. Das ist nicht ganz unverst&#228;ndlich, denn er hat gerade eine Welt erfahren, die unerleuchtete Menschen sich nicht einmal vorstellen k&#246;nnen. Wenn dieser Stolz jedoch anschwillt, dann wird der Kensho-Neuling von dem heimgesucht, was als Zen-Krankheit bekannt ist. Das zeigt sich in einem gewissen esoterischen Getue, wie zum Beispiel in einem &#252;berm&#228;&#223;igen Gebrauch von Zen-Ausdr&#252;cken, die gew&#246;hnliche Menschen nicht verstehen k&#246;nnen. Oder er kann augenf&#228;llig werden durch ungest&#252;mes Lachen, das andeuten soll, wie g&#228;nzlich frei er von jeglicher Anh&#228;nglichkeit ist. Oder er f&#228;llt auf durch den Gebrauch ironischer oder gar zynischer Worte. All dies ist abscheulich, wenn man es bei Zen-Menschen antrifft. Es ist daher sehr wichtig, allen von der Erleuchtungserfahrung herr&#252;hrenden Zauberglanz wegzuwaschen.</p>
<p>Der wahrhaft gro&#223;e Zen-Mensch, der tiefe Erleuchtung erfahren und alle illusorischen Gef&#252;hle nach dem Kensho ausgel&#246;scht hat, sollte von einem gew&#246;hnlichen Menschen nicht unterscheidbar sein, zumindest nicht &#228;u&#223;erlich. Durch Zen sollte man zu einem gew&#246;hnlichen, normalen und nat&#252;rlichen Menschen werden, nicht au&#223;ergew&#246;hnlich, exzentrisch oder esoterisch. Als Joshu dem M&#246;nch sagte, er solle nach der Mahlzeit seine Essschalen waschen, meinte er damit: wenn du Kensho gekostet hast, wasche den verbliebenen Zauberglanz weg. In diesem Moment kam der M&#246;nch zu einer tieferen Erfahrung.</p>
<p>Der andere Blickwinkel, von dem aus das Koan betrachtet werden sollte, ist jener der Wesensnatur des Selbst oder des Seins. Wie ich euch immer wieder sage, herrscht in der Wesenswelt die Logik des Absoluten. Das bedeutet: Ein Ding ist das Ganze - das Ganze ist ein Ding. Wenn ihr diese Wesenswelt erfahrt, werdet ihr verstehen, da&#223; ihr und das ganze Universum eins seid. Wenn ihr einen Finger hochstreckt, gibt es nichts als diesen einen Finger im ganzen Universum. Ja, nur diesen einen Finger! Der Finger und das ganze Universum sind eins. Das ist die Schau in die Welt des Absoluten. Das ist deshalb wahr, weil der Finger keine Substanz hat und leer ist. Die Wesensnatur des Fingers ist nichts anderes als diese Leere. Das Wesen aller Dinge ist Leere. Das Subjekt ist leer. Das Objekt ist leer. Und in dieser Leere sind Subjekt und Objekt von allem Anfang eins.</p>
<p>F&#252;r den gew&#246;hnlichen Menschenverstand stehen Subjekt und Objekt einander gegen&#252;ber. Hier bist du und schaust mit deinen Augen und dort ist das &#228;u&#223;ere Objekt, das von dir gesehen wird. Das gilt nicht nur f&#252;r unseren Gesichtssinn, sondern f&#252;r alle unsere Sinne. F&#252;r das wahrhaft erleuchtete Auge ist dieser dualistische Gegensatz nichts anderes als eine Illusion, die durch unser Denken hervorgebracht wird. - Buddhas gro&#223;e Erleuchtung sagt uns, da&#223; es keine dualistischen Gegens&#228;tze gibt. Wenn du aufstehst, stehst du einfach auf. Im ganzen Universum gibt es nichts als dieses Aufstehen. Und die Substanz dieses Aufstehens ist Leere.</p>
<p>Bedenkt f&#252;r einen Augenblick den technischen Ablauf von Kinofilmen. Was ihr auf der Leinwand seht, ist ein kontinuierlich flie&#223;ender Film, der aus einer Vielzahl einzelner Bilder besteht. Jedes Bild wird dorthin projiziert und bedeckt f&#252;r einen Augenblick die ganze Leinwand. Der Film als ein Ganzes ist das kontinuierliche Flie&#223;en. In gleicher Weise ist euer Leben ein kontinuierliches Flie&#223;en von Aufstehen, Hinsetzen, Lachen, Schlafen, Aufwachen, Trinken, Essen und - nat&#252;rlich - Geborenwerden und Sterben. Das ist die Kontinuit&#228;t des ganzen Universums. Nun, ich nehme an, ihr versteht jetzt, was Joshu meint, wenn er sagt: »Wasche deine Schalen!« Ich wiederhole: unser Leben ist nichts anderes als die Kontinuit&#228;t solcher Handlungen, und diese sind nichts anderes als die Kontinuit&#228;t des ganzen Universums.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Die torlose Schranke - MUMONKAN&#8221;, Zen-Meister Mumons Koan-Sammlung, K&#246;sel-Verlag</span></p>
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		<title>WER GLAUBT, WIRD SELIG?</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 09:19:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brad Warner</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[06 - ZenPraxis]]></category>

		<category><![CDATA[Brad Warner]]></category>

		<category><![CDATA[Glauben]]></category>

		<category><![CDATA[Wirklichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Typ kommt zu &#8216;nem Zen-Meister und fragt: &#8220;Gibt es Leben nach dem Tod?&#8221; Da sagt der Zen-Meister: &#8220;Woher soll ich das denn wissen?&#8221; Der Typ entgegnet entr&#252;stet: &#8220;Weil Du ein Zen-Meister bist!&#8221; &#8220;Ja&#8221;, sagt da der ZenMeister, &#8220;aber kein toter.&#8221;
Wenn sich Leute Fragen &#252;bers Leben nach dem Tod stellen, nehmen sie dabei an, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Typ kommt zu &#8216;nem Zen-Meister und fragt: &#8220;Gibt es Leben nach dem Tod?&#8221; Da sagt der Zen-Meister: &#8220;Woher soll ich das denn wissen?&#8221; Der Typ entgegnet entr&#252;stet: &#8220;Weil Du ein Zen-Meister bist!&#8221; &#8220;Ja&#8221;, sagt da der ZenMeister, &#8220;aber kein toter.&#8221;</p>
<p>Wenn sich Leute Fragen &#252;bers Leben nach dem Tod stellen, nehmen sie dabei an, dass sie das Leben w&#228;hrend des Lebens genau verstehen. Doch tun sie das? Tust du&#8217;s? Das ist eine der wichtigsten Fragen, die sich ein jeder von uns selber stellen kann. Immer, wenn Gautama Buddha &#252;ber Leben nach dem Tod, ewige Existenz, den Ursprung des Universums, ob der Raum endlich oder unendlich sei und weitere derartige Unw&#228;gbarkeiten befragt wurde, sagte er: &#8220;Die Frage ist dem Fall nicht angemessen.&#8221; „Da ich weniger formell daherkomme&#8221;, sagt der amerikanische Zen-Meister Brad Warner, „w&#252;rde ich das Gleiche wie folgt formulieren: Falsche Frage, Depp!&#8221;</p>
<p>Es gibt &#8216;ne Menge Diskussionen auf beiden Seiten &#252;ber die Angelegenheiten von Wiedergeburt und Reinkarnation, doch Zitate aus B&#252;chern anzuf&#252;hren, auch aus guten, wird niemals irgendeines der Probleme l&#246;sen - nicht einmal die philosophischen. Zen ersetzt alle Objekte des Glaubens durch eine einzige Sache: die Wirklichkeit selbst. Wir glauben nur an dieses Universum. Wir glauben nicht an das Leben nach dem Tod. Wir glauben nicht an die Staatsgewalt. Wir glauben nicht an Geld oder Macht oder Ruhm. Wir glauben nicht an unsere Idole. Wir glauben nicht an unseren Status oder unsere Besitzt&#252;mer. Wir glauben nicht, dass man uns beleidigen kann oder dass unsere Ehre oder die Ehre unserer Familie, unsere Nation oder unser Glauben beleidigt werden kann. Wir glauben nicht an Buddha. Wir glauben blo&#223; an die Wirklichkeit. Blo&#223; das hier.</p>
<p>Zen verlangt nicht von dir, irgendwas zu glauben, dass du nicht f&#252;r dich selbst best&#228;tigen kannst. Es verlangt nicht, dass du irgendwelche heiligen Worte auswendig lernst. Es erfordert nicht, dass du irgendeine bestimmte Sache anbetest oder eine bestimmte Person verehrst. Es bietet dir keine bestimmten Regeln, denen du folgen musst. Es gibt dir keine Hierarchie gelehrter M&#228;nner vor, deren tiefsinnigen Lehren du buchstabengetreu folgen musst. Es bittet dich nicht, dich einer bestimmten Kleiderordnung zu f&#252;gen. Es verlangt nicht von dir zuzulassen, dass irgendjemand anderes entscheidet, was richtig f&#252;r dich ist und was falsch.</p>
<p>Zen ist die v&#246;llige Abwesenheit von Glauben. Zen ist das v&#246;llige Fehlen von Autorit&#228;t. Zen rei&#223;t jede falsche Zuflucht nieder, in der du dich vor der Wahrheit verstecken k&#246;nntest, und zwingt dich, nackt vor dem zu sitzen, was wirklich ist. Das ist echte Zuflucht.<br />
Die Wirklichkeit wird sich dir auf unmissverst&#228;ndliche Weise kundtun, sobald du lernst, ihr zuzuh&#246;ren. Zu lernen, der Wirklichkeit zuzuh&#246;ren, ist allerdings nicht einfach. Du bist so sehr daran gew&#246;hnt, die Wirklichkeit niederzubr&#252;llen, sie komplett in deinen eigenen Meinungen und Ansichten zu ers&#228;ufen, dass du vielleicht nicht mal mehr in der Lage bist, die Stimme der Wirklichkeit zu erkennen. Das ist allerdings &#8216;ne komische Sache, da die Wirklichkeit das Allergrellste und Auff&#228;lligste ist, was es &#252;berhaupt gibt. Wie die Frau in den alten Palmolive®-Werbespots schon sagte: &#8220;Du badest darin!&#8221; Und doch haben wir vergessen, wie wir sie erkennen k&#246;nnen.</p>
<p>Dein gesamtes Leben lang hast du gelernt, mit der Wirklichkeit umzugehen, indem du bestimmte Dinge ausschlie&#223;t, Dinge in Kategorien aufteilst, zwischen diesem und jenem unterscheidest. Doch die Wirklichkeit beinhaltet all jene Dinge, die wir &#8220;falsch&#8221; nennen, all jene Dinge, die wir &#8220;&#252;bel&#8221; nennen, all jene Dinge, die wir hassen, weil wir in unseren Herzen wissen, dass es schlechte Dinge sind. Wir k&#246;nnen nur dann wissen, was &#8220;schlecht&#8221; ist, wenn wir es in uns selbst entdecken und das entsprechende Etikett aufkleben.</p>
<p>Doch was stattdessen passiert, ist dass wir psychische Scheuklappen anlegen, die uns davon abhalten zu sehen, dass das, was wir als schlecht ansehen, Teil unseres eigenen psychischen Aufbaus ist. Der Wirklichkeit, so wie sie ist, gegen&#252;berzutreten, bedeutet, dass wir uns sogar die schlechten Dinge an uns selbst anschauen m&#252;ssen, die Dinge, von denen wir krampfhaft glauben wollen, sie seien nicht da, weil wir uns so verzweifelt an die Idee klammern, wir seien &#8220;gut&#8221;.</p>
<p>Und im Bewusstsein dessen, was wirklich in uns steckt, m&#252;ssen wir trotzdem &#252;ben, gut zu sein. Zen zu praktizieren bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, was hier und jetzt ist. Und das ist nicht einfach. F&#252;r jeden - jeden -, der damit beginnt, ist Zazen &#246;de und furchtbar. Dein Hirn ist st&#228;ndig in Bewegung, als ob ein Wespenschwarm in deinem Kopf w&#252;tet. Es gibt Momente, in denen du dir ganz sicher bist, dass du unbedingt von deinem Kissen aufspringen, durch den Raum rennen und den Refrain von „Hello, Dolly&#8221; singen m&#252;sstest, nur um nicht v&#246;llig bekloppt zu werden. Und jeder, der Zazen nicht auf diese Art erlebt, zumindest manchmal, betreibt diese Praxis nicht besonders aufrichtig.</p>
<p>Zazen hat nichts damit zu tun, zu Sph&#228;ren der Gl&#252;ckseligkeit zu entschweben oder sich in eine Alpha-Hirnwellen-Trance zu begeben. Es geht darum, sich dem zu stellen, wer und was du wirklich bist, in jedem einzelnen verdammten Moment. Und du bist keine Gl&#252;ckseligkeit, das kann ich dir jetzt schon sagen. Du bist Chaos. Das sind wir alle.</p>
<p>Aber jetzt kommt&#8217;s: Dieses Chaos selbst ist Erleuchtung. Schlie&#223;lich wirst du sehen, dass das &#8220;Du&#8221;, welches das Chaos ist, &#252;berhaupt nicht wirklich &#8220;Du&#8221; ist. Doch ob du deine eigene Erleuchtung bemerkst oder nicht, ist v&#246;llig unerheblich; ob du denkst, du seiest erleuchtet oder nicht, hat nichts mit dem wahren Stand der Dinge zu tun.</p>
<p>Sitze Zazen. Und lass dir versichern, dass du durch das Rumsitzen und Anstarren von wei&#223;en W&#228;nden alles verwandeln kannst. Alles. Das ist keine Metapher. Es ist keine &#220;bertreibung. Es ist ganz einfach eine Tatsache.</p>
<p>Zazen wird dich unmittelbar mit der Quelle deiner selbst in Ber&#252;hrung bringen. Es wird dich unmittelbar in Ber&#252;hrung mit etwas bringen, das dich niemals verlassen hat, etwas, das dich niemals verlassen konnte. Du kannst dir selbst niemals entkommen. Die Wahrheit ist immer da. Versuche, davor davonzulaufen, und wo immer du auch hinschaust, sie steht genau vor dir. Die Wirklichkeit ist das absolut einzige best&#228;ndige Ding in diesem Universum. Sie ist immer genau hier. Gerade so, wie sie ist.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Hardcore Zen&#8221; von Brad Warner, Aurum-Verlag</span></p>
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		<title>DIE WAHRHEIT IST EINFACH</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 08:54:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brad Warner</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[06 - ZenPraxis]]></category>

		<category><![CDATA[13 - Allgemein]]></category>

		<category><![CDATA[Aufhebung]]></category>

		<category><![CDATA[Begierde]]></category>

		<category><![CDATA[der edle achtfache Pfad]]></category>

		<category><![CDATA[die vier edlen Wahrheiten]]></category>

		<category><![CDATA[Erleuchtung]]></category>

		<category><![CDATA[Gautama Buddha]]></category>

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		<category><![CDATA[natürliche Bedürfnisse]]></category>

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		<category><![CDATA[Weg]]></category>

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		<description><![CDATA[Leiden, Ursprung, Aufhebung, Weg. Diese vier Stichworte bringen die vier edlen Wahrheiten auf den Punkt, &#252;ber die Gautama Buddha in seinen ersten Reden sprach, nachdem er selbst die Erleuchtung erfahren hatte. Nach dem &#252;blichen Verst&#228;ndnis besagt die erste Wahrheit, dass alles Leben leidet. Tats&#228;chlich hat Buddha das Wort dukkha verwendet, ein Wort, das auf Pali [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leiden, Ursprung, Aufhebung, Weg. Diese vier Stichworte bringen die vier edlen Wahrheiten auf den Punkt, &#252;ber die Gautama Buddha in seinen ersten Reden sprach, nachdem er selbst die Erleuchtung erfahren hatte. Nach dem &#252;blichen Verst&#228;ndnis besagt die erste Wahrheit, dass alles Leben leidet. Tats&#228;chlich hat Buddha das Wort dukkha verwendet, ein Wort, das auf Pali eher so etwas wie &#8220;unbefriedigende Erfahrung&#8221; bedeutet. Die zweite edle Wahrheit wird traditionell so interpretiert, dass der Ursprung des Leidens Verlangen sei. Die dritte Wahrheit wird &#252;blicherweise so verstanden, dass die Aufhebung von Verlangen zur Aufhebung von Leiden f&#252;hrt. Die vierte ist die Wahrheit des rechten Weges, die in der Regel in der Form des edlen achtfachen Pfades beschrieben wird, der zur Aufhebung von Verlangen f&#252;hrt. Die acht Glieder sind folgende: rechtes Verstehen, rechtes Denken, rechte Rede, rechtes Handeln, rechte Lebensf&#252;hrung, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung (oder Konzentration).</p>
<p>Die erste edle Wahrheit, Leiden, steht f&#252;r den Idealismus. Wenn du die Dinge von einem idealistischen Standpunkt aus betrachtest, nervt einfach alles. Nichts kann jemals den Ideen und Fantasien gerecht werden, die du geschaffen hast. Also leiden wir, weil die Dinge nicht so sind, wie wir sie gerne h&#228;tten. Anstatt uns dem zu stellen, was wirklich ist, ziehen wir es vor, uns zur&#252;ckzuziehen und das, was wir durchmachen, mit unserem Ideal davon zu vergleichen, wie es sein sollte. Leiden ist das Ergebnis dieses Vergleichs.</p>
<p>Sogar k&#246;rperliches Leiden l&#228;uft nach diesem Muster ab. Das habe ich vor einigen Jahr am eigenen Leib erlebt, als ich einen Nierenstein ausschied, wobei es sich angeblich um die schmerzhafteste Erfahrung handelt, die ein Mensch tats&#228;chlich &#252;berleben kann. Ich wei&#223; zwar nicht, ob das stimmt, aber ich kann dir versichern, dass der Schmerz ziemlich &#252;bel war. Und dennoch: Sobald ich es sein lie&#223;, meine Vorstellung davon, wie ich mich f&#252;hlen sollte (n&#228;mlich frei von Schmerzen), mit dem zu vergleichen, wie ich mich tats&#228;chlich f&#252;hlte (n&#228;mlich von enormen Schmerzen gepeinigt), verbesserten sich die Dinge deutlich. Versteh mich nicht falsch, es tat immer noch h&#246;llisch weh. Doch solange du nicht versuchst, vor der unvermeidlichen H&#246;lle des Leidens davonzulaufen, wenn du es einfach zul&#228;sst, verwandelt sich deine gesamte Erfahrung v&#246;llig. Die buddhistische Autorin und Nonne Pema Ch&#246;dr&#246;n nennt diese Wandlung &#8220;die Weisheit der Ausweglosigkeit&#8221;.</p>
<p>Dies f&#252;hrt zur zweiten edlen Wahrheit, der Entstehung des Leidens: unserem Wunsch, dass die Dinge anders sein sollten, als sie es sind, wo sie das doch gar nicht sein k&#246;nnen. Die Dinge k&#246;nnen niemals anders sein, als sie sind. Dieser Moment kann niemals anders sein, als er ist. Dieses &#8220;Verlangen&#8221; oder &#8220;Begehren&#8221;, von dem buddhistische Lehrer so oft sprechen, ist also nicht nur die Tatsache, dass wir ein gro&#223;es Auto fahren wollen oder auf die vollbusige Rothaarige mit dem Nasenring oder den knackigen Pizzalieferanten scharf sind. Ohne Begierden k&#246;nnen wir nicht leben. Und sollten es auch nicht. Das Problem ist nicht etwa, dass wir nat&#252;rliche Begierden und Bed&#252;rfnisse haben. Es ist vielmehr, dass wir ein zwanghaftes (und schlussendlich saudummes!) Verlangen danach haben, dass unser Leben etwas anderes sein sollte als das, was es tats&#228;chlich ist. Wir tragen eine Welt in unserem Geist herum, die wir &#8220;perfekt&#8221; nennen, und haben eine Welt vor uns (und in uns), die diesem Bild einfach nicht gerecht werden kann. Das Problem dabei ist die Art und Weise, wie wir es unseren Begierden erlauben, uns davon abzuhalten, das zu genie&#223;en, was wir bereits haben.</p>
<p>Ist das verwirrend? Unsere Innenwelt kann sich ziemlich deutlich von dem unterscheiden, wie unser Gehirn sie gerne h&#228;tte. Das Hirn steht oft im Konflikt mit sich selbst. Du bist deprimiert, willst aber gl&#252;cklich sein. Du bist geil, willst dich aber unter Kontrolle haben. Du bist total fahrig, willst aber konzentriert sein.</p>
<p>Die zweite edle Wahrheit sollte nie so verstanden werden, dass unsere nat&#252;rlichen Bed&#252;rfnisse schlecht seien und ausgel&#246;scht werden m&#252;ssten. Gautama hatte diesen Weg als asketischer Yogi bereits ausprobiert. Nachdem er versucht hatte, all seinen Bed&#252;rfnissen zu entsagen (einschlie&#223;lich des Bed&#252;rfnisses zu essen), fand er sich d&#252;nn und schwach und elend wieder - und kein St&#252;ck n&#228;her an der Erleuchtung, als er es gewesen war, nachdem er damit begonnen hatte (obwohl er nun wesentlich n&#228;her an Leichenhausen war). Er brach sein Fasten, indem er eine Sch&#252;ssel Reis von einem Milchm&#228;dchen annahm, die sie eigentlich als Opfergabe f&#252;r einen der G&#246;tter zum Tempel bringen wollte. Erst, nachdem er sein nat&#252;rliches menschliches Bed&#252;rfnis nach Essen erkannt und akzeptiert und seine nat&#252;rliche Kraft wiedererlangt hatte, war er in der Lage, sich auf die Praxis einzulassen, die in seiner Erleuchtung gipfelte. Es w&#228;re doch ziemlich unwahrscheinlich, dass solch eine Person predigte, nat&#252;rliche Bed&#252;rfnisse an sich seien der Grund des Leidens.</p>
<p>Die dritte edle Wahrheit, die Aufhebung des Leidens, steht f&#252;r das Handeln im gegenw&#228;rtigen Moment. Es ist nicht etwa so, dass wir uns zwingen m&#252;ssten, unsere Begierden aufzugeben. Das w&#252;rde nichts l&#246;sen und ist sowieso unm&#246;glich. Sich selbst dazu zu zwingen, keine Begierden zu haben, ruft nur weitere Begierden ins Leben (schon mal angefangen mit der Begierde, nicht zu begehren). Oft h&#246;rt man irgendwelche religi&#246;s angehauchten Typen sagen &#8220;Das Einzige, was ich begehre, ist Begierdelosigkeit&#8221;. Der einzige Zustand, in dem man nicht will, was man nicht hat, ist der Tod.</p>
<p>Du w&#252;nschst dir &#8216;nen Jaguar XKR, aber hast &#8216;ne Chevy-Shitbox (das ist &#8216;n Wagen, den Chevrolet vor einiger Zeit hergestellt hat - war zwar nicht besonders beliebt, aber &#8216;ne Menge Leute fahren mittlerweile einen). Wenn du zum Supermarkt willst, was macht dann mehr Sinn: rumzusitzen und dir zu w&#252;nschen, dass du den Jaguar h&#228;ttest, oder in deine Schei&#223;karre zu steigen und tats&#228;chlich zu fahren? Wenn du W&#252;nsche hast, lass sie, wie sie sind, und tu, was zu tun ist.</p>
<p>Letztlich ist der edle achtfache Pfad die Wirklichkeit selbst. Im Einklang mit dem edlen achtfachen Pfad zu handeln, hei&#223;t, im Einklang mit der Wirklichkeit zu handeln. Und das ist&#8217;s auch schon.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Hardcore Zen&#8221; von Brad Warner, Aurum-Verlag</span></p>
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		<title>WER BIN ICH?</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 13:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ch. Joko Beck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[07 - TransZen]]></category>

		<category><![CDATA[Beziehungsprobleme]]></category>

		<category><![CDATA[Das wahre Selbst]]></category>

		<category><![CDATA[der innere Meister]]></category>

		<category><![CDATA[Energiepotential]]></category>

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		<description><![CDATA[Diese Frage besch&#228;ftigt seit Menschengedenken die Philosophen aller V&#246;lker. Doch kein Weiser, Guru oder Meister kann uns die Antwort darauf geben, sondern nur den Weg weisen. Die Beziehung zu uns selbst m&#252;ssen wir in der spirituellen Praxis selber entdecken, erkl&#228;rt Zen-Meisterin Joko Beck in ihrem Buch „Zen im Altag&#8221;. Hier ein paar Auz&#252;ge daraus:
„Wir meditieren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Frage besch&#228;ftigt seit Menschengedenken die Philosophen aller V&#246;lker. Doch kein Weiser, Guru oder Meister kann uns die Antwort darauf geben, sondern nur den Weg weisen. Die Beziehung zu uns selbst m&#252;ssen wir in der spirituellen Praxis selber entdecken, erkl&#228;rt Zen-Meisterin Joko Beck in ihrem Buch „Zen im Altag&#8221;. Hier ein paar Auz&#252;ge daraus:</p>
<p>„Wir meditieren, um zu erfahren, wer wir sind. Wir haben Geist und K&#246;rper, doch diese Elemente erkl&#228;ren nicht das Leben, das wir sind. Wir m&#246;chten unser wahres Selbst kennenlernen. Aber was ist das nur? Wenn wir das wahre Selbst definieren m&#252;&#223;ten, was w&#252;rden wir sagen? Lasst uns einen Augenblick nachdenken. Was kommt mir in den Sinn? Etwas wie: das Wirken eines Menschen, der keine egozentrische Motivation hat. Man kann unschwer erkennen, da&#223; solch ein Wesen kaum etwas Vertraut-Menschliches an sich h&#228;tte. Von einem anderen Standpunkt aus w&#228;re solch ein Mensch allerdings im eigentlichen Sinne Mensch - doch nicht auf die Weise, in der wir in normaler Weise uns selbst und andere sehen. Solch ein Wesen w&#228;re im Grunde ein Niemand.</p>
<p>Wenn wir uns durchs Leben k&#228;mpfen und die M&#228;ngel unserer Beziehungen zu diesem oder jenem Menschen, zu unserer Arbeit oder zu einer bestimmten Aktivit&#228;t erfahren, unterliegen wir dem gro&#223;en Irrtum gerade durch die Vorstellung, wir st&#252;nden zu dieser bestimmten Person oder diesem bestimmten Ereignis »in Beziehung«. Normalerweise betrachten wir die Ehe so: »Ich bin mit ihm verheiratet.« Doch solange wir sagen: »Ich bin mit ihm verheiratet«, sind da zwei Menschen; f&#252;r das wahre Selbst aber k&#246;nnen es nicht zwei sein. Das wahre Selbst kennt keine Trennung. Es sieht vielleicht so aus, als sei ich »mit ihm/ihr« verheiratet, doch das wahre Selbst - man kann es auch das unendliche Energiepotential nennen - kennt keine Abgrenzung. Das wahre Selbst gestaltet sich zwar in verschiedenen Formen, bleibt aber essentiell ein Selbst, ein Energiepotential. Wenn ich sage: »ich bin mit dir verheiratet« oder »ich habe vier Kinder«, so stimmt das, was die Alltagssprache anbelangt. Doch wir m&#252;ssen sehen, da&#223; das nicht die wirkliche Wahrheit ist. Ich bin nicht mit jemandem verheiratet, mit etwas verbunden, ich bin dieser Mensch, ich bin dieses Ding. Das wahre Selbst kennt keine Trennung.</p>
<p>Wir sagen nun vielleicht, das ist ja alles ganz sch&#246;n, aber wenn wir es einmal praktisch betrachten, was machen wir dann mit den gro&#223;en Schwierigkeiten, die sich in unserem Leben einstellen? Wir alle wissen, da&#223; uns die Arbeit in gro&#223;e Probleme bringen kann, ebenso unsere Kinder, unsere Eltern, jede Beziehung zu Menschen. Nehmen wir an, ihr seid mit jemandem verheiratet, der au&#223;erordentlich schwierig ist - nicht nur ein bi&#223;chen schwierig, sondern extrem schwierig. Nehmen wir weiter an, die Kinder litten unter dieser Ehe. Was sollen wir dann tun? Und es gibt ja noch viele Variationen von Beziehungsproblemen. Nehmen wir an, ihr h&#228;ttet einen Partner, der sehr intensiv an einem bestimmten Gebiet arbeitet, und er k&#246;nnte dieses Studium nur auf einem drei- oder vierj&#228;hrigen Afrika-Aufenthalt betreiben, eure Arbeit aber w&#252;rde euch hier festhalten. Was solltet ihr da tun? Oder ihr habt alte Eltern, die eurer F&#252;rsorge bed&#252;rfen, euer Beruf aber, eure Verpflichtungen, rufen euch anderswo hin. Was solltet ihr tun? Aus solchen Problemen besteht das Leben. Nicht alle Probleme sind so schwierig wie diese, doch auch schon weniger gravierende k&#246;nnen uns graue Haare wachsen lassen.</p>
<p>In jeder Situation sollten wir uns nicht dem anderen Menschen per se hingeben, sondern dem wahren Selbst. Nat&#252;rlich verk&#246;rpert der andere das wahre Selbst, und doch ist das nicht genau dasselbe. Wenn wir mit einer Gruppe zu tun haben, so besteht unsere Beziehung nicht zu der Gruppe, sondern zum wahren Selbst der Gruppe. Das wahre Selbst, von dem ich spreche, ist kein mystisches Wesen, das irgendwo &#252;ber einem schwebt. Das wahre Selbst ist nichts, und doch ist es das einzige, das unser Leben bestimmen sollte. Es ist der innere Meister. Wenn wir Zazen &#252;ben oder eine Sesshin (ein mehrt&#228;giges Meditationsseminar) erleben, dient das nur dem Zweck, unser wahres Selbst besser zu verstehen. Wenn wir es nicht verstehen, werden wir immer weiter ratlos vor Problemen stehen und nicht wissen, was wir tun sollen. Das Einzige, dem wir dienen sollten, ist nicht ein Lehrer, nicht ein Zentrum, nicht ein Beruf oder ein Ehepartner, nicht ein Kind, sondern unser wahres Selbst. Wie aber k&#246;nnen wir wissen, wie man das tut? Es ist nicht einfach, und es braucht Zeit und Ausdauer, um es zu lernen.</p>
<p>Durch das &#220;ben wird deutlich, da&#223; wir uns fast nie allzu sehr f&#252;r unser wahres Selbst interessieren; im Leben interessiert uns nur unser kleines Ich, - was wir wollen, was wir denken und worauf wir hoffen, was uns angenehm w&#228;re, was unserer Gesundheit gutt&#228;te, unserem Wohlbefinden; da hinein legen wir unsere Energie. Durch bewu&#223;tes &#220;ben wird uns das allm&#228;hlich klar. Und es ist nicht gut oder schlecht, da&#223; wir so sind, es ist einfach so. Wenn nun Licht auf unsere gew&#246;hnliche, egozentrische Aktivit&#228;t f&#228;llt, wenn wir uns des Kummers und des Leidens bewu&#223;t werden, die daraus hervorgehen, k&#246;nnen wir uns  davon abkehren. Vielleicht erahnen wir sogar einen anderen Seins-Zustand: das wahre Selbst.</p>
<p>Wie k&#246;nnen wir in einer konkreten Situation dem wahren Selbst dienen? Manchmal mag das sehr schwer, sehr m&#252;hsam aussehen, manchmal aber auch gerade das Gegenteil davon. Es gibt keine Rezepte. Vielleicht gebe ich meine gute Stelle in New York auf und bleibe zu Hause, um meine Eltern zu pflegen. Vielleicht tue ich es auch nicht. Nur mein wahres Selbst kann mir sagen, was ich tun soll. Wenn wir auf unserem &#220;bungsweg so gereift sind, da&#223; wir uns nicht mehr so oft selbst t&#228;uschen, weil wir mit unserer wirklichen Erfahrung in Ber&#252;hrung sind, dann werden wir auch immer genauer wissen, was das richtige, von Mitgef&#252;hl getragene Handeln ist.</p>
<p>Es kann ein Zeitpunkt kommen, von dem ab es am besten ist, allein weiterzugehen, wenn man dem wahren Selbst dienen will. Niemand kann mir sagen, was das Beste ist; niemand wei&#223; es, au&#223;er mein wahres Selbst. Sind wir verheiratet, so sind wir nicht miteinander verheiratet, sondern mit dem wahren Selbst. Lehren wir eine Gruppe von Kindern, so lehren wir nicht die Kinder, sondern wir dr&#252;cken das wahre Selbst in einer Weise aus, die f&#252;r die Klasse sinnvoll ist.</p>
<p>Das mag nun idealistisch und verstiegen klingen; dennoch haben wir alle paar Minuten die M&#246;glichkeit, uns damit auseinanderzusetzen. Beispielsweise der Umgang mit jemandem, der uns irritiert; eine Begegnung, die uns ver&#228;rgert und bei der wir denken, die anderen h&#228;tten es doch besser wissen m&#252;ssen. Was ist das wahre Selbst unter all diesen Umst&#228;nden? Wir k&#246;nnen uns unserer Irritation, unserer Ver&#228;rgerung, unserer Ungeduld bewu&#223;t werden. Und solche Gedanken k&#246;nnen wir benennen. Wir k&#246;nnen das in aller Geduld tun, wir k&#246;nnen die Spannungen erleben, die diese Gedanken hervorbringen. Wir k&#246;nnen das erfahren, was wir zwischen uns selbst und unser wahres Selbst stellen. Wenn wir solch sorgf&#228;ltiges &#220;ben in unserem Leben an die erste Stelle setzen, dienen wir unserem inneren Meister, und dann w&#228;chst unsere Erkenntnis daf&#252;r, was getan werden mu&#223;.</p>
<p>Das wahre &#220;ben f&#252;hrt uns mehr und mehr in jenen schlichten, undramatischen Raum, in dem die Dinge einfach das sind, was sie sind - sie gehen einfach vor sich. Und dieses ungest&#246;rte Vorsichgehen entsteht niemals aus Egozentrik. Wenn wir oft Sesshins erleben, erh&#246;ht das unsere Chance sehr, einen gr&#246;&#223;eren Teil unseres Lebens in diesem schlichten Raum zu verbringen. Doch wir m&#252;ssen geduldig sein und Haltung beweisen; wir m&#252;ssen gleichm&#252;tig sein und sitzen. Das wahre Selbst ist nichts. Es ist die Abwesenheit von etwas anderem. Die Abwesenheit wovon?</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Zen im Alltag&#8221; Charlotte Joko Beck, Knaur Verlag</span></p>
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		<title>SCHLUSS MIT ZIRKUS</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 05:38:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ch. Joko Beck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[06 - ZenPraxis]]></category>

		<category><![CDATA[Übungsweg]]></category>

		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>

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		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[„Schluss mit Zirkus - mein Wunsch: gl&#252;cklich sein&#8221; Das stand auf dem Zettelanh&#228;nger eines Luftballons, der &#252;ber unserem Garten zerplatzte. Und es passt sehr gut zum Thema Beziehungen, das die amerikanische Zen-Meisterin Joko Beck in ihrem Buch &#62; Zen im Alltag &#60; durchleuchtet: „Heute m&#246;chte ich &#252;ber die Illusionen sprechen, die wir dar&#252;ber haben, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Schluss mit Zirkus - mein Wunsch: gl&#252;cklich sein&#8221; Das stand auf dem Zettelanh&#228;nger eines Luftballons, der &#252;ber unserem Garten zerplatzte. Und es passt sehr gut zum Thema <em>Beziehungen</em>, das die amerikanische Zen-Meisterin Joko Beck in ihrem Buch &gt; Zen im Alltag &lt; durchleuchtet: „Heute m&#246;chte ich &#252;ber die Illusionen sprechen, die wir dar&#252;ber haben, dass Beziehungen zu funktionieren h&#228;tten. Sie tun es nicht. Sie funktionieren einfach nicht. Es gab noch nie eine Beziehung, die gut ging. Das Leben kann nat&#252;rlich gut gehen, aber nicht deshalb, weil wir meinen, wir m&#252;&#223;ten etwas tun, damit es funktionierte. In allem, was wir in bezug auf andere Menschen tun, liegt subtile oder weniger subtile Erwartung. Wir denken: »Irgendwie werde ich diese Beziehung schon hinkriegen, und dann werde ich bekommen, was ich will.« Wir m&#246;chten alle etwas von den Menschen, mit denen wir in Beziehung stehen. Niemand von uns kann sagen, dass wir von den anderen Menschen nichts wollen. Und selbst wenn wir Beziehungen aus dem Wege gehen, ist das nur eine andere Art, etwas zu wollen. Und so funktionieren Beziehungen einfach nicht.</p>
<p>Nun, was aber funktioniert? Das einzige, was funktioniert, wenn wir den &#220;bungsweg wirklich gehen, ist der Wunsch, nichts f&#252;r sich selbst zu haben, sondern alles Leben, auch individuelle Beziehungen, zu st&#228;rken und zu st&#252;tzen. Nun m&#246;gt Ihr sagen: »Das klingt gut. Ich werde es tun.« Aber niemand m&#246;chte das wirklich tun. Wir m&#246;chten andere nicht unterst&#252;tzen. Jemanden wirklich zu unterst&#252;tzen, bedeutet, ihm alles zu geben und nichts zu erwarten! Das hie&#223;e, dem anderen Zeit, Arbeit, Geld, alles zu geben. »Wenn du es brauchst, gebe ich es dir.« »Liebe erwartet nichts.« Wir aber spielen ein anderes Spiel: »Ich werde mit dir sprechen, und dann wird unsere Beziehung besser sein«, was in Wirklichkeit bedeutet: »Ich werde mit dir sprechen, damit du wei&#223;t, was ich will.«</p>
<p>Die unterschwelligen Erwartungen, die diesem Spiel zugrunde liegen, werden die Beziehungen unausweichlich scheitern lassen. Wenn wir das wirklich erkennen, k&#246;nnen manche von uns vielleicht den n&#228;chsten Schritt verstehen, sie werden eine andere Seinsweise erahnen. Ab und zu leuchtet es uns f&#252;r einen Augenblick ein: »Ja, ich kann das f&#252;r dich tun, ich kann dein Leben sch&#252;tzen und st&#252;tzen, und ich erwarte nichts. Nichts.«</p>
<p>Meditatives &#220;ben ist nicht irgend etwas Versponnenes, sondern ein Weg, der uns mit unserem eigenen Leben in Ber&#252;hrung bringt. Wenn wir auf dem &#220;bungsweg voranschreiten, bekommen wir immer deutlicher die Vorstellung von dieser anderen Art zu leben und wenden uns allm&#228;hlich ab von unserer egozentrischen Orientierung - nicht zu einer Orientierung hin, die sich auf den anderen zentriert (denn das w&#228;ren wieder wir selbst), sondern zu einer vollkommen offenen Orientierung. F&#252;hrt unser &#220;bungsweg uns aber nicht in diese Richtung, dann ist er kein wirklicher &#220;bungsweg. Wenn wir immer noch irgend etwas wollen, dann wissen wir, dass wir noch weiter &#252;ben m&#252;ssen. Da niemand von uns irgend etwas anderes sagen kann, bedeutet das schlicht, dass wir alle weiter zu &#252;ben haben.</p>
<p>Wenn meine Grundorientierung nicht aus dem &#220;bungsweg klar hervorgeht, dann &#252;be ich nicht richtig. Doch kennen wir diese Grundorientierung, so werden wir genau wissen, worum es uns vor allem geht, und das wird sich auf jede Lebenseinzelheit auswirken, auf unsere Beziehungen, auf unsere Arbeit, auf alles. Wenn aus dem &#220;ben nicht etwas entsteht, was mehr ist als das, was ich gerade will, was mein Leben angenehmer machen w&#252;rde, dann ist es kein wirkliches &#220;ben.</p>
<p><span id="more-1493"></span>Doch wir wollen das Problem nicht zu sehr vereinfachen. &#220;ben wir auf diese Weise za-zen, m&#252;ssen wir zwei, drei Aspekte des &#220;bens weiterentwickeln. Es ist bereits sehr wertvoll, in starker Konzentration zu sitzen. Doch wenn wir nicht aufmerksam sind, k&#246;nnen wir gerade dieses Sitzen und Meditieren benutzen, um dem Leben zu entfliehen. Man kann die Kr&#228;fte, die sich daraus entwickeln, sogar auf recht ungute Weise einsetzen. Konzentration ist ein Aspekt des &#220;bens. Wir betonen sie hier nicht, doch diese F&#228;higkeit muss in einem bestimmten Ma&#223; erworben werden. Die Vipassana-Technik (die ich vorziehe), und bei der man wahrnimmt, wahrnimmt, wahrnimmt, ist sehr sinnvoll, und ich glaube, dass sie sich als grundlegende &#220;bung am besten eignet. (Red. Anm.: Vipassana bedeutet Einsicht, die durch reine Achtsamkeit auf das, was in K&#246;rper und Geist passiert, erreicht werden kann. Vipassana-Meditation wird praktiziert, um das Ende des Leidens zu verwirklichen, indem mit einem gewissen Grad an Sammlung die wahre Natur der geistigen und k&#246;rperlichen Ph&#228;nomene erkannt wird. Denn jeder geistige Zustand oder k&#246;rperliche Vorgang besitzt die drei Daseinsmerkmale der Unbest&#228;ndigkeit, Unzul&#228;nglichkeit und Unpers&#246;nlichkeit.) Wann immer wir in einer Beziehung ein Gef&#252;hl des Unbehagens haben - also an jenem Punkt, an dem die Beziehung uns nicht pa&#223;t -, sollten wir uns sofort fragen, was mit uns los ist. Wie k&#246;nnen wir mit diesem Unbehagen &#252;bend umgehen? Ich will damit nicht sagen, dass man jede Beziehung f&#252;r immer aufrechterhalten sollte, denn der Sinn einer Beziehung hat nichts mit der Beziehung selbst zu tun. Der Sinn einer Beziehung liegt in der gr&#246;&#223;eren Kraft, die das Leben bekommt, wenn man sie als einen »Kanal« versteht.</p>
<p>Eine gute Beziehung l&#228;&#223;t mehr Kraft ins Leben einflie&#223;en. Wenn zwei Menschen zusammen stark sind, kann das Leben sich st&#228;rker verwirklichen als durch zwei einzelne Menschen. Es ist, als h&#228;tte sich etwas Drittes, Gr&#246;&#223;eres gebildet, das Kraft weiterleiten kann. Und genau das will das Leben. Es k&#252;mmert sich nicht darum, ob man in seiner Beziehung »gl&#252;cklich« ist. Es sucht nach einem Medium, und dieses Medium muss stark sein. Wenn es nicht stark ist, wird das Leben es sobald wie m&#246;glich links liegen lassen. Dem Leben ist es egal, wie »angenehm« unsere Beziehungen sind. Es sucht nach Gef&#228;&#223;en f&#252;r seine Kraft, damit es so gut wie m&#246;glich wirken kann. Um diese Wirkung geht es bei uns allen; das Drama, das sich zwischen mir und ihm und ihr abspielt, interessiert das Leben nicht. Das Leben sucht eine Ausdrucks m&#246;glichkeit und wird wie ein heftiger Wind an der Beziehung r&#252;tteln, um sie zu pr&#252;fen.</p>
<p>Wenn die Beziehung die Pr&#252;fung nicht aush&#228;lt, muss sie entweder st&#228;rker werden, um zu bestehen, oder sie muss sich aufl&#246;sen, damit aus den Ruinen etwas Neues und Junges erwachsen kann. Ob sie zerbricht oder nicht, ist nicht so wichtig wie das, was wir daraus gelernt haben. Viele Menschen heiraten beispielsweise, obwohl ihre Beziehung zu nichts dient. Damit m&#246;chte ich nat&#252;rlich nicht sagen, dass nun alle ihre Ehen aufl&#246;sen sollten. Wenn eine Beziehung nicht funktioniert, hei&#223;t das, dass beide Partner vor allem mit ihrem Ich besch&#228;ftigt sind: »Ich will &#8230; « oder »Das ist nicht gut f&#252;r mich &#8230; « Wenn man sehr wenig will, dann ist die Beziehung stark und wird funktionieren. Nur daran hat das Leben Interesse. Als isoliertes »Ich« mit seinen ganz pers&#246;nlichen W&#252;nschen und Begierden ist man f&#252;r das Leben bedeutungslos. Und alle schwachen Beziehungen geben ein Zeichen daf&#252;r, dass jemand darin etwas f&#252;r sich pers&#246;nlich will.</p>
<p>Es sind gro&#223;e Fragen, die sich hier erheben, und Ihr werdet vielleicht nicht mit allem &#252;bereinstimmen, was ich sage. Doch es ist so: Auf dem Zen-&#220;bungsweg geht es darum, selbstlos zu sein, zu erkennen, dass man ein NichtSelbst ist. Das hei&#223;t nicht, dass man ein Nichts, wesenlos, sein sollte. Es bedeutet, sehr stark zu sein. Doch stark zu sein hei&#223;t nicht, starr zu sein. Eine gute Beziehung hat eine flexible Struktur und die F&#228;higkeit, Anst&#252;rmen standzuhalten und unversehrt zu bleiben, weiterzubestehen. Doch wenn Beziehungen vor allem aus »Ich will« bestehen, so ist ihre Struktur starr. Und sie k&#246;nnen dem Druck des Lebens nicht standhalten und damit dem Leben nicht dienen. Das Leben will, dass die Menschen beweglich sind, damit es sie f&#252;r das brauchen kann, was es vollbringen will.</p>
<p>Wenn wir unseren &#220;bungsweg richtig erkennen, k&#246;nnen wir beginnen, uns selbst kennenzulernen und zu erfahren, wie unsere st&#246;renden Emotionen unser Leben ruinieren. Wenn wir dann ganz langsam, Jahr f&#252;r Jahr, &#252;ben, entwickelt sich unsere St&#228;rke. Manchmal ist das ein sehr harter Weg. Sagt Ihnen irgend jemand etwas anderes, dann spricht er nicht von wirklicher Meditation. Wirkliche Meditation ist keineswegs etwas Rosiges, Angenehmes. Doch wenn wir uns ganz darauf einlassen, werden wir allm&#228;hlich erkennen, wohin unser Weg geht, was wir anstreben, und wir beginnen zu sehen, wer wir sind. Deshalb w&#252;nschte ich, wir alle k&#246;nnten unser &#220;ben wirklich sch&#228;tzen und richtig &#252;ben. Durch unser &#220;ben biegen wir unser Leben nicht irgendwie zurecht. Das &#220;ben ist die Grundlage. Ist sie nicht da, so ist nichts da. Betrachten wir also n&#252;chtern, wie unser &#220;ben im Augenblick ist. Und wer wei&#223;, vielleicht ist auch einer von uns in einer Beziehung, die wirklich gut geht - eine Beziehung, die auf einer ganz, ganz anderen Basis steht. Es liegt an uns, diese Basis zu schaffen. Tun wir also einfach dies.&#8221;</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Zen im Alltag&#8221; Charlotte Joko Beck, Knaur Verlag</span></p>
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		<title>ERLEUCHTUNG ZERST&#214;RT ALLE ILLUSIONEN</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 08:16:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ch. Joko Beck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[06 - ZenPraxis]]></category>

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		<description><![CDATA[„Vor ein paar Tagen sagte jemand zu mir: »Sie sprechen eigentlich nie &#252;ber Erleuchtung. Wollen Sie nicht dar&#252;ber einmal was sagen?« Das Problem, &#252;ber »Erleuchtung« zu sprechen, liegt darin, da&#223; unsere Worte ein Bild davon erzeugen, was das ist, und Erleuchtung ist kein fest umrissenes Bild, sondern ein Zerst&#246;ren all unserer Bilder. Etwas Zerst&#246;rtes ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Vor ein paar Tagen sagte jemand zu mir: »Sie sprechen eigentlich nie &#252;ber Erleuchtung. Wollen Sie nicht dar&#252;ber einmal was sagen?« Das Problem, &#252;ber »Erleuchtung« zu sprechen, liegt darin, da&#223; unsere Worte ein Bild davon erzeugen, was das ist, und Erleuchtung ist kein fest umrissenes Bild, sondern ein Zerst&#246;ren all unserer Bilder. Etwas Zerst&#246;rtes ist nicht gerade sehr verlockend f&#252;r uns! Was bedeutet es, unsere gew&#246;hnliche Vorstellung vom Leben zu zerst&#246;ren? Die allt&#228;gliche Lebenserfahrung konzentriert sich auf einen selbst. Schlie&#223;lich erlebe ich ja alle Eindr&#252;cke, ich kann nicht die Erfahrung des anderen von seinem Leben haben, es ist immer meine eigene. Und schlie&#223;lich komme ich unvermeidlich zu der &#220;berzeugung, da&#223; es ein Ich gibt, das das Zentrum meines Lebens ist, da meine Erfahrungen sich um dieses Ich zu drehen scheinen. »Ich« sehe, »ich« h&#246;re, »ich« f&#252;hle, »ich« denke, »ich« habe diese oder jene Meinung. Wir stellen dieses »Ich« selten in Frage. Im Zustand der Erleuchtung aber gibt es kein »Ich«. Da ist einfach das Leben selbst. Ein Pulsieren zeitloser Energie, deren Wesen alles umfa&#223;t oder ist.</p>
<p>Der Proze&#223; des &#220;bens bedeutet, allm&#228;hlich zu sehen, warum wir unser wahres Wesen nicht erkennen: Das liegt immer an unserer ausschlie&#223;lichen Identifikation mit unserem eigenen Geist und K&#246;rper, dem »Ich«. Um unseren nat&#252;rlichen Zustand der Erleuchtung zu erkennen, m&#252;ssen wir diesen Irrtum sehen und zerst&#246;ren. Der &#220;bungsweg besteht darin, entschieden gegen den gew&#246;hnlichen, egozentrischen Lebensstil anzugehen.</p>
<p>Im ersten Stadium des &#220;bungsweges geht es darum, zu erkennen, da&#223; mein Leben sich vollkommen auf mich konzentriert: »Ja, ich habe diese egozentrischen Meinungen, diese um mich kreisenden Gedanken, diese selbsts&#252;chtigen Emotionen. .. ich, ich, ich habe all das von morgens bis abends.« Allein das Wachsein daf&#252;r ist schon f&#252;r sich genommen ein gro&#223;er Schritt.</p>
<p>Das n&#228;chste Stadium (und diese Stadien k&#246;nnen Jahre w&#228;hren) besteht darin, zu beobachten, was wir mit all diesen Gedanken, Phantasien und Emotionen tun, was es hei&#223;t, da&#223; wir gew&#246;hnlich an ihnen h&#228;ngen, sie h&#228;tscheln und glauben, ohne sie hilflos und verloren zu sein. »Ohne diesen Menschen w&#228;re ich verloren; wenn sich diese Situation nicht nach meinen W&#252;nschen &#228;ndert, ertrage ich es nicht.« Wenn wir fordern, das Leben m&#252;&#223;te so oder so sein, leiden wir unvermeidlich - denn das Leben ist allzeit so, wie es ist, es ist nicht immer gerecht, nicht immer angenehm. Das Leben richtet sich nicht danach, wie wir es haben wollen, es ist einfach so, wie es ist. Und das darf unserer Freude daran, unserer Wertsch&#228;tzung, unserer Dankbarkeit nicht im Wege stehen.</p>
<p>Wir sind wie kleine V&#246;gel, die im Nest sitzen und darauf warten, dass Mama und Papa ihnen Futter in den Schnabel stecken. F&#252;r junge V&#246;gel mag das auch passend sein, wenn auch Mutter und Vater mehr Freiheit haben, da sie den ganzen Tag herumfliegen k&#246;nnen. Wir glauben vielleicht, da&#223; wir solch einen jungen Vogel nicht zu beneiden h&#228;tten, doch wir tun genau das, was er tut. Wir erwarten, da&#223; das Leben uns Leckerbissen in den Mund schiebt: »Ich m&#246;chte, da&#223; es so geht, wie ich es mir vorstelle! Ich will, da&#223; meine Freundin anders ist, ich will, da&#223; meine Mutter besser zu mir pa&#223;t, ich m&#246;chte leben, wo ich leben will, ich m&#246;chte Geld&#8230; oder Erfolg &#8230; oder &#8230; « Wir sind wie junge V&#246;gel, nur verbergen wir unsere Gier besser als sie&#8221;.</p>
<p><span id="more-1483"></span>&#8220;In einem Dokumentarfilm wurde gezeigt, wie eine B&#228;rin ihre Jungen aufzieht. Sie lehrt sie zu jagen, zu fischen, zu klettern und all das zu tun, was sie zum &#220;berleben brauchen. Dann scheucht sie sie eines Tages alle auf einen Baum. Und was tut sie dann? Sie geht einfach weg und sieht sich nicht einmal um. Was m&#246;gen die kleinen B&#228;ren f&#252;r ein Gef&#252;hl haben? Wahrscheinlich haben sie schreckliche Angst, doch der Weg zur Freiheit beginnt mit Angst.</p>
<p>Wir sind alle junge V&#246;gel oder kleine B&#228;ren und h&#228;tten am liebsten eine Mama, die immer f&#252;r uns sorgt. Jeder hat da so seine eigenen Vorstellungen. Keiner von uns m&#246;chte aus dem Nest geworfen werden, denn das jagt einem Angst ein. Doch der Proze&#223; des Unabh&#228;ngigwerdens (der Erfahrung, da&#223; wir es schon sind) bedeutet Angst und Schrecken, immer wieder. Wir k&#228;mpfen gegen die Freiheit, gegen die Aufgabe unseres Traumes, da&#223; das Leben einmal so sein werde, wie wir es uns w&#252;nschen, da&#223; es uns Geborgenheit gibt; deshalb erscheint uns der &#220;bungsweg vielleicht so schwierig. Za-zen will uns befreien, damit wir uns ins Leben emporschwingen k&#246;nnen, in seine Freiheit, in sein Nichtverhaftetsein, in den Zustand der Erleuchtung - in ein Leben, das einfach Leben ist.</p>
<p>In den ersten Jahren des &#220;bungsweges &#252;ben wir za-zen, um unser Verhaftetsein in gro&#223;en Z&#252;gen zu verstehen; dann, im Laufe der Jahre, &#252;ben wir mit unseren subtileren (und wom&#246;glich noch destruktiveren) Bindungen. Der &#220;bungsweg dauert ein ganzes Leben lang. Er hat kein Ende. Doch wenn wir wirklich &#252;ben, erkennen wir unfehlbar unsere eigene Freiheit. Ein junger B&#228;r, der zwei oder drei Monate von der Mutter getrennt war, hat vielleicht noch nicht die Kraft oder die Geschicklichkeit seiner Mutter, doch er schl&#228;gt sich allein durch und genie&#223;t das Leben vielleicht mehr als der kleine B&#228;r, der seiner Mutter auf Schritt und Tritt folgte.</p>
<p>Es ist von gro&#223;er Wichtigkeit, t&#228;glich zu &#252;ben; doch weil wir so hartn&#228;ckig und dickk&#246;pfig sind, brauchen wir meist den Druck langen Sitzens, um unser Verhaftetsein zu erkennen. Eine lange sesshin »durchzusitzen« ist ein starker Anschlag auf unsere Hoffnungen und Tr&#228;ume, die die Erleuchtung verhindern. Wenn man sagt, da&#223; es keine Hoffnung gibt, so ist das &#252;berhaupt nicht pessimistisch. Es kann deshalb keine Hoffnung geben, weil es nichts gibt als diesen einen Augenblick. Wenn wir hoffen, haben wir Angst, dass wir uns verlieren zwischen dem, wo wir sind, und dem, wo wir uns hinw&#252;nschen. Keine Hoffnung (nicht abh&#228;ngig sein), der Zustand der Erleuchtung, ist ein Leben des inneren Gleichgewichts, des klaren Denkens und aufrichtigen F&#252;hlens. Es ist die Frucht des wirklichen &#220;bens, es wirkt sich immer wohltuend f&#252;r einen selbst und f&#252;r andere aus, und es ist die nicht endende Hingabe und &#220;bung wert, die es fordert&#8221;.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Auszug aus „Zen im Alltag&#8221; von Charlotte Joko Beck, Knaur Verlag</span></p>
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		<title>EINHEIT ZWISCHEN EGO UND KOSMOS</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 09:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Taisen Deshimaru</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[„In unserer verwirrten Welt Zazen zu &#252;ben bedeutet, zur wahren Dimension des Menschen zur&#252;ckzukehren und das grundlegende Gleichgewicht seiner Existenz wiederzufinden&#8221;. Taisen Deshimaru
Den Zen-Weg kann man nicht von au&#223;en studieren, sondern nur durch den eigenen K&#246;rper und Geist. Das richtige Verstehen &#252;bertr&#228;gt sich durch die &#220;bung und mu&#223; sich in allen Handlungen des t&#228;glichen Lebens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„In unserer verwirrten Welt Zazen zu &#252;ben bedeutet, zur wahren Dimension des Menschen zur&#252;ckzukehren und das grundlegende Gleichgewicht seiner Existenz wiederzufinden&#8221;. </em><span style="font-size: xx-small;">Taisen Deshimaru</span></p>
<p>Den Zen-Weg kann man nicht von au&#223;en studieren, sondern nur durch den eigenen K&#246;rper und Geist. Das richtige Verstehen &#252;bertr&#228;gt sich durch die &#220;bung und mu&#223; sich in allen Handlungen des t&#228;glichen Lebens widerspiegeln. Allein durch B&#252;cher verstehen zu wollen, f&#252;hrt zu einer relativen Kenntnis. Es ist wesentlich, da&#223; der Geist wieder in den K&#246;rper kommt. Der K&#246;rper besitzt seine eigene Weisheit. Wenn der Geist ruhig ist, kann der K&#246;rper spontan handeln. Alle gro&#223;en Meister haben den Weg erreicht, indem sie den K&#246;rper und den Geist gemeistert haben. Zazen wird mit einer Zeremonie beendet. Jede Handlung der Zeremonie, wie R&#228;ucherst&#228;bchen anz&#252;nden oder die Sutras singen, hat einen tiefen Sinn. Es ist ein Gebet mit dem K&#246;rper. Bei der Zeremonie ist es nicht n&#246;tig, von seinem Denken aus zu handeln. Ein alter Text besagt:</p>
<p>»Wenn Handlungen, sogar gute, aus einem verdunkelten Bewu&#223;tsein kommen, bringen sie nur ein begrenztes Gl&#252;ck in die Welt. Wenn im Gegensatz dazu das Licht des Samadhi von Zazen die pers&#246;nlichen Gedanken erl&#246;schen l&#228;&#223;t, wird die kleinste Handlung davon erleuchtet sein, denn sie wird hervorgebracht, bevor jegliche Beurteilung einsetzt.«</p>
<p>Die Zeremonie w&#228;re ohne Zazen formalistisch wie eine Blume ohne Duft. Indessen gibt sie der &#220;bung eine religi&#246;se Dimension, verfeinert den Geist und macht das Verhalten fein und edel. Die Haltung beeinflu&#223;t den Geist. Das Wiederholen der Zeremonie pr&#228;gt das ganze Wesen und wird zu einer tiefgreifenden Erziehung, die in den Alltag hineinreicht.</p>
<p>Die Zendo ist der Ort, wo das Dharma gelehrt und ge&#252;bt wird. Dharma ist das kosmische Gesetz, das unsere Welt steuert, und gleichzeitig die Lehre von Buddha, der dieses Gesetz formulierte, nachdem er es in Zazen tief erfahren hatte. Damit man das Dharma erlangen kann, mu&#223; unsere Individualit&#228;t ihm Platz machen.</p>
<p>In einer Zendo ist es wichtig, sich mit den anderen in Einklang zu bringen, wie Milch und Honig zu sein, die sich vollkommen vermischen. Alle Wesen befinden sich in gegenseitiger Abh&#228;ngigkeit mit der Umgebung. In der Zendo ist dieser gegenseitige Einflu&#223; g&#252;nstig f&#252;r jeden &#220;benden.</p>
<p>Den Zendo-Regeln (siehe rechts unter &gt; 03 - ZenMeditation) folgen bedeutet, dem Weg folgen. Alles, was hier praktiziert wird, ist das Dharma. Durch die Wiederholung der &#220;bung vertieft sich das Verst&#228;ndnis, und je mehr es sich vertieft, um so mehr wird es m&#246;glich, die Bedeutung der Regeln und aller Handlungen zu verstehen wie Gassho und Sampai. Diese Regeln helfen, eine starke und harmonische Atmosph&#228;re zu erschaffen ohne Formalismus.</p>
<p><span id="more-1435"></span>Gassho ist eine Geste des Respekts gegen&#252;ber den anderen und allem, was existiert. Es f&#252;hrt den Geist &#252;ber das Ego und &#252;ber pers&#246;nliche Werturteile hinaus. Damit erschafft Gassho Harmonie zwischen den Lebewesen, so verschieden sie auch sein m&#246;gen. Wenn die Handlung richtig ist, wird die Welt richtig. Wenn wir f&#252;r andere aufrichtig die H&#228;nde in Gassho zusammenlegen, entsteht Einklang. Wenn wir es f&#252;r das ganze Universum tun, sp&#252;ren selbst die B&#228;ume, die Berge und die Fl&#252;sse diesen Einklang und geben ihn zur&#252;ck.</p>
<p>In Gassho sind die H&#228;nde gegeneinander gelegt, die Handfl&#228;chen und Finger ber&#252;hren sich. Die Unterarme sind waagerecht und die Fingerspitzen in H&#246;he der Nase. Die Position der H&#228;nde beeinflu&#223;t das Gehirn. Die rechte Hand ist verbunden mit der planenden, rationalen Gehirnh&#228;lfte. Die linke Hand entspricht der Welt der Intuition, der unsichtbaren, geistigen Welt. Die in Gassho zusammengelegten H&#228;nde lassen die Einheit zwischen Ego und Kosmos, zwischen dem Materiellen und dem Geistigen entstehen.</p>
<p><em>„Als ich w&#228;hrend des Krieges in China war, waren meine H&#228;nde, wohin ich auch ging, in Gassho. Wenn jemand die H&#228;nde in Gassho zusammenlegt, macht jener, der ihm begegnet, dasselbe. Wenn ich die Faust geballt oder einen Revolver in der Hand gehabt h&#228;tte, w&#228;re das niemals geschehen. In Gassho gehen hei&#223;t, aufh&#246;ren zu schie&#223;en.&#8221; </em><span style="font-size: xx-small;">Kodo Sawaki</span></p>
<p><em> </em></p>
<p>Nach dem Zazen werfen sich Sch&#252;ler und Meister zusammen nieder. Sie harmonieren und werden ein einziger Geist. Dadurch, da&#223; man sich niederwirft, gibt man das Ego auf. Der Mensch neigt dazu, die Welt erobern und beherrschen zu wollen. Aber manchmal mu&#223; er auch zur Erde zur&#252;ckkommen. Sampai &#252;berschreitet den abgegrenzten pers&#246;nlichen Aspekt des Menschen und &#246;ffnet ihn f&#252;r eine h&#246;here Dimension. Diese universelle Geste spiegelt die Demut gegen&#252;ber der Natur und dem ganzen Kosmos wider.</p>
<p>Die &#220;berlieferung berichtet, da&#223; Bodhidharma einmal seine Sch&#252;ler pr&#252;fen wollte und sie nach ihrem Verst&#228;ndnis des Zen fragte. Drei von ihnen gaben sehr kenntnisreiche Antworten. Aber Eka machte nur Sampai, ohne ein Wort. So waren Meister und Sch&#252;ler vereinigt im Dharma. Eka wurde sein Nachfolger.</p>
<p><em>„Den ganzen K&#246;rper einzusetzen f&#252;r das Universum, ist unsere heilige Praxis. Ihn einzig f&#252;r das Ego einzusetzen hei&#223;t, nur das zu tun, was die V&#246;gel tun, die Hunde, die Katzen - und die Fleischmaden.</em>&#8220;             <span style="font-size: xx-small;">Kodo Sawaki</span></p>
<p><span style="font-size: x-small;"><em>Der Text stammt aus dem Buch „ZEN Praxis und Lehre - &#8220;(K&#246;sel-Verlag, M&#252;nchen), das Sch&#252;ler von Taisen Deshimaru nach seinem Tode ver&#246;ffentlicht haben. Er kam 1967 von Japan nach Frankreich, um in Europa die reine Zen-Lehre zu verbreiten, und z&#228;hlt zu den gro&#223;en Zen-Meistern unserer Zeit. </em></span></p>
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		<title>DIE BEFREIUNG DER SPIRITUELLEN ENERGIE</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 09:17:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jack Kornfield</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Durch das Sich-&#214;ffnen der Energiezentren des K&#246;rpers, die traditionell als Chakren bezeichnet werden, ist es m&#246;glich, gro&#223;e Ver&#228;nderungen zu erleben. Doch auch das findet durchaus nicht bei jedem statt, und es ist keineswegs eine Notwendigkeit f&#252;r den spirituellen Entwicklungsprozess. Solch ein dramatisches ungesteuertes Sich-&#214;ffnen des Energiek&#246;rpers und der Chakren geschieht einfach nur deshalb, weil jemand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Durch das Sich-&#214;ffnen der Energiezentren des K&#246;rpers, die traditionell als Chakren bezeichnet werden, ist es m&#246;glich, gro&#223;e Ver&#228;nderungen zu erleben. Doch auch das findet durchaus nicht bei jedem statt, und es ist keineswegs eine Notwendigkeit f&#252;r den spirituellen Entwicklungsprozess. Solch ein dramatisches ungesteuertes Sich-&#214;ffnen des Energiek&#246;rpers und der Chakren geschieht einfach nur deshalb, weil jemand in diesen Bereichen blockiert war. Chakra-Energie zeigt sich u.a. wie folgt:</p>
<p>Das erste Chakra liegt an der Wurzel der Wirbels&#228;ule und wird mit der Energie der Sicherheit oder der  »Erdung« assoziiert. In der Meditation kann es geschehen, dass wir dieses Chakra durch starke Empfindungen im Beckenboden k&#246;rperlich zu sp&#252;ren beginnen. Wenn sich dieses Chakra &#246;ffnet, bewirkt dies, dass wir uns in unserem K&#246;rper auf dieser Erde wirklich zu Hause f&#252;hlen und lernen, uns in der echten Sicherheit unseres Seins zu entspannen.</p>
<p>Das zweite Chakra, das etwas h&#246;her liegt, befindet sich im Bereich der inneren Zeugungsorgane. Ihre Energie &#246;ffnet uns im Allgemeinen f&#252;r Aspekte der Sexualit&#228;t, der Reproduktion und der Zeugung. Wenn sich die sexuelle Energie in diesem Zentrum befreit, kann es geschehen, dass wir von sexuellen Vorstellungen und Empfindungen &#252;berschwemmt werden. Manche m&#246;gen das als angenehm empfinden. Andere, die vielleicht mit einer unaufgearbeiteten sexuellen Problematik belastet sind, m&#252;ssen sich mit der angsterregenden und destruktiven Seite dieser Energien auseinandersetzen.</p>
<p>Das dritte Chakra im Bereich des Solarplexus wird oft mit Willenskraft assoziiert. Wenn sich dieses Chakra &#246;ffnet, k&#246;nnen Angst und Frustration hochschie&#223;en. Das kann zu einer gewaltigen Befreiung von Energie f&#252;hren: Wir sp&#252;ren vielleicht eine ungeheuere inh&#228;rente Kraft in uns; und unser Atem und unser Handeln werden von neuer Klarheit und Spontaneit&#228;t belebt.</p>
<p>Das vierte Chakra, das Herz-Chakra, kann sich sowohl auf k&#246;rperlichen wie auf emotionalen Ebenen &#246;ffnen. K&#246;rperlich empfinden wir vielleicht zun&#228;chst Schmerzen, Ringe von Spannung und Festhalten, die unser Herz seit vielen Jahren umklammert hielten. Auch tiefster Kummer, ein &#220;berflie&#223;en von Mitgef&#252;hl und danach Lachen und Freude k&#246;nnen das &#214;ffnen der emotionalen Schleusen des Herzens begleiten. Hier begegnen wir den gro&#223;en Themen Liebe, N&#228;he und Einsamkeit, und die tiefen Muster unseres Herzens werden sichtbar. Am Ende h&#252;llt das Herz das gesamte Universum in Liebe und Mitgef&#252;hl ein. Es kann zum Zentrum werden, das alles belebt.</p>
<p>Das f&#252;nfte Chakra, das Kehl-Chakra, wird oft mit Kommunikation und Kreativit&#228;t assoziiert. Wenn es sich &#246;ffnet, kommen zuerst die Bilder und all die Energie hoch, die man zur&#252;ckgehalten hat, alles, was man nicht ausgesprochen oder nicht gew&#252;rdigt hat. Auf der k&#246;rperlichen Ebene kann dieses &#214;ffnen stunden- oder tagelang von dem Drang zu schlucken und von Husten begleitet sein. &#214;ffnet sich dieses Zentrum, so finden wir die richtigen Worte und unsere echte Stimme, und wir bekommen ein Gef&#252;hl daf&#252;r, wie es ist, &#252;ber einen freien Kanal zu verf&#252;gen, so dass wir unsere kreativen Impulse zum Ausdruck bringen k&#246;nnen.</p>
<p>Das sechste Chakra liegt zwischen den Augen und wird mit innerer Schau und klarem Verstehen assoziiert. Auch hier kann sich zuerst k&#246;rperlicher Schmerz einstellen, wie Brennen und Spannung um die Augen oder sogar zeitweiliges Erblinden. Lichterscheinungen und Visionen k&#246;nnen auftreten; wir erleben vielleicht ein intensives Gef&#252;hl der Klarheit oder die Entfaltung unserer &#252;bersinnlichen Wahrnehmungsf&#228;higkeit. Wenn sich dieses Chakra &#246;ffnet, kann es geschehen, dass der Fluss der Gedanken inneh&#228;lt, dass wir desorientiert werden und kein Gef&#252;hl mehr daf&#252;r haben, wo wir uns befinden oder welche Rolle wir im Leben spielen.</p>
<p>Mit der &#214;ffnung des siebten Chakras oder Scheitel-Chakras am obersten Punkt des Kopfes kann sich das Gef&#252;hl einstellen, als befinde sich an dieser Stelle ein offenes Loch. Zuerst &#228;u&#223;ert sich dies als Druck und Spannung, und wenn es sich &#246;ffnet, k&#246;nnen Schwindelgef&#252;hle auftreten; mit der Zeit lernen wir, uns in der Klarheit des Bewusstseins zu entspannen. Energie flie&#223;t in unseren Kopf hinein und wieder heraus; wir sind von einem tiefen Gef&#252;hl der Sammlung und der Verbindung mit allem erf&#252;llt. Von diesem Chakra aus gesehen, erscheinen alle Dinge des Lebens als ein Tanz der Harmonie.</p>
<p><span id="more-1428"></span>Au&#223;er den zentralen Chakren gibt es noch weitere Kan&#228;le und kleinere Energiezentren im ganzen K&#246;rper, die sich im weiteren Verlauf des spirituellen Prozesses &#246;ffnen k&#246;nnen. Es existiert zwar ein Grundmuster, nach dem sich das &#214;ffnen der Chakren und das Freisetzen der Energie vollzieht, doch es gibt viele verschiedene &#196;u&#223;erungsformen, in denen es sich manifestiert. Das Sich-&#214;ffnen der Chakren und die Befreiung der Energie wird in allen gro&#223;en spirituellen Traditionen beschrieben: in der mystischen Tradition der Kabbala, in der Tradition der Sufi-Derwische, in christlichen mystischen Texten in buddhistischen Praxis-Handb&#252;chern und in den hinduistischen Lehren des Kundalini-Yoga.</p>
<p>Wenn die energetischen, vision&#228;ren und emotionalen Energien befreit werden, kann es zu heftigen Reaktionen in Form von Verwirrung, Angst, Inflationierung des Ich oder Abh&#228;ngigkeit kommen. In diesem Fall brauchen wir die Hilfe eines speziellen spirituellen Pfades mit seinem alten Wissen, seiner Tradition und seinen erprobten Praxismethoden und, was noch wichtiger ist, eines Lehrers, der diese Dimensionen der Psyche selbst erlebt hat und versteht. Wir m&#252;ssen jemanden finden, dem wir vertrauen k&#246;nnen, und uns dann seiner oder ihrer F&#252;hrung &#252;berlassen.</p>
<p>Wenn wir uns mit diesen unvertrauten Bereichen unseres spirituellen Lebens befassen, m&#252;ssen wir uns stets dar&#252;ber im Klaren sein, dass alle spirituellen Ph&#228;nomene Nebenwirkungen sind. In der buddhistischen Tradition wird berichtet, dass der Buddha seinen Sch&#252;lern immer wieder erkl&#228;rte, es sei nicht der Zweck seiner Lehren, bestimmte gute Taten und gutes Karma anzusammeln oder Erregungszust&#228;nde, Einsichten oder Verz&#252;ckungen zu provozieren, sondern es gehe allein nur um die Befreiung des Herzens - um eine echte Befreiung unseres Wesens in jedem Bereich. Dieses Erwachen und diese Freiheit - und nur diese allein - sind der Sinn und Zweck eines echten spirituellen Weges.</p>
<p>Die beeindruckende Wirkung von Lichterscheinungen und Visionen, die Erregungszust&#228;nde durch das gewaltige Freisetzen von Energie - all das sind wunderbare Zeichen des Zusammenbruchs alter, einengender Strukturen in K&#246;rper und Geist. Doch als solche bringen sie keine Weisheit hervor. Manche Menschen hatten schon viele Erfahrungen dieser Art, ohne dabei sonderlich viel gelernt zu haben. Selbst gro&#223;e Erlebnisse einer &#214;ffnung des Herzens, eines Kundalini-Ph&#228;nomens oder fantastischer Visionen k&#246;nnen sich in spirituellen Stolz umkehren oder einfach zu Erinnerung werden. Wie Nahtod-Erfahrungen oder schwere Unf&#228;lle bewirken sie unter Umst&#228;nden bei den einen tiefe Ver&#228;nderungen, w&#228;hrend andere bald darauf zu den alten, festgefahrenen Gewohnheiten zur&#252;ckkehren. Spirituelle Erfahrungen als solche haben wenig Bedeutung. Was wirklich z&#228;hlt, sind der Lernprozess und die Integration des Gelernten in das allt&#228;gliche Leben.</p>
<p>»Au&#223;ergew&#246;hnliche Erfahrungen« k&#246;nnen zu Fallen auf unserer spirituellen Reise werden. Mit unseren Reaktionen darauf l&#228;sst sich sogar unsere Meditationspraxis korrumpieren, wenn wir gierig nach solchen Erfahrungen greifen oder versuchen, sie zu wiederholen und festzuhalten und dann meinen, wir seien erleuchtet; oder aber wir f&#252;hlen uns durch sie gest&#246;rt und versuchen sie wegzuscheuchen. All dies sind Fallen.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens&#8221; von Jack Kornfield, K&#246;sel-Verlag</span></p>
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		<title>SPIRITUELLE ACHTERBAHN</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 15:05:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jack Kornfield</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Beim vergangenen Meditationsabend haben wir uns mit bestimmten k&#246;rperlichen Erfahrungen besch&#228;ftigt, die sich w&#228;hrend des Zazen zum Beipiel beim L&#246;sen von physischen Blockaden als au&#223;ergew&#246;hnliche Bewegungen oder Reflexe manifestieren k&#246;nnen. Im Folgenden versucht Jack Kornfield in seinen „Fern&#246;stlichen Lehren f&#252;r den westlichen Alltag&#8221; diese kaum zu beschreibenden Erfahrungen in Worte zu fassen und sie als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim vergangenen Meditationsabend haben wir uns mit bestimmten k&#246;rperlichen Erfahrungen besch&#228;ftigt, die sich w&#228;hrend des Zazen zum Beipiel beim L&#246;sen von physischen Blockaden als au&#223;ergew&#246;hnliche Bewegungen oder Reflexe manifestieren k&#246;nnen. Im Folgenden versucht Jack Kornfield in seinen „Fern&#246;stlichen Lehren f&#252;r den westlichen Alltag&#8221; diese kaum zu beschreibenden Erfahrungen in Worte zu fassen und sie als Teil unseres spirituellen Pfades einzuordnen.</p>
<p>Zu diesen Sinneswahrnehmungen geh&#246;ren angenehme Arten von Schauern, Prickeln, Wellen der Verz&#252;ckung und herrliches Funkenspr&#252;hen. Die Haut kann vibrieren; es kann eine Gef&#252;hl sein, als w&#252;rden Ameisen oder kleine K&#228;fer auf uns herumkrabbeln oder als w&#252;rden Akupunkturnadeln in die Haut gesteckt; es kann ein Gef&#252;hl von gro&#223;er Hitze sein, als st&#252;nde die Wirbels&#228;ule in Flammen. Manche tibetische Yogis entwickeln diese Ans&#228;tze der inneren Hitze im Yoga so geschickt weiter, dass sie sich in den Schnee setzen und ihn um sich herum zum Schmelzen bringen k&#246;nnen. Das Gef&#252;hl der Hitze kann sich mit K&#228;ltegef&#252;hlen abwechseln, die mit einem leisen Fr&#246;steln beginnen und sich zu starker Erregung mit Eisesk&#228;lte steigern k&#246;nnen. Manchmal sind diese Erfahrungen des Temperaturwechsels so intensiv, dass wir an hei&#223;en Sommertagen vor K&#228;lte zittern.</p>
<p>Diese kinetischen Formen der Erregung k&#246;nnen von visuellen Ph&#228;nomenen begleitet sein; man sieht farbiges Licht, zuerst Blau, Gr&#252;n und Purpurrot, und sp&#228;ter, wenn die Konzentration st&#228;rker wird, goldenes und wei&#223;es Licht. Viele Praktizierende sehen schlie&#223;lich extrem intensives wei&#223;es Licht, als w&#252;rden sie in sehr starke Scheinwerfer schauen oder als w&#228;re der ganze Himmel von einer glei&#223;enden Sonne ausgef&#252;llt. Verschiedene farbige Lichtph&#228;nomene treten oft im Zusammenhang mit bestimmten Bewusstseinszust&#228;nden auf: Gr&#252;n in Verbindung mit Mitgef&#252;hl, Rot mit Liebe, Blau mit Weisheit.</p>
<p>Auf noch tieferen Ebenen der Konzentration kann das Gef&#252;hl entstehen, als l&#246;se sich der K&#246;rper vollkommen in Licht auf. Wir sp&#252;ren vielleicht ein Kribbeln und Vibrieren, das so subtil ist, dass wir uns wie Lichtmuster im Raum f&#252;hlen, oder wir werden zu Farben eines sehr intensiven Lichts. Diese Lichterfahrungen und Empfindungen sind spezielle Ergebnisse starker geistiger Konzentration. Sie vermitteln das Gef&#252;hl von Reinigung und &#214;ffnung und k&#246;nnen uns zeigen, dass Geist und K&#246;rper und das gesamte Bewusstsein auf einer bestimmten Ebene aus Licht bestehen.</p>
<p>Zudem k&#246;nnen sich diverse ungew&#246;hnliche Sinneswahrnehmungen einstellen. Viele davon sind mit Ver&#228;nderungen der bereits beschriebenen Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser im Bereich der k&#246;rperlichen Wahrnehmung verbunden. Wir f&#252;hlen uns vielleicht sehr schwer oder hart und fest wie ein Stein oder als w&#252;rden wir von einem gro&#223;en Gewicht erdr&#252;ckt. Es kann aber auch das Gef&#252;hl von Gewicht v&#246;llig verschwinden, und wir f&#252;hlen uns wie flie&#223;end und m&#252;ssen die Augen &#246;ffnen, um uns zu vergewissern, dass wir immer noch auf dem Sitzkissen sitzen.</p>
<p><span id="more-1417"></span>&#196;hnliche Erfahrungen sind auch bei der Gehmeditation m&#246;glich. Wenn wir in sehr konzentrierter Weise gehen, kann das Gef&#252;hl entstehen, als w&#252;rde der Raum schwanken wie ein Schiff im Sturm oder als seien wir betrunken. Manchmal scheint sich alles in Funken aufzul&#246;sen, und es entsteht der Eindruck, als k&#246;nnten wir durch die W&#228;nde gehen. Wir sehen uns von merkw&#252;rdigen Mustern und Farben umgeben. Die K&#246;rpergrenzen scheinen zu verschwimmen; auch Temperatur und Konsistenz k&#246;nnen sich ver&#228;ndern.</p>
<p>Der K&#246;rper scheint ungeheuer gro&#223; oder sehr klein zu werden. Der Kopf ist irgendwo neben dem K&#246;rper, jede Zelle des K&#246;rpers scheint zu atmen, oder wir atmen pl&#246;tzlich durch die Fu&#223;sohlen. Es gibt hundert Variationen solcher ver&#228;nderter k&#246;rperlicher Wahrnehmungen, die bei der Praxis auftreten k&#246;nnen. Auch unsere Sinne k&#246;nnen sich f&#252;r neue Erfahrungen &#246;ffnen. Das H&#246;rverm&#246;gen wird vielleicht extrem scharf, wir h&#246;ren die zartesten Ger&#228;usche oder gewaltige innere Kl&#228;nge wie Glocken oder Ch&#246;re. Viele Praktizierende h&#246;ren innere Musik. Manchmal h&#246;rt man klare und deutliche Stimmen, Worte oder gar spezifische Belehrungen. Alle unsere Sinne k&#246;nnen sich in bisher nie erlebter Weise &#246;ffnen und eine ganz neue, tief greifende Sensibilit&#228;t erreichen.</p>
<p>Tiefe Konzentration kann zu allen m&#246;glichen Arten von Visionen und vision&#228;ren Erfahrungen f&#252;hren. Sturzfluten von Erinnerungen, Bilder aus vergangenen Leben, Szenerien aus fremden L&#228;ndern, aus Himmeln und H&#246;llen, die Energien aller gro&#223;en Archetypen k&#246;nnen sich vor unserem inneren Auge entfalten. Es ist m&#246;glich, dass wir uns als andere Wesen in anderen K&#246;rpern, anderen Zeiten und Bereichen erleben. Wir k&#246;nnen Tieren, Engeln, D&#228;monen und G&#246;ttern begegnen. Solche Visionen erscheinen ebenso wirklich wie unsere allt&#228;gliche Realit&#228;t. Sie entstehen oft spontan, aber man kann sie auch durch bestimmte meditative &#220;bungen gezielt hervorrufen, um die positive Energie eines bestimmten Bereichs zu wecken.</p>
<p>Dieses Aufbrechen der Visionen und der physischen Sinne kann von heftigen Gef&#252;hlen begleitet sein - von Trauer und Verzweiflung bis zu Verz&#252;ckung und Ekstase. Meditation wird m&#246;glicherweise zur Achterbahn, wenn wir uns in unbewusste Gef&#252;hle fallen lassen. &#220;beraus lebhafte und in die Tiefe gehende Tr&#228;ume sowie eine Vielfalt von Angstzust&#228;nden sind ebenfalls h&#228;ufige Ph&#228;nomene. Dabei handelt es sich nicht um Gef&#252;hle der Alltagsebene, sondern um das &#214;ffnen des gesamten Emotionsk&#246;rpers. Man begegnet dem h&#246;chsten Entz&#252;cken und der tiefsten Dunkelheit der Einsamkeit, und jedes dieser Gef&#252;hle, die unser ganzes Bewusstsein ausf&#252;llen, ist sehr real. Sie freizusetzen, erfordert die F&#252;hrung durch einen erfahrenen Lehrer, der uns mit der n&#246;tigen R&#252;ckendeckung durch diesen Prozess hindurch begleitet.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens&#8221; von Jack Kornfield, K&#246;sel-Verlag</span></p>
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		<title>STOLPERSTEINE AUF DEM SPIRITUELLEN PFAD</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 09:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jack Kornfield</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[06 - ZenPraxis]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie sind die spektakul&#228;ren und exotischen spirituellen Erfahrungen zu verstehen, von denen in der Literatur der gro&#223;en mystischen Traditionen so viel die Rede ist? Widerfahren sie auch den Menschen unserer modernen Zeit? Welchen Wert haben solche Erfahrungen? Bestimmte spirituelle Systeme behaupten, dass au&#223;ergew&#246;hnliche Bewusstseinszust&#228;nde n&#246;tig sind, damit wir eine »transzendente« Sichtweise entwickeln k&#246;nnen, uns &#252;ber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sind die spektakul&#228;ren und exotischen spirituellen Erfahrungen zu verstehen, von denen in der Literatur der gro&#223;en mystischen Traditionen so viel die Rede ist? Widerfahren sie auch den Menschen unserer modernen Zeit? Welchen Wert haben solche Erfahrungen? Bestimmte spirituelle Systeme behaupten, dass au&#223;ergew&#246;hnliche Bewusstseinszust&#228;nde n&#246;tig sind, damit wir eine »transzendente« Sichtweise entwickeln k&#246;nnen, uns &#252;ber die Grenzen unseres K&#246;rpers und Geistes hinaus &#246;ffnen und die g&#246;ttliche Qualit&#228;t der Befreiung erkennen. Diese Schulen sprechen von wichtigen »Erleuchtungserfahrungen« und erkl&#228;ren, man m&#252;sse den Gipfel erklimmen, kosmische Visionen haben und das »kleine Selbst« transzendieren. Viele Traditionen beziehen sich prim&#228;r auf solche vision&#228;ren und transzendenten Erfahrungen. Andere Schulen, die sich auf das Erwachen »hier und jetzt« beziehen, lehren, dass das G&#246;ttliche und die Erleuchtung stets gegenw&#228;rtig sind. Allein nur der habenwollende und festhaltende Geist &#8212; zu dessen Dom&#228;ne auch das Verlangen nach Transzendenz geh&#246;rt - h&#228;lt uns davon ab, diese Wirklichkeit zu erfahren.</p>
<p>Die Erfahrung transzendenter Zust&#228;nde kann unter Umst&#228;nden eine zutiefst heilende und verwandelnde Wirkung haben, doch ihre Gefahren und die M&#246;glichkeiten des Missbrauchs sind ebenso gro&#223;. Vielleicht entwickeln wir das Gef&#252;hl, jemand ganz Besonderer zu sein, weil wir sie erlebt haben; wir k&#246;nnen leicht von ihnen abh&#228;ngig werden; und die dramatischen Erlebnisse, k&#246;rperliche Sensationen, Erregung und Visionen k&#246;nnen s&#252;chtig machen und unsere Gier und unser Leiden noch verst&#228;rken. Die gr&#246;&#223;te Gefahr ist jedoch der Mythos, dass diese Erfahrungen uns von Grund auf verwandeln w&#252;rden, dass von einem Augenblick der »Erleuchtung« oder Transzendenz an unser Leben ganz und gar besser sei. Das trifft in den seltensten F&#228;llen zu, und das Haften an solchen Erfahrungen f&#252;hrt allzu leicht zu Selbstzufriedenheit, Hybris und Selbstt&#228;uschung.</p>
<p>Die einmalige oder gelegentliche Erfahrung von Liebe und Licht kann zur Ausrede werden, dass doch alles bereits g&#246;ttlich oder vollkommen sei, und uns dazu verf&#252;hren, alle Konflikte und Schwierigkeiten wegzuinterpretieren. Manche Sch&#252;ler praktizieren jahrelang mit dieser Einstellung und sind dabei weit davon entfernt, echte Weisheit zu entwickeln. Sie treten auf der Stelle, ohne es zu wissen, und obwohl sie vielleicht ein Gef&#252;hl von Frieden haben, hat in ihrem Leben keine Transformation stattgefunden; unter diesen Umst&#228;nden werden sie m&#246;glicherweise nie zur Erf&#252;llung ihres spirituellen Weges gelangen - nie wahre Befreiung inmitten der Welt finden.</p>
<p>Wenn wir mit einer spirituellen Praxis beginnen, schlagen wir uns mit den k&#246;rperlichen Schmerzen und mit der inneren Panzerung herum, die wir im Laufe der Jahre aufgebaut haben; wir sind emotionalen St&#252;rmen ausgesetzt und mit einer Prozession der &#252;blichen Hindernisse konfrontiert. Eines sollten wir dabei aber nicht vergessen: Da die mentalen, emotionalen und spirituellen Gebiete, mit denen wir uns hier befassen, unserem gew&#246;hnlichen Bewusstsein sehr fremd sind, brauchen wir unbedingt einen Lehrer oder Begleiter und die Unterst&#252;tzung durch eine angemessene Situation, um bei der Navigation durch dieses unbekannte Gew&#228;sser nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Das ist entscheidend wichtig. Man unternimmt ja auch keine Trekkingtour in den Himalaya ohne einen F&#252;hrer, der die alten Pfade kennt.</p>
<p><span id="more-1388"></span></p>
<p>Wenn wir dann sp&#228;ter mehr Erfahrung mit der spirituellen Praxis gewonnen haben, wenn wir mit unseren tief sitzenden Schwierigkeiten vertrauter geworden sind und mitf&#252;hlender damit umgehen, verlieren selbst die eingefleischtesten Muster des Festhaltens und der Angst nach und nach ihre Macht &#252;ber uns. Wir entwickeln eine Geisteshaltung von Ruhe und Unersch&#252;tterlichkeit, welchem speziellen Praxisweg wir auch immer folgen m&#246;gen. Diese Ruhe ist nicht das Ende der Praxis, aber sie kann ein Anfang sein. Dieses Bei-sich-Sein und die Standhaftigkeit von Herz und Geist sind ein Tor zu anderen Bereichen der Erfahrung. Durch unsere best&#228;ndige Praxis der Meditation erleben wir uns als au&#223;erordentlich wach und v&#246;llig unbeeintr&#228;chtigt von irgendwelchen inneren Ablenkungen. Dank dieser neuen, umfassenden Achtsamkeit verlagert sich unser Bewusstsein in einen Bereich andersartiger und v&#246;llig neuer Wahrnehmungen.</p>
<p>Wenn durch die spirituelle Praxis starke Konzentration aufgebaut und Energie angeregt wird, <strong>kann</strong> sich eine ganze Reihe von neuen und aufregenden Sinneswahrnehmungen einstellen. Das ist weder bei jedem so, noch sind sie f&#252;r die spirituelle Entwicklung n&#246;tig. Diese neuen Bewusstseinszust&#228;nde sind eher Nebenwirkungen der Meditation, und je besser wir sie verstehen, desto weniger laufen wir Gefahr, an ihnen h&#228;ngenzubleiben oder sie mit dem Ziel des spirituellen Lebens zu verwechseln.</p>
<p>Das erste, was sich bei vielen Praktizierenden einstellt, ist eine ganze Palette von ver&#228;nderten k&#246;rperlichen Empfindungen, wie alle m&#246;glichen Arten von Schauern, inneren Bewegungen, Licht, Flie&#223;en, Vibrieren, Verz&#252;ckung und anderes mehr, das bei tiefer Konzentration auftreten kann. Durch Konzentration erlebt man oft, wie sich eine gro&#223;e Energie im K&#246;rper aufbaut. Wenn diese Energie in Bewegung kommt, produziert sie Gef&#252;hle der Freude, und wenn sie auf verkrampfte, blockierte Bereiche st&#246;&#223;t, staut sie sich an, bis sie sich befreien kann. Auf diese Weise kann die Erregung zu Zittern, Sch&#252;tteln oder heftigen Entladungen k&#246;rperlicher Energie f&#252;hren; in einigen yogischen Traditionen bezeichnet man dies als Kriyas. Das sind spontane Bewegungen, die in unterschiedlichen Mustern auftreten. Manchmal ist es eine einzige unwillk&#252;rliche Bewegung, die das L&#246;sen eines Knotens oder einer Spannung im K&#246;rper begleitet. Es kann aber auch die Form l&#228;nger dauernder dramatischer Bewegungen annehmen; sie k&#246;nnen sogar tagelang anhalten.</p>
<p>Diese spontanen Erfahrungen k&#246;rperlicher Befreiung haben weder eine erleuchtende noch eine sch&#228;digende Wirkung. Sie zeigen lediglich, wie Energie gegen Blockaden und Verspannungen st&#246;&#223;t, die ihren Fluss behindern. Wenn diese spontanen Bewegungen auftreten, lernen wir zu respektieren, wie tief unsere Muster des Festhaltens verwurzelt sein k&#246;nnen. Bei vielen Praktizierenden dauert der Prozess des L&#246;sens k&#246;rperlicher Blockaden Monate oder Jahre.</p>
<p>Am besten begegnet man diesen Bewegungen mit Entspannung; vor allem der R&#252;cken und der Bereich am Ansatz der Wirbels&#228;ule sollten entspannt werden. Ist die Bewegung nicht allzu heftig, gen&#252;gt es oft, den K&#246;rper entspannt und dabei ruhig zu halten und zuzulassen, dass die Energie neue Kan&#228;le im K&#246;rper durchst&#246;&#223;t, anstatt dass man sie in Bewegungen freisetzt. Bei heftigeren Manifestationen ist das nicht m&#246;glich; es gibt jedoch Mittel und Wege, um das Stauen und den Fluss der Energie zu z&#252;geln und zu bes&#228;nftigen. Wenn wir uns konzentrieren, folgt die Energie unseres k&#246;rperlichen Systems einem nat&#252;rlichen Prozess des Freisetzens und des Ausgleichs. Wir sp&#252;ren, wie die Hitze, das Pulsieren und Vibrieren spontan an unserer Wirbels&#228;ule aufsteigen und dabei blockierte Energiekan&#228;le &#246;ffnen und schlie&#223;lich bis in jeden Nerv und jede Zelle der K&#246;rpers dringen. Wir entdecken, dass die tief greifendsten Heilprozesse und intensivste K&#246;rperarbeit stattfinden k&#246;nnen, w&#228;hrend wir nichts anderes tun als stillsitzen und meditieren. Denkt daran, dass dies ein langwieriger Prozess sein kann, und habt Geduld mit eurem K&#246;rper. - Beim n&#228;chsten Meditationsabend in drei Wochen werden wir mehr &#252;ber au&#223;ergew&#246;hnliche Bewusstseinzust&#228;nde erfahren.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens&#8221; von Jack Kornfield, K&#246;sel-Verlag</span></p>
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		<title>REISE EINES ZEN-MEISTERS</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 14:15:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Zen-Meisterin Daehaeng</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[08 - ZenGeschichten]]></category>

		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>

		<category><![CDATA[das Reich der Täuschung]]></category>

		<category><![CDATA[das Reich des Feuers]]></category>

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		<description><![CDATA[An einem kalten Wintertag wanderte ein Zen-Meister einen Bergpfad entlang. Kein Mensch war ihm an diesem Tag begegnet, kein Fuchs, kein Hase hatte seinen Weg gekreuzt; alles Leben schien sich zur Ruhe gelegt zu haben. Nur das gleichm&#228;&#223;ig wiederkehrende Knirschen des Schnees unter seinem stetigen Tritt unterbrach die Stille, die &#252;ber der Landschaft lag. Pl&#246;tzlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An einem kalten Wintertag wanderte ein Zen-Meister einen Bergpfad entlang. Kein Mensch war ihm an diesem Tag begegnet, kein Fuchs, kein Hase hatte seinen Weg gekreuzt; alles Leben schien sich zur Ruhe gelegt zu haben. Nur das gleichm&#228;&#223;ig wiederkehrende Knirschen des Schnees unter seinem stetigen Tritt unterbrach die Stille, die &#252;ber der Landschaft lag. Pl&#246;tzlich aber vernahm er au&#223;er der Monotonie seiner Schritte ein weiteres Ger&#228;usch. Es war unverkennbar der Klang einer menschlichen Stimme. Er hielt inne und lauschte. Deutlich h&#246;rte er nun eine Frau schluchzen. Suchend lie&#223; er seinen Blick &#252;ber die Umgebung schweifen und erblickte seitlich vom Weg eine Ansammlung von Grabh&#252;geln. Dort schien das Schluchzen herzukommen.</p>
<p>Langsam n&#228;her herangehend, sah er eine Frau zwischen den Gr&#228;bern hocken. Den Oberk&#246;rper hin und herwiegend, hielt sie ein lebloses Kind in ihren Armen und weinte bitterlich. Trotz der eisigen K&#228;lte trug sie d&#252;nne Sommerkleider, und das Kind war lediglich in ein altes Tuch gewickelt. Neben der Frau war die d&#252;nne Schneeschicht vom Boden weggekratzt worden. Wie ihre blutigen Finger verrieten, musste sie vergeblich versucht haben, mit blo&#223;en H&#228;nden ein Loch in die gefrorene Erde zu graben.</p>
<p>Ohne den Meister zu bemerken, begann die Frau laut zu klagen, wobei ihr mit heftigem Schluchzen immer wieder die Stimme versagte: »0 mein Sohn, mein Sohn! Nach dem Tod deines Vaters lebte ich nur noch f&#252;r dich. Jetzt bist du auch tot. Seit neun Generationen immer nur ein einziger Sohn! Mit dir ist unsere ganze Familie gestorben. Wie soll ich weiterleben&#8217;? Lass uns zusammen gehen, zusammen zu deinem Vater gehen!«</p>
<p>Ergriffen von diesem Bild tiefen Leids wandte der Meister seine Aufmerksamkeit dem Kind zu. Eingehend betrachtete er es mit seinem inneren Auge, bis er sich ganz sicher war: Dieses Kind war gestorben, lange bevor die ihm bemessene Lebensspanne abgelaufen war. Vorsichtig trat er nun hinzu und machte sich der Frau bemerkbar. Mit einer leichten Ber&#252;hrung vergewisserte er sich, dass der K&#246;rper des Kindes noch nicht erkaltet war.</p>
<p>Dann sagte er zu der Frau: »Wenn wir die Seele deines Kindes schnell finden und zur&#252;ckholen, dann k&#246;nnte es leben. Ich werde mich sofort auf die Suche machen. W&#228;hrend ich weg bin, musst du dein Kind warmhalten und die Kerze deines „Herzens&#8221; entz&#252;nden. Erlischt die Kerze deines „Herzens&#8221;, bevor ich zur&#252;ck bin, werden dein Sohn und ich nicht mehr zur&#252;ckkehren k&#246;nnen.« Da keine Zeit zu verlieren war, lie&#223; sich der Meister auf der Stelle in den Lotussitz nieder und versetzte sich augenblicklich in tiefe Versenkung. W&#228;hrend sein K&#246;rper neben der Frau sitzen blieb, machte sich seine Seele auf ins Jenseits.</p>
<p><span id="more-1380"></span>Zuerst gelangte er in das Reich der T&#228;uschungen. Alle Seelen m&#252;ssen nach dem Tod durch dieses Reich hindurchgehen, bevor sie ihren Weg fortsetzen k&#246;nnen. Wie der Meister aber gewahrte, irrten hier unz&#228;hlige Seelen ziellos umher, scheinbar unf&#228;hig, sich aus dem Reich der T&#228;uschungen zu befreien. Daher sprach er zu ihnen: »Was ihr jetzt seht, die dunklen Geister, die wimmelnden Giftschlangen, die furchtbaren Schreckenswesen, all diese sind nichts als Trugbilder. Es gibt sie nur aus einem einzigen Grund: Sie sind da, weil ihr denkt, dass sie wirklich sind. Wenn ihr aber in dem Wissen, dass alles nur Schein ist, entschlossen weitergeht, wird sich jeglicher Schrecken spurlos aufl&#246;sen.&#8221;</p>
<p>Mit diesen Worten f&#252;hrte der Meister die Seelen aus dem Reich der T&#228;uschungen hinaus und erreichte mit ihnen das Reich des Feuers. Doch als er in das Feuer eintrat, konnten die Seelen ihm nicht folgen. Zu gro&#223; war ihre Angst, in der immensen Hitze verbrannt zu werden. Wieder unterwies sie der Meister: »Ihr denkt, dass ihr im Feuer verbrennen werdet, weil euer Bewusstsein immer noch der Vorstellung eines K&#246;rpers anhaftet. Ihr besitzt aber keinen K&#246;rper mehr, daher kann euch das Feuer nichts anhaben. Befreit euch von euren alten Gedanken, dann hat das Feuer keine Wirklichkeit. Daraufhin durchquerten die Seelen zusammen mit dem Meister die Welt des Feuers und konnten nun endlich frei ihrer Wege gehen.</p>
<p>Indessen begab sich der Meister eiligst zum W&#228;chter &#252;ber diesen Bereich: »Ich bin gekommen, um eine Seele zu suchen, die eines vorzeitigen Todes gestorben ist.« Der W&#228;chter nahm ein gro&#223;es Verzeichnis zur Hand, aber der Junge war nicht darin eingetragen. »Da ich seinen Namen hier nicht finden kann«, bedeutete er dem Meister, »solltet Ihr im Reich der Namenlosen nach dem Kind suchen.« Im Reich der Namenlosen angekommen, sah er unz&#228;hlige Seelen, die eines vorzeitigen Todes gestorben waren. Zusammen mit dem dortigen W&#228;chter fand er aber tats&#228;chlich die Seele des Jungen. Eiligst verlie&#223; er mit ihr das Reich der Namenlosen und die Welt der Toten und f&#252;hrte diese Seele zur&#252;ck in die Welt der Lebenden.</p>
<p>Die Mutter, die inst&#228;ndig auf die R&#252;ckkehr des Meisters wartete, hatte inzwischen ihre letzten Kr&#228;fte verbraucht. Das Licht ihres „Herzens&#8221; flackerte nur noch, und sie stand kurz davor, selbst das Leben auszuhauchen. Als aber der Meister die wiedergeholte Seele in den K&#246;rper des Kindes zur&#252;ckgab, wurde das Kind in den Armen der Mutter wieder lebendig. Dies lie&#223; auch ihre Lebensgeister zur&#252;ckkehren, sie sp&#252;rte, wie neue Kraft und neuer Lebensmut sie durchstr&#246;mten, und weinend vor Gl&#252;ck umarmte sie ihren verloren geglaubten Sohn. Der Meister aber lachte erleichtert auf und sagte: »Nachdem ich im Reich der T&#228;uschungen, im Reich des Feuers und im Reich der Namenlosen gewesen bin, wurde mir erneut bewusst, dass nichts wirklich existiert.«</p>
<p>Das zu Lebzeiten geschaffene Bewusstsein verschwindet nicht mit dem Tod, so hartn&#228;ckig sind unsere Anhaftungen. Unser „Herz&#8221; hat keine Gestalt, daher ist es eigentlich vollkommen frei, und es gibt nichts, wor&#252;ber es stolpern kann. Unser Bewusstsein aber mit den von uns angesammelten und festgehaltenen Gedanken - wie zum Beispiel im Wasser ertrinken oder im Feuer verbrennen zu m&#252;ssen - ist sehr z&#228;h. Sich von jenem Bewusstsein zu befreien ist sehr schwierig, weil es w&#228;hrend unseres Lebens in der materiellen Welt durch und durch von materiellen Gedanken gepr&#228;gt wird.</p>
<p>Das „Herz&#8221; hat zwar keine Gestalt, kennt weder Kommen noch Gehen und ist schneller als das Licht. Dennoch werden die festen Vorstellungen, die wir w&#228;hrend der langen Zeit der Entwicklung in sterblichen K&#246;rpern geschaffen haben, zu starken Gewohnheiten. Deshalb bleiben wir auch nach dem Tod gefesselt, obwohl unser K&#246;rper schon nicht mehr existiert. Wer nach dem Tod seinen Weg frei gehen will, muss zuvor wenigstens diese Wahrheit erkannt haben.</p>
<p>Wenn wir erfahren wollen, wie das „Herz&#8221; ist, dann sollten wir in uns selbst hineinschauen. Es gibt Zeiten, in denen wir uns &#252;ber Nichtigkeiten &#228;rgern, weil wir unsere festen Vorstellungen nicht loslassen k&#246;nnen. Aber manchmal k&#246;nnen wir selbst die gr&#246;&#223;ten Schwierigkeiten entschlossen loslassen und leichtf&#252;&#223;ig voranschreiten. Das kommt daher, dass wir unbewusst das Wesen des „Herzens&#8221; erkannt, die festen Vorstellungen abgelegt und dem Ursprung anvertraut haben.</p>
<p>Ob gro&#223; oder klein, ob hell oder dunkel: Betrachten wir nichts als zwei und lassen wir alles an unseren Ursprung los. Dadurch k&#246;nnen wir nicht nur uns selbst befreien, sondern auch all die Lebewesen, mit denen wir in Verbindung stehen. Indem wir uns von unseren festen Vorstellungen befreien, k&#246;nnen wir v&#246;llig frei in den Himmel fliegen und gleichzeitig auf der Erde tausend Blumen erbl&#252;hen lassen.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Auszug aus „Wie flie&#223;endes Wasser&#8221; von Zen-Meisterin Daehaeng aus Korea, Goldmann Arkana Verlag</span></p>
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		<title>WUNSCHLOS GL&#220;CKLICH WERDEN</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 07:59:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brenda Shoshanna</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Aus psychologischer Sicht sind W&#252;nsche ein Bestandteil des menschlichen Lebens, und wir m&#252;ssen angemessene Mittel lernen, um sie zu befriedigen. Tats&#228;chlich entstehen viele psychische St&#246;rungen aus der Unterdr&#252;ckung und Zur&#252;ckweisung von W&#252;nschen, aus unannehmbaren W&#252;nschen, die einen Menschen qu&#228;len, oder aus der Unf&#228;higkeit, tiefe, anhaltende Sehns&#252;chte zu befriedigen. In der Therapie lernt der Patient seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus psychologischer Sicht sind W&#252;nsche ein Bestandteil des menschlichen Lebens, und wir m&#252;ssen angemessene Mittel lernen, um sie zu befriedigen. Tats&#228;chlich entstehen viele psychische St&#246;rungen aus der Unterdr&#252;ckung und Zur&#252;ckweisung von W&#252;nschen, aus unannehmbaren W&#252;nschen, die einen Menschen qu&#228;len, oder aus der Unf&#228;higkeit, tiefe, anhaltende Sehns&#252;chte zu befriedigen. In der Therapie lernt der Patient seine unbewussten und bewussten Bed&#252;rfnisse zu erkennen, sie zu akzeptieren, konstruktiv zu kanalisieren und eine Erf&#252;llung zu erlangen, die gesund und positiv ist.</p>
<p>Das alles kann n&#252;tzlich und oft konstruktiv sein. W&#252;nsche sind m&#228;chtige Kr&#228;fte, die man erkennen und mit denen man ehrlich umgehen muss. Eine Praxis, die W&#252;nsche unterdr&#252;ckt, ihre Existenz leugnet oder behauptet, das Individuum sei &#252;ber menschliche Sehns&#252;chte erhaben, gr&#252;ndet auf einem tr&#252;gerischen Fundament. Fr&#252;her oder sp&#228;ter kommen diese unbewussten, unterdr&#252;ckten Energien zum Vorschein und richten oft gro&#223;en Schaden an. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Existenz von W&#252;nschen zu erkennen und sie zu Bewusstsein zu bringen, aber von da an gehen Psychologie und Zen getrennte Wege.</p>
<p>Aus der Sicht des Zen entsteht wahre Erf&#252;llung niemals aus der Befriedigung von W&#252;nschen. Vielleicht ist eine vor&#252;bergehende Entlastung die Folge, aber nicht der tiefe Frieden und die tiefe Erf&#252;llung, die wir suchen. Sobald ein Wunsch befriedigt ist, folgt der n&#228;chste. Die Befriedigung ist fl&#252;chtig und macht den Menschen oft noch hungriger, als er vorher war. Von Wunsch zu Wunsch zu leben, erzeugt eine Art von Sucht. Wir werden Sklaven unserer W&#252;nsche. Je mehr wir sie befriedigen, desto mehr wollen wir haben.</p>
<p>Der Zustand der Wunschlosigkeit, der in der buddhistischen Literatur beschrieben wird, ist oft missverstanden worden. Er bedeutet nicht, gef&#252;hllos zu werden oder die Verbindung zu den Dingen zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Er bedeutet, imstande zu sein, nat&#252;rliche und einfache Bed&#252;rfnisse, die entstehen, zu erkennen und zu befriedigen, ohne ihnen anzuhaften und mehr haben zu wollen. Er trennt Bed&#252;rfnis und Wunsch voneinander. Wir brauchen ein bestimmtes Ma&#223; an Nahrung, Sonne, Wasser, Freundschaft. Aber viele W&#252;nsche haben gar nichts mit unseren wirklichen Bed&#252;rfnissen zu tun. Sie trennen uns sogar von ihnen und erzeugen Begierden, die unwirklich sind.</p>
<p><span id="more-1368"></span></p>
<p>Zen-Meister Rinzai, der Begr&#252;nder einer der beiden gro&#223;en Zen-Traditionen, lehrte: „Wenn ich hungrig bin, esse ich. Wenn ich m&#252;de bin, schlafe ich. Die Narren lachen &#252;ber mich, aber die Weisen verstehen es. Iss, wenn du hungrig bist.&#8221; - Dieser simple Satz ist die Grundlage allen wahren &#220;bens. Er stellt bei Menschen wieder ihr nat&#252;rliches Gleichgewicht und das nat&#252;rliche Gleichgewicht des Universums her.</p>
<p>Wie viele Menschen essen wirklich, wenn sie hungrig sind, oder schmecken und verdauen die Nahrung, die sie empfangen? Oft essen wir, wenn wir m&#252;de, deprimiert und nerv&#246;s sind oder es uns an Liebe mangelt. Wir essen, weil es von uns gesellschaftlich erwartet wird oder weil es an der Zeit ist zu essen. Unsere Bed&#252;rfnisse und Zw&#228;nge sind so miteinander vermischt, dass es uns schwer f&#228;llt, &#252;berhaupt zu erkennen, wann wir wirklich Hunger haben. Wenn wir essen, weil wir m&#252;de oder nerv&#246;s sind, k&#246;nnen wir nie befriedigt sein und werden nat&#252;rlich immer mehr haben wollen. Wie viele Menschen schlafen wirklich, wenn sie m&#252;de sind? Wie viele schlafen, um eine schmerzhafte Welt auszublenden oder in Tr&#228;ume zu entfliehen? Wie viele k&#246;nnen sich hinlegen, wenn sie m&#252;de sind, und fest schlafen, ohne sich in Tr&#228;umen und &#196;ngsten hin und her zu w&#228;lzen?  -  Je mehr wir Zazen &#252;ben, desto mehr sind wir nicht nur imstande zu erkennen, was wir wirklich brauchen, sondern das Bed&#252;rfnis direkt zu befriedigen, bevor es sich in einen Wunsch verwandelt und wir um immer mehr betteln.</p>
<p>In einer alten Zen-Geschichte wird erz&#228;hlt, dass eine Frau zu Buddha kam und ihm erkl&#228;rte, dass sie kurz vor dem Verhungern sei. Sie bettelte ihn um etwas zu essen an. Wie die meisten von uns war sie eine Bettlerin im Leben geworden und erkannte nicht, woher ihre wirkliche Nahrung kam. Sie war gewillt, alles M&#246;gliche zu essen. Ganz gleich, was jemand ihr anbot, sie ergriff es. Flehend schaute sie Buddha an. Sie war ein Fisch, der im Wasser schwamm und vor Durst umkam. Buddha hielt ihr etwas zu essen hin, doch gab er es ihr nicht. Erst musste sie »nein« zu ihm sagen. Sie musste begreifen, dass sie keine Bettlerin war. Sie musste der Gier ein Ende setzen.</p>
<p>Als Bettler gehen wir durchs Leben, zu Liebhabern, Freunden und Therapeuten und flehen um ein Ende unseres Leidens. Bei Angst und Seelenqual bestehen die heutigen Behandlungsmethoden vielfach darin, Medikamente zu geben, die den Schmerz bet&#228;uben, oder Techniken einzusetzen, durch die der jeweilige Mensch das bekommen kann, was er sich w&#252;nscht. Das ist, als ob man der hungernden Frau Nahrung geben w&#252;rde, die sie nicht satt macht, sondern nur noch hungriger.</p>
<p>Statt Gier als positiven Faktor zu betrachten und ihr zu erlauben, unsere Triebfeder zu sein, besteht der erste Schritt darin, sie als das zu sehen, was sie ist, und ihre Folgen zu begreifen. Ganz gleich, wie viel Geld man anh&#228;uft, man wird sich niemals sicher oder zufrieden f&#252;hlen. Je mehr man in diese Begierde investiert, desto weniger wird man sich innerlich erf&#252;llt f&#252;hlen.</p>
<p>Heutzutage geraten viele Menschen in Verzweiflung, nachdem sie ihre Ziele verwirklicht und all das &#8220;erreicht&#8221; haben, was sie wollten, und trotzdem weiterhin eine tiefe innere Leere empfinden.</p>
<p>&#8220;War es das?&#8221; fragen sie sich. Das ist ein besonders vorherrschendes Thema f&#252;r Menschen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, denn bis dahin hatte sich ihr Identit&#228;ts- und Wertgef&#252;hl auf die Arbeit oder das Einkommen gest&#252;tzt.</p>
<p>Im Herz-Sutra, das wir hier regelm&#228;&#223;ig rezitieren, hei&#223;t es: &#8220;Es gibt weder Gewinn noch Verlust.&#8221; Dieses Sutra ist eine elementare Lehre Buddhas &#252;ber das Wesen des Lebens selbst. Es handelt von der Erscheinungswelt (der Welt der Form), dem Absoluten (der Welt der Leere) und dem Leiden (der Welt der Menschen). Das Sutra lehrt, dass Form sich in Leere verwandelt und Leere in Form. Es ist unsere Identifikation mit dem einen oder anderen, unsere Illusion, dass sie dauerhaft sind, die Leiden erzeugt. Es ist die Illusion, dass es etwas zu gewinnen gibt und dass wir es nicht verlieren d&#252;rfen, die unser Herz in Angst versetzt. Dieses Sutra fordert uns auf, dar&#252;ber hinauszuschauen zu dem hin, wo wir nichts verlieren k&#246;nnen.</p>
<p>Um dem Leiden ein Ende zu setzen, ist es notwendig zu verstehen, wodurch es verursacht wird. Wir m&#252;ssen die Entstehung der drei Gifte Gier, Hass und Verblendung anschauen und lernen, nicht ihre Gefangenen zu werden. Dann m&#252;ssen wir zur Tat schreiten. Denn Verstehen allein reicht nicht aus.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Zen-Wunder&#8221; von Brenda Shoshanna, Goldmann Arkana Verlag</span></p>
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		<title>DIE ANDERE WIRKLICHKEIT</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 13:40:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dennis Genpo Merzel</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[&#8220;Wir haben eine wunderbare Zen-Tradition, unsere Mahlzeiten gemeinsam in meditativer Stille zu uns zu nehmen. Spezielle Schalen werden daf&#252;r benutzt, und die gr&#246;&#223;te hei&#223;t Oryoki, was auf Japanisch bedeutet: &#8220;enth&#228;lt genau die richtige Menge&#8221;. Im tieferen Sinne ist unser Leben wie diese Zen-Schale und die Nahrung ist all das, was sich ereignet, selbst Dinge, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wir haben eine wunderbare Zen-Tradition, unsere Mahlzeiten gemeinsam in meditativer Stille zu uns zu nehmen. Spezielle Schalen werden daf&#252;r benutzt, und die gr&#246;&#223;te hei&#223;t Oryoki, was auf Japanisch bedeutet: &#8220;enth&#228;lt genau die richtige Menge&#8221;. Im tieferen Sinne ist unser Leben wie diese Zen-Schale und die Nahrung ist all das, was sich ereignet, selbst Dinge, die uns nicht bewusst sind. Wir sehen wirklich nur die Spitze des Eisbergs und doch enth&#228;lt dieses Leben immer genau die richtige Menge.</p>
<p>Wenn wir unser Leben auf diese Weise betrachten, kann nichts von dem, was passiert, als zuf&#228;llig bezeichnet werden. Jeder und jede von uns hat einen eigenen Pfad der Entwicklung, und manchmal sieht es aus, als w&#252;rden wir alle in verschiedene Richtungen gehen. Einige Leute sagen, sie seien auf der Suche nach Frieden oder Geistesfrieden, andere sagen, sie suchten Freiheit oder Befreiung. Einige von uns wollen sich wahrhaft unabh&#228;ngig, best&#228;tigt oder erm&#228;chtigt f&#252;hlen. Obwohl wir verschiedene Dinge sagen, suchen oder bem&#252;hen wir uns in Wirklichkeit um das Gleiche: Wir wollen frei sein vom Leiden.</p>
<p>Als der Buddha &#252;ber den Pfad der spirituellen Entwicklung sprach und dar&#252;ber, wie man bleibenden Frieden finden k&#246;nne, ermahnte er seine Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, sich auf die Wurzel des Problems zu konzentrieren und sich nicht von den Bl&#228;ttern und &#196;sten ablenken zu lassen. Andererseits sagt uns die westliche Kultur, dass wir uns f&#252;r viele verschiedene Dinge interessieren sollten, und so vergingen Jahrhunderte, in denen wir uns mit allen m&#246;glichen Ablenkungen besch&#228;ftigt haben.</p>
<p>Tats&#228;chlich ist die Wurzel des Problems nicht leicht zu erkennen. Sie ist einfach zu offensichtlich. Das hei&#223;t nicht, dass wir im Westen besonders dumm oder blind w&#228;ren; selbst Shakyamuni Buddha fand es schwer, die Ursache des Leidens zu erkennen. Der Buddha verbrachte Jahre der &#220;bung und ging durch viele Pr&#252;fungen, bevor er seine Entdeckung machte: Die grundlegende Ursache f&#252;r unser Leiden ist Unwissenheit, Ignoranz - wir betrachten uns selbst als abgetrennt und unvollst&#228;ndig. Dies ist Verblendung, und sie f&#252;hrt zu Verlangen - Wollen, Begehren und Anhaftung. Das Wollen selbst ist die Ursache unseres Leidens.</p>
<p><span id="more-1342"></span>Mittlerweile verstehen wir vielleicht schon ein wenig, wie Unwissenheit zu unserer Unzufriedenheit und Bed&#252;rftigkeit f&#252;hrt. Aber aufgrund unserer Konditionierung werden wir immer noch Widerstand versp&#252;ren zu erwachen. Es scheint, als w&#228;re es eigentlich ganz einfach: Wenn meine Unwissenheit daher r&#252;hrt, dass ich mich im Dunkeln aufhalte, dann muss ich blo&#223; den Kopf heben, die Sichtweise ver&#228;ndern, einfach umkehren. Doch was bedeutet das - umkehren? Das hei&#223;t, wir m&#252;ssen die Art und Weise, mit der wir die Welt normalerweise betrachten, ver&#228;ndern - die Perspektive, dass ich hier bin und alles andere dort drau&#223;en. Wenn ich die Welt niemals anders gesehen habe, glaube ich nat&#252;rlich daran, dass ich sie sehe, wie sie wirklich ist, dass ich die Wirklichkeit sehe. Es kommt uns ganz einfach nicht in den Sinn, die Art zu ver&#228;ndern, mit der wir wahrnehmen.</p>
<p>Es ist sehr hilfreich, zu einem fr&#252;hen Zeitpunkt der Praxis einen Einblick in die andere Seite der Wirklichkeit zu erhaschen. Selbst der kleinste Einblick wird einen Riss in unserem Panzer hinterlassen. Doch daf&#252;r m&#252;ssen wir zuerst eine simple Frage stellen: &#8220;Gibt es au&#223;er meiner Sichtweise noch eine andere?&#8221; Man kann unm&#246;glich wissen, welche Lebenserfahrungen jemand gemacht haben muss, damit diese Frage aufkommt. Was brauchte es, dass wir hier sind, genau jetzt, in diesem Augenblick von Raum und Zeit? Nur von einigen wenigen dieser Kr&#228;fte k&#246;nnen wir &#252;berhaupt wissen, denn wir sind das karmische Ergebnis von allem, was in der Vergangenheit passierte. Von allem! Es brauchte also genau das, was uns widerfuhr, damit wir da stehen, wo wir heute sind. Genau dieser Augenblick ist Dharma: vollkommen und vollst&#228;ndig als das gesamte Karma eines jeden, einer jeden von uns.</p>
<p>Sobald wir anfangen zu fragen, ob es da noch eine andere Weise gibt, die Realit&#228;t wahrzunehmen, entsteht in uns ein dringendes Verlangen und eine Sehnsucht nach der Wahrheit. Wir wollen die Wahrheit verstehen, sehen, h&#246;ren und f&#252;hlen. Doch wie jedes andere Verlangen auch, wird uns dieses Verlangen nach der Wahrheit leiden lassen. Um unser Leiden wirklich zu beenden, m&#252;ssen wir unsere zugrunde liegende Krankheit heilen: Wir m&#252;ssen alles Streben, Verlangen und Wollen beenden.</p>
<p>Es kann einen Schock verursachen, nach innen zu blicken und zu erkennen, wie viele W&#252;nsche wir haben, und vielleicht tauchen daraufhin ernsthafte Zweifel in uns auf, ob es &#252;berhaupt m&#246;glich ist, jemals vom Leiden befreit zu werden. Wie sollen wir blo&#223; unserem Verlangen ein Ende setzen, wenn wir in fast jedem Moment unseres Lebens wollen und begehren? Der Buddha entdeckte den Weg, und wir k&#246;nnen es ebenfalls, denn seine Entdeckung wurde uns durch die Traditionslinie der verwirklichten Vorfahren &#252;bertragen.</p>
<p>Worin besteht dieser Schatz des Buddha, der so sorgsam bis zum heutigen Tag &#252;bertragen wurde? Durch Meditation k&#246;nnen wir endlich den suchenden, strebenden Geist zur Ruhe bringen. Zazen selbst enth&#228;lt die Antwort. Wenn wir einfach sitzen, mit geradem R&#252;cken und trotzdem nat&#252;rlich entspannt, k&#246;nnen wir einfach nur sein. Am Anfang wird es ganz sicher weder nat&#252;rlich noch entspannend sein. Es ist schlicht und einfach eine Menge harter Arbeit. Doch Sinn der Sache sind nicht Anstrengung und Kampf, sondern zu &#252;ben, bis unser Sitzen wahrlich m&#252;helos ist. Das Ziel unserer Praxis ist es, zu entspannen, uns dem Leben hinzugeben und loszulassen.</p>
<p>Es ist wichtig, sich klarzumachen, was es bedeutet loszulassen. Loslassen bedeutet nicht, einfach zu tun, was wir wollen. Loslassen und sich dem Leben hingeben hei&#223;t, sich von Verlangen und Anhaften befreien. Zazen reicht bis zur Wurzel unseres Anhaftens, indem es uns unser wahres Selbst enth&#252;llt  - unsere vollst&#228;ndige und ganze Buddha-Natur. Was k&#246;nnten wir wohl noch verlangen oder brauchen, wenn wir erkannt haben, dass es von Anfang an &#252;berhaupt keinen Mangel gegeben hat?</p>
<p>In der &#220;bung geht es darum, zu lernen, wie wir unsere wahre Natur in allem, was wir tun, erkennen und verk&#246;rpern k&#246;nnen. Um in der Manifestation unserer wahren Natur vertrauensvoll, frei und freudig zu werden, brauchen wir viel Aufmerksamkeit und &#220;bung. Zen-Meditation ist der Weg, dies zu erreichen. Durch Zazen lernen wir, zu sein, wer wir wirklich sind.&#8221;</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Der Pfad&#8221; von Dennis Genpo Merzel Roshi, Aurum-Verlag</span></p>
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		<title>OM - DER KLANG DES UNIVERSUMS</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 15:46:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ho Tetsu</dc:creator>
		
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Anfang war der Klang. In den &#246;stlichen Weisheitslehren gilt das OM als erste kosmische Schwingung, aus der sich in unterschiedlichen Verdichtungsprozessen das gesamte Universum entfaltet habe. Dieser Klang schwinge seitdem im Kosmos und offenbare die Gegenwart des Absoluten. Die Silbe OM ist Gegenstand unz&#228;hliger philosophischer Spekulationen der verschiedenen Glaubensstr&#246;mungen im gesamten Osten und spielt auch im Buddhismus eine gro&#223;e Rolle. Selbst das christliche Mantra Amen hat sich nicht nur im spirituellen Sinne sondern auch sprachgeschichtlich und ethymologisch daraus entwickelt.</p>
<p>Das st&#228;ndige Wiederholen des Mantras hilft uns, unsere Aufmerksamkeit auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren und schlie&#223;lich einen Zustand der tiefen Ruhe zu erreichen. Der Klang, so hei&#223;t es, habe die Qualit&#228;t, alles immer wieder zu erneuern. Mit jedem T&#246;nen beginne die neuerliche Ausrichtung darauf, wer wir wirklich sind, um so die Welt aufs Neue auch tats&#228;chlich wahrzunehmen.</p>
<p>Solange wir jedoch K&#246;rper und Geist benutzen, um Formen zu sehen und Kl&#228;nge zu h&#246;ren, k&#246;nnen wir immer nur einen Teil der Wirklichkeit wahrnehmen. Um die<em> </em>ganze Wirklichkeit zu erfahren, m&#252;ssen wir uns mit allen Kr&#228;ften und aller Entschlossenheit auf die Praxis des Weges konzentrieren. Meditation und die &#220;bung der Achtsamkeit sind gute Voraussetzungen, um unsere ichbezogene Lebenseinstellung zu &#252;berpr&#252;fen und unsere Verantwortung f&#252;r die Welt sowie f&#252;r unsere Mitmenschen zu erkennen - und entsprechend zu handeln.</p>
<p>Jeder Ton, den wir h&#246;ren oder innerlich wahrnehmen, kommt aus der Stille und verklingt wieder in der Stille. Beim Verklingen wird aus dem H&#246;ren ein Lauschen. Bleibt man danach in dieser Lausch- und Sp&#252;rhaltung, dann stellt sich eine &#228;u&#223;erst wache Achtsamkeit ein und der Raum hinter dem Ton, hinter der Empfindung wird erfahrbar.</p>
<p>Stilles Sitzen nach langem Chanten hat immer eine besondere Dichte und bewirkt eine lang anhaltende F&#228;higkeit zur wachen Pr&#228;senz. Gleichzeitig atmen sp&#252;rbar alle Zellen des K&#246;rpers, weil die Vibration der T&#246;ne selbst die groben K&#246;rperstrukturen durchdringt und die Lebensenergie sich dadurch ungehindert ausbreiten kann.</p>
<p>Wenn in der Meditation das OM innerlich und lautlos mit dem Atem verbunden wird, kann durch die Verl&#228;ngerung der Ausatmung ein geistiger Rhythmus entstehen. Beim Sitzen in der Stille verweilt man in sp&#252;render Atemachtsamkeit zwar ohne jede weitere Absicht, aber die Vorbereitung durch das Rezitieren f&#252;hrt dazu, dass sich das lange Ausatmen jetzt von allein einstellt. Erfahrungsgem&#228;&#223; hat diese Vorgehensweise eine tiefergehende Wirkung als das h&#228;ufig empfohlene Z&#228;hlen.</p>
<p>Jede grob- und feinstoffliche Form wird von Klang beeinflusst, da Schwingungen die Grundlage jeglicher Form sind. Alles, was wir &#228;u&#223;ern, gestaltet unsere Welt, unsere Stimmungen und die Erfahrungen, die wir machen. Die Silbe OM zu t&#246;nen, hat das Potenzial, negative Gedanken, Worte und Handlungen aufzul&#246;sen.</p>
<p>Beim gemeinsamen Rezitieren dieses Mantras verbinden wir uns nicht nur mit dem Ursprung, sondern k&#246;nnen auch das vermeintliche Getrenntsein &#252;berwinden und die untrennbare Einheit erfahren. Wenn man das OM lautlos mit dem Ausatmen verbindet und st&#228;ndig wiederholt, entsteht nach und nach eine starke Bewusstseinskraft, die alle Zerstreuungen im Geist beruhigt und transformiert.</p>
<p>Lasst uns nun zur Einstimmung einige Minuten lang OM chanten und nach dem Anschlagen der Klangschale in stiller Achtsamkeit Zazen &#252;ben. Vielleicht sp&#252;ren wir dann, wie Atem und Bewusstsein eins werden und mit dem Klang des Universums verschmelzen.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge z. T. aus „Vollende, was du bist - Der integrale Weg&#8221; von Helga Simon-Wagenbach, Theseus-Verlag</span></p>
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		<title>KULTUR DER ACHTSAMKEIT</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 17:15:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doris Zoells</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[08 - ZenGeschichten]]></category>

		<category><![CDATA[13 - Allgemein]]></category>

		<category><![CDATA[Kultur der Achtsamkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir Zen praktizieren, pflegen wir eine „Kultur der Achtsamkeit&#8221;, in der f&#252;r uns eigentlich jeder Tag ein „Tag der Achtsamkeit&#8221; sein sollte. Die &#220;bung des Zen ist die reine Wahrnehmung. Sie ist die unmittelbare Erfahrung, in der Subjekt und Objekt ineinander fallen. Dieses Gewahrsein seiner selbst wird in vielen Texten als Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir Zen praktizieren, pflegen wir eine „Kultur der Achtsamkeit&#8221;, in der f&#252;r uns eigentlich jeder Tag ein „Tag der Achtsamkeit&#8221; sein sollte. Die &#220;bung des Zen ist die reine Wahrnehmung. Sie ist die unmittelbare Erfahrung, in der Subjekt und Objekt ineinander fallen. Dieses Gewahrsein seiner selbst wird in vielen Texten als Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit beschrieben. Wie es in folgender Zen-Geschichte sch&#246;n geschildert wird:</p>
<p>Eines Tages kam ein hoher Beamter zu Meister Ikkyu. Er war von weither angereist, und bat Ikkyu: „Meister, k&#246;nnt ihr mir bitte die Grundz&#252;ge der h&#246;chsten Weisheit niederschreiben?&#8221; Ikkyu griff sofort zu Tinte und Pinsel und schrieb: „Achtsamkeit.&#8221; „Ist das alles?&#8221;, fragte der Mann etwas entt&#228;uscht. „K&#246;nnt ihr dem nicht noch etwas hinzuf&#252;gen?&#8221; Ikkyu schrieb daraufhin: „Achtsamkeit, Achtsamkeit.&#8221; „Nun&#8221;, sagte der Mann in leicht gereiztem Ton, „in dem, was ihr geschrieben habt, kann ich nicht viel Tiefes entdecken. Gibt es nichts anderes zur h&#246;chsten Weisheit zu sagen?&#8221; Daraufhin schrieb Ikkyu dreimal hintereinander das gleiche Wort: „Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit.&#8221; „Was bedeutet das Wort Achtsamkeit eigentlich?&#8221;, wollte der Mann nun g&#228;nzlich ver&#228;rgert wissen. „Achtsamkeit bedeutet Achtsamkeit&#8221;, sagte Ikkyu mit sanfter Stimme.</p>
<p>H&#228;tte der Beamte wirklich wach wahrgenommen, das hei&#223;t ohne Bewertung, sondern nur im Gewahrsein, was da geschah, dann h&#228;tte er selbst in die Erfahrung eintauchen k&#246;nnen, die Ikkyu pr&#228;sentierte, und damit die Essenz der gr&#246;&#223;ten Weisheit erleben k&#246;nnen. Ikkyu lie&#223; in seinem Tun dem Beamten den Vollzug des Lebens bewusst mit erfahren. Es ging lkkyu nicht darum, dem Beamten den Begriff Achtsamkeit niederzuschreiben. Nein, Ikkyu wollte den Beamten mitnehmen in den Augenblick, in das Hier und Jetzt, wo sich Achtsamkeit ereignet. Sogar noch mit dem letzten Satz versuchte er mit aller Kraft, die er nur aufbieten konnte, den Beamten erleben zu lassen, was Achtsamkeit ist, indem er mit ganz sanfter Stimme sprach: &#8220;Achtsamkeit ist Achtsamkeit.&#8221; Darin zeigte Ikkyu, dass man sogar das Sprechen als Vollzug des Lebens wahrnehmen kann, man auch im Sprechen die Essenz des Zen bewusst erlebt, als Vollzug des Lebens.</p>
<p>Die Grund&#252;bung der Achtsamkeit ist Zazen, &#8220;einfach Sitzen&#8221;. Buddha sagte einmal: Deine Gedanken sind wie eine Horde Affen, sie zu b&#228;ndigen, das ist die Aufgabe. Dies geschieht mit Hilfe eines Fokus, mit dessen Hilfe die Gedanken geb&#252;ndelt werden. Meistens wird der Atem als Fokus genommen, den man beobachtet. So &#252;bt man sich als Erstes in dieser Konzentration, die zugleich alle psychosomatischen Energien b&#252;ndelt. Kein Gedanke schiebt sich zwischen mich, den Beobachter, und das Atemgeschehen. Diese Konzentration wirkt sich sehr schnell im Alltag aus. So wird man sich bald auf seine Arbeiten besser konzentrieren k&#246;nnen. Man l&#228;sst sich nicht immer von allem und jedem ablenken und wird sich bald ruhiger und ausgeglichener erfahren.</p>
<p>Dies sind wunderbare Nebenerscheinungen, doch beinhaltet die &#220;bung weit mehr. Die Konzentration f&#252;hrt, f&#228;hrt man mit ihr fort, in eine reine Wahrnehmung, ein Gewahrsein. Aus der fokussierenden Konzentration entwickelt sich eine nichtfokussierende Achtsamkeit, die jetzt nicht mehr an irgendeinem Objekt haftet. So f&#252;hrt Zazen von der Konzentration zur reinen, begriffsfreien Wahrnehmung der Wirklichkeit und noch weiter: Die Wahrnehmung l&#228;sst die Ich-Aktivit&#228;t unserer Gedanken zur&#252;cktreten. Vorurteile, Muster, Konzepte, mit denen mein Alltagsgeist die Welt betrachtet, versteht und einordnet, werden als Gedanken erkannt, die das Gehirn produziert, &#228;hnlich dem &#8220;Gluckern des Bauches&#8221;.</p>
<p>Dadurch geschieht eine Desidentifikation von den Gedanken und Emotionen. Ich bin nicht mehr meine Gedanken und Emotionen, sondern ich lerne, meine Gedanken als &#8220;Plaudern&#8221; meines Gehirns und meine Emotionen als &#8220;Stoffwechsel&#8221; meines K&#246;rpers zu erkennen. Halte ich diese Gedanken und Emotionen nicht fest, bewerte ich sie nicht, sondern kann sie vor&#252;berziehen lassen, wie Wolken am Himmel. So f&#252;hrt diese vorurteilsfreie Wahrnehmung zu einem wertfreien Handeln.</p>
<p>Eine kleine Zen-Geschichte beschreibt dies sehr sch&#246;n. Sie spielt in einem Dorf, in dem ein alter Zen-Meister wohnte. Bei allen Dorfbewohnern stand er in hoher Achtung. Doch eines Tages behauptete ein junges M&#228;dchen, dass sie von dem alten Meister schwanger sei. Die Emp&#246;rung war gro&#223; und als das Kind geboren war, brachten die emp&#246;rten Eltern des M&#228;dchens das Kind zu dem Meister, damit er es aufziehe. Der Meister nahm das Kind an und sein einziges Wort dazu war nur: &#8220;So.&#8221; Es vergingen elf Jahre, da beichtete das M&#228;dchen ihren Eltern, dass der Vater des Kindes nicht der alte Meister sei, sondern ein junger Fischer. Daraufhin gingen die Eltern zu dem alten Meister und nahmen das Kind wieder an sich. Der Meister meinte nur: &#8220;So.&#8221;</p>
<p>Die Geschichte zeigt sehr deutlich, dass dieses Freisein von wertenden Gedanken und das Nichtfesthalten an Konzepten ein freies, intuitives, doch vollkommen bewusstes Handeln erm&#246;glichen.</p>
<p><span style="font-size: xx-small;">Ausz&#252;ge aus „Zen im 21. Jahrhundert -  Zen als Impuls f&#252;r eine neue Kultur der Achtsamkeit&#8221; Doris Z&#246;lls, Kamphausen-Verlag</span></p>
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