25 Jan

EINFACH NUR SITZEN
Im Zentrum des Übens steht die »stille Sitzmeditation« (Zazen), eine Methode zur umfassenden Bewusstseinsschulung und persönlichen Reifung: Zazen üben heisst, mit einem Höchstmaß an Konzentration und Achtsamkeit den Geist reinigen, leermachen - nicht denken.
Bei der klassischen Meditationshaltung setzt man sich möglichst aufrecht auf ein Kissen (Zafu), kreuzt die Beine und drückt die Knie auf den Boden. Das Dreieck aus Knien und Steißbein sorgt für eine stabile Körperhaltung als gute Voraussetzung, um auch innerlich zur Ruhe zu kommen.
Burmesischer Sitz
Anfänger sollten mit dem burmesischen Sitz oder Fersensitz beginnen. Die Unterschenkel liegen hierbei nahezu parallel voreinander, wobei die Knöchel auf der Unterlage ruhen. Das ist weniger anstrengend für die Knie. Nach einiger Übung kann man sich langsam zum halben Lotussitz „hocharbeiten“.
Lotussitz
Rechten Fuß so weit oben wie möglich auf den linken Oberschenkel legen und den linken Fuß entsprechend auf den rechten. Allerdings können nur wenige Menschen ohne monatelange Streckübungen diese Sitzposition mühelos einnehmen.
Halber Lotussitz
Im Prinzip wie beim vollen Lotussitz, aber nur den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel legen oder umgekehrt. – Eine leicht geänderte Form besteht darin, den Fuß statt auf den Ober- auf den Unterschenkel zu legen, was wesentlich einfacher ist. – Noch einfacher ist es, nur die Unterschenkel kurz über den Knöcheln zu kreuzen.
Fersensitz (Seiza)
Diese kniende Haltung kann auf einem Kissen (auch hochkant) oder einem Bänkchen eingenommen werden. Das Gewicht ruht auf dem Sitzkissen bzw. der Bank, den Knien, Schienbeinen und Knöcheln. Der Fersensitz eignet sich bei längerem Zazen als Entspannungsübung.
Wer mit all diesen Sitzarten Probleme hat, kann auch auf einem Hocker oder Stuhl Platz nehmen.
Körperhaltung
Aus der stabilen Sitzhaltung heraus strebt die Wirbelsäule senkrecht nach oben. Hohlkreuz und „Buckel“ sollten vermieden werden. Der Kopf ist gerade, das Kinn leicht zurückgezogen, so dass der Scheitel gegen die Decke „stößt“. Die Schultern bleiben locker.
Handhaltung
Zwei Handhaltungen sind möglich: 1. Die rechte Hand umfasst den linken Daumen von oben. Die Finger der linken Hand bedecken die rechte Faust. Beide Hände vor dem Unterleib entspannt auf den Oberschenkeln ablegen. 2. Die Hände liegen wie zwei Schalen übereinander, die linke Hand in der rechten. Die Daumen berühren sich leicht und bilden mit den Zeigefingern das kosmische Mudra – ein Oval, das ungefähr auf Höhe des Bauchnabels gehalten wird.
Augen
Wann immer wir Zazen praktizieren, sollten wir mit niedergeschlagenen, aber leicht geöffneten Augen im Winkel von etwa 45 Grad vor uns auf den Boden oder gegen die Wand blicken. Dabei schauen wir mit höchster Aufmerksamkeit „nach innen“ und achten darauf, keinen Blickpunkt außen zu fixieren.
Atmung
Bei der Zen-Meditation sollte die Atmung einen langsamen, kraftvollen und natürlichen Rhythmus aufbauen. Wenn man sich auf ein langes und tiefes Ausatmen konzentriert und die Aufmerksamkeit auf die Haltung lenkt, geschieht die Einatmung ganz von selbst. Geatmet wird in das Zwerchfell, nicht in den Brustkorb. Die Ausatmung, die leichten Druck auf den ganzen Unterleib ausübt, entwickelt große Energie in Höhe der Taille und Nieren. Beim Zazen verlangsamt sich der Atemrhythmus wie auch der Herzrhythmus; das Blut und die inneren Organe werden besser mit Sauerstoff versorgt.
Der Geist
Um den Geist zu beruhigen, sollten wir aufmerksam unserem Atem folgen und beim Ausatmen mitzählen: am besten bis zehn und dann wieder von vorn beginnen. Dabei sitzen wir wie ein Berg und lassen die Gedanken wie Wolken an uns vorüberziehen. Nicht gegen sie ankämpfen, sich nicht darüber ärgern, aber sich auch nicht von ihnen mitziehen lassen. Sie einfach unbeeindruckt beobachten. Wenn dann die störenden Gedanken seltener werden, konzentrieren wie uns auf die Pausen dazwischen, auf das “Nichts”, keine bildlichen Vorstellungen, keine Assoziationen, einfach nur bewusst da sein.
KINHIN - ZAZEN IN DER BEWEGUNG
Die Gehmeditation, japanisch Kinhin genannt, ist im Grunde die Fortsetzung des Zazen in der Bewegung. Zwischen den einzelnen Sitz-Phasen gehen wir meditierend im Kreis, in dem wir achtsam beim Einatmen und Ausatmen je einen Schritt machen. Die Augen sind wie beim Zazen halb geöffnet, der Blick bewegt sich zwei Meter voraus etwa in Höhe der Taille des Vorangehenden.
Die Hände liegen ungefähr vor dem Solarplexus ineinander, so dass die Unterarme in der Waagerechten eine Gerade bilden. Die rechte Hand formt eine Faust, die linke bedeckt sie von vorn. Beim Gehen wird die Ferse zuerst aufgesetzt, dann rollt der Fuß in einer sanften Bewegung ab. So schreiten wir mit geradem Rücken und lockeren Schultern etwa fünf Minuten hintereinander durch den Meditationsraum.
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SYMBOLE UND RITUALE
Im Zen sind religiöse Symbole nur der Finger, der zum Mond zeigt - aber nicht der Mond selbst. Sie sind Wegweiser, die über sich hinaus auf die jenseits allen Begreifens liegende Wirklichkeit hinweisen. Allerdings können sie zugleich auch Hindernisse auf dem spirituellen Weg sein, wenn wir sie fälschlicherweise für das halten, was sich nicht durch Bilder oder Worte darstellen lässt.
Damit sie nicht unsere spirituelle Weiterentwicklung blockieren, sollten wir uns stets über den eigentlichen Zweck und Nutzen der Symbole klar werden. Eine Buddha-Figur zum Beispiel erinnert uns an den großen Lehrmeister der Menschheit und fordert gleichzeitig dazu auf, seinen Weg zur Befreiung von Leid und Angst fortzusetzen. Auch wenn diese Statue ein wertvolles Kunstobjekt wäre, bliebe sie aber letztendlich immer eine leere Form. - Ebenso verhält es sich mit den Ritualen im Zen. Ob es dabei um Art und Weise der Meditation, um Rezitationen, Verbeugungen oder Niederwerfungen geht, alle diese Übungen dienen keinen religiösen Bekundungen, sondern nur zur Einstimmung und Konzentration auf die Versenkung.
Erst wenn wir uns von den alten Denkweisen des spirituellen Materialismus vollkommen befreien und bereit sind, das Eintauchen in die große Leere zu wagen, werden wir aus dem Traum der dualistischen Welt erwachen und die kosmische Dimension des ursprünglichen reinen Seins entdecken. Dann werden wir die wahre Natur des nicht getrennten Selbst - das Einssein mit der Urquelle - erkennen.
18 Aug
“Beim Zazen spielt die Atmung eine wesentliche Rolle. Die Ausatmung ist ruhig, nicht wahrnehmbar und gibt einen langsamen, kräftigen und natürlichen Rhythmus vor. Die Einatmung kommt von selbst. Sie ist kürzer als die Ausatmung.
Während Zazen verlangsamt sich der Atemrhythmus wie auch der Herzrhythmus; das Blut und die inneren Organe werden besser mit Sauerstoff versorgt. Die Ausatmung, die Druck nach unten gibt, auf den ganzen Unterbauch, entwickelt große Energie in Höhe der Taille, der Nierengegend und der Hüften. Der Übende kann diese Atmung im Alltag beibehalten, denn der Körper nimmt sie letztlich an.
Die Meister vergleichen die Atmung beim Zazen oft mit dem Muhen einer Kuh oder der Atmung eines Babys, das schreit, wenn es zur Welt kommt. Die kurze Einatmung und die langsame und kraftvolle Ausatmung sind Zeichen und Ursache von Stärke und Vitalität. Im Gegensatz dazu deutet eine oberflächliche und kurze Ausatmung auf Schwäche und depressive Zustände hin. Wenn die Atmung gut ist, werden alle Dinge des Lebens leicht. Wenn Körper und Geist verbunden sind, fegt eine tiefe, langsame, ruhige, kraftvolle Atmung alle Kompliziertheit des Mentalen weg. Der Geist wird klar wie ein wolkenloser Himmel.”
Der Text stammt aus dem Buch „ZEN Praxis und Lehre - “(Kösel-Verlag, München), das Schüler von Taisen Deshimaru nach seinem Tode veröffentlicht haben. Er kam 1967 von Japan nach Frankreich, um in Europa die reine Zen-Lehre zu verbreiten, und zählt zu den großen Zen-Meistern unserer Zeit
12 Jun
„Ich möchte über das Grundproblem des Sitzens sprechen. Ob Sie nun erst seit einer kurzen Zeit üben oder schon zehn Jahre lang, das Problem bleibt immer das gleiche. Als ich vor vielen Jahren zu meiner ersten Sesshin ging, wusste ich nicht, wer verrückter war, ich oder die Leute, die um mich herumsaßen. Es war schrecklich! Die Temperatur betrug in dieser Woche fast dauernd 40 Grad, Fliegen krabbelten auf mir herum, es war eine geräuschvolle, unruhige Meditation. Das Ganze regte mich auf und brachte mich vollkommen durcheinander. Doch ab und zu sah ich Yasutani Roshi, und bei ihm fand ich etwas, das mich bei der Stange hielt.
Leider ist das erste halbe Jahr das härteste. Man muss sich mit Verwirrung, Zweifeln und Problemen auseinander setzen und hat noch nicht lang genug geübt, um die wirklichen Früchte ernten zu können. Doch diese Schwierigkeiten sind natürlich, sie sind sogar gut. Wenn Ihr Kopf mit der Zeit all diese Stadien durchmacht, während Sie im Schneidersitz dasitzen, und alles vielleicht höchst merkwürdig und lächerlich finden, lernen Sie ungeheuer viel über sich selbst. Und das kann Ihnen nur zugute kommen. Bitte fahren Sie fort, so oft wie möglich in einer Gruppe zu meditieren, und gehen Sie so oft wie möglich zu einem guten Lehrer. Wenn Sie das tun, wird das Üben des Zazen allmählich das Beste und Schönste sein, was Sie in Ihrem Leben haben.
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5 Mai
“Wenn ihr Zazen praktiziert, versucht nicht, euer Denken anzuhalten. Lasst es von selbst aufhören. Wenn euch etwas in den Sinn kommt, lasst es herein und lasst es wieder hinausgehen. Es wird nicht lange bleiben. Wenn ihr versucht, euer Denken anzuhalten, heißt das, dass ihr davon gestört seid. Lasst euch durch nichts stören. Es scheint euch, als würde etwas von außen in euren Geist kommen, aber in Wirklichkeit sind es nur die Wellen eures Geistes, und wenn euch diese Wellen nicht stören, werden sie allmählich ruhiger und ruhiger werden. In fünf oder höchstens zehn Minuten wird euer Geist völlig ruhig und gelassen sein. Dann wird euer Atem ganz langsam werden, während euer Puls sich ein wenig beschleunigt.
Es wird ziemlich lange dauern, bis ihr euren gelassenen, ruhigen Geist in eurer Praxis findet. Viele Empfindungen kommen, viele Gedanken und Bilder steigen auf, aber das sind nur Wellen eures Geistes. Nichts kommt von außerhalb eures Geistes. Gewöhnlich meinen wir, unser Geist nehme Eindrücke und Erlebnisse von außen auf, aber das ist kein zutreffendes Verständnis unseres Geistes. Das richtige Verständnis ist, dass der Geist alles umfasst. Wenn ihr denkt, dass etwas von außen kommt, dann heißt das nur, dass es in eurem Geist auftaucht. Nichts außerhalb von euch selbst kann Schwierigkeiten verursachen. Ihr selbst bringt die Wellen eures Geistes hervor. Wenn ihr euren Geist lasst, wie er ist, wird er ruhig werden. Dieser Geist wird „großer Geist“ („BigMind“) genannt.